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Fish’n'Chips an der Tür

GRIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIINNNNNNNNNGGGGG! Ein schrilles Läuten durchbrach die stickige Ruhe. Mein rechtes Augenlid begann zu zucken, sonst keine Reaktion. Wo war ich? Hatte ich schon geschlafen? Welches Jahr schrieben wir?
Seit gestern saß ich in diesem Schaukelstuhl, soweit ich mich erinnern konnte, und starrte aus dem Fenster, unfähig zu nur irgendwas. Es war ein katatonischer Zustand. Körper und Geist am Nullpunkt. Eigentlich ein Nichtzustand. Erst langsam nahm ich selbst und die Dinge um mich Form und Inhalt an. Ein halbtote Fliege am Fenster, ein unangenehmer Schmerz im Rücken, ein Stechen in der Brust und ein scharfer Geruch in der Nase.
GRIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIINNNNNNNNNGGGGG! Mann! Ich schwörs dir! Hätte ich den roten Knopf in der Hand gehabt, den einen Knopf, der die Atombomben auf Wien fallen läßt, dann hätte ich ihn genau JETZT gedrückt.  Diese verdammte Glocke. Greis, der ich bin, quälte ich mich mit knackenden Knochen aus dem Stuhl und schlapfte zur Tür. Im Vorbeigehen wollte ich noch das Katana ergreifen, meine Hand verfehlte es allerdings und für einen zweiten Versuch war ich zu müde. Die Mühe durch den Türspion zu sehen, machte ich mir erst gar nicht. Ich öffnete die Tür, sie war ohnehin nicht versperrt und ließ sie langsam aufgleiten. Am Gang war es dunkel, meine Augen versagten, ich erkannte nichts.
“Bin ich tot?”, schrie voll Bitternis ich in die Dunkelheit.
“Na! Aussehen tust du ja schon so! Hallo, Matla!”, sagte eine fröhliche Stimme mit beunruhigend motiviertem Unterton. Die Nachbarin hopste zur Tür herein, mit einem pfiffigen Grinsen im Gesicht.
Langsam ließ ich die Tür wieder ins Schloß fallen, als ich spürte, wie mir eine Träne über die Wange lief.
“Warum kann ich nicht tot sein?”, sagte ich leise zu mir selbst. Ich drehte mich um, die Nachbarin war nicht zu sehen. Ich stapfte ins Zimmer. Sie stand in der Küche.
“Komm schon, Matla! Laß dich nicht so gehen, du Jammerlappen! Du tust ja grad so, als würde die Welt untergehen!”
“Was…. stinkt…?”, brachte ich mit Mühe hervor in der Hoffnung, sie würde mich auch so verstehen.
“Ich habe dir Thunfischpizza und ein paar Pfefferoni gebracht! Selbstgemacht! Die ist noch von gestern übrig. Den Teig habe ich gekauft und den Rest selbstdraufgetan. Schau, kannst du haben!”
Ziemlich verzweifelt sah ich zuerst auf die Pizza, hob dann ohne ein Wort einen fast leeren Sack Chips vom Boden auf und belegte mit den darin enthaltenen Resten die Pizza. Die Nachbarin sah mir ganz interessiert zu und kicherte dazwischen immer wieder. Erst als ich ein Foto von der Pizza machte, verdrehte sie stöhnend die Augen.

So sah das aus und ich muß leider zugeben, daß es nicht schlecht war:

Man erkennt es kaum und man glaubt es kaum.

{ 8 } Comments

  1. matla | 1. April 2009 at 12:59 | Permalink

    Und jetzt hocke ich mich wieder in den Schaukelstuhl. Bis morgen.

  2. Vanacoud | 1. April 2009 at 13:04 | Permalink

    na geht ja schon wieder bergauf mit dir. hehehe.
    liegt wohl auch am wetter.

  3. matla | 1. April 2009 at 13:06 | Permalink

    … Katatonie …

  4. lizzy | 1. April 2009 at 13:20 | Permalink

    …Depression, aber jetzt kommt der Frühling und alles wird besser…….

  5. Koala | 1. April 2009 at 13:26 | Permalink

    Hat du tatsächlich Chips auf die Pizza gelegt?

  6. knofl | 1. April 2009 at 13:26 | Permalink

    matlachen :-) ich liiiiiiiiiieeeeeeebe deine geschichten! *herzerlinaugen*
    bussi!

  7. Johannes | 1. April 2009 at 13:49 | Permalink

    ich weis nicht, dein mittagessen hat immer häufiger so einen gewissen bioabfallkübel charakter…

  8. matla | 1. April 2009 at 14:00 | Permalink

    Ja, ich weiß. Aber Essen interessiert mich momentan überhaupt nicht. Mir ist scheißegal, wie das Zeug aussieht, riecht oder schmeckt. Hauptsache ich kriegs irgendwie runter.

{ 1 } Trackback

  1. [...] meint lizzy so lapidar, “Aber jetzt kommt der Frühling.” So soll es sein. Also scheiß ich [...]

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