Grusel I + II

„Komm doch mit mit mir, Matla! Bitte! Besuchen wir doch meine Freundin gemeinsam! Sie wird sich freuen!“, flehte mich die Nachbarin heute an.
Also gut, ich ging mit auf den Scheißfriedhof. Zum Grab einer alten Hure, die letztes Jahr am Alkohol zugrunde ging. Ja, ich mochte sie auch gerne, sie war eine echt geradlinige Person – was man von nicht vielen Leuten behaupten kann… aber trotzdem: was soll ich auf dem Scheißfriedhof? Ihr ist es egal und mir gibt es viel mehr, wenn ich mich an die schönen Dinge erinnere! Na egal, die Nachbarin will unbedingt mit einem Stein reden.
Nachdem wir am Grab ein paar nette Worte gesagt hatten, schleppte mich die Nachbarin noch eine Weile durch den Friedhof. „Schau hier!“ und „Schau da!“. Erst als ich praktisch nur noch herumfluchte, weil ich mir ständig die Zehen an irgendwelchen Gräbern stieß, gab sie Frieden.

Grusel I:
Und beim Verlassen des Friedhofs, da schiss sich die Nachbarin fast in die Hose!
„Matla!“, schrie sie. Die Haare standen ihr zu Berge. „Sieh nur! Da steht mein Name auf dem Grab! Matla! Oh mein Gott!“
„Was? So heißt du? Also das ist dein Name? Das? Echt?“
„Waaaas? Weißt du etwa nicht, wie ich heiße, du Arsch?“ Die Nachbarin sah ziemlich erledigt aus.
„War nur Spaß… Nachbarin.“ Oder nicht.

Grusel II:
Gerade eben stand ich im dunklen Vorzimmer, in voller Kampfmontur, das Katana in den Händen, bereit zu töten, was auch immer aus dem Zimmer kommen mag.
Zufälligerweise läutete gerade jetzt die Nachbarin an. Ich riss sie mit einer blitzschnellen Bewegung in meine Wohnung herein und zischte ich sie an:
„Pass auf! Sei leise! Duck dich!“
„Was’n mit dir schon wieder los? Drehst du jetzt endgültig komplett durch?“ Sie zeigte mir den Vogel.
„Nein, nein. Ich bin in Gefahr, werde verfolgt. Geh langsam ins Zimmer rüber, langsam, gaaaanz langsam, und sieh nach, was auf dem Bildschirm steht. Ich gebe dir von hier aus Deckung.“
Sie tat es… und sie bewegte sich dabei wie eine Katze. Lautlos, konzentriert, und mordlüstern, irgendwie geil.
„Und?“
„Jetzt lies mir vor, was auf dem Bildschirm steht.“
„Security alert. Ihr PC ist in Gefahr. 5 Verfolgungs-Cookies gefunden.“

Huhu. Ich aas:
Krapfen! Nichts als Krapfen!

All Hallows‘ Even – herbstliche Grabsteinromantik in Wien

JAWOLL! Heute fetzts! Ich hänge daham rum und höre anormale, atonale, arhythmische „Musik“. Mit vollster Lautstärke. Das Wochenende, mein Lieber, das Wochenende war nämlich ein ziemlicher Erfolg. Und das wird heute gefeiert.
Zuerst verscheuchte ich ein paar lächerliche Haloween-Kids. Ich hatte schon vorsorglich den Sarg mit meiner Exfrau aus dem feuchten Keller geholt und das ziemlich verreckte Knochengerüst im Vorraum aufgebahrt. Meinen ausgestopften Dobermann plazierte ich daneben – ihm fehlt schon ein Teil des Fells – die Ratten sind da ja schnell und gründlich. Ich glaub, die Kinder haben sich angeschissen.
Danach schleppte ich mich zur Nachbarin rauf und lud sie auf einen Spaziergang ein. Natürlich brachte ich auch eine kleine Überraschung mit: den oberen Knochen des rechten Ringfingers meiner Exfrau (inkl. Exehering). Die Nachbarin freute sich sehr über das gruselige Haloween-Geschenk.
Danach wanderten wir lustig auf den Friedhof. Die Nachbarin zierte sich zuerst ganz schön und wollte nach Hause laufen. Ich sägte ihr hinter einer Hecke mit ihrer eigenen Nagelfeile die Achillessehnen durch… war ganz schön riskant, das Laub war schon fast alles ab. Als es dunkel wurde, gefiel es der Nachbarin dann doch noch. Irgendwelche Verrückten hatten am ganzen Friedhofen unzählige Kerzen verteilt und das gab der herbstlichen Grabesstille einen romantischen Touch.
Irgendwann brach die Nachbarin zusammen.
„Was is?“, fragte ich freundlich.
„Schau! Ich hab noch nie meinen Namen auf einem Grabstein gesehen!“, heulte sie.
Tatsächlich!
Ich glaube nicht an Zufälle. Ihr Name auf dem Grabstein war ein deutliches Zeichen, quasi ein Befehl. Und du weißt, ich kann nichts dafür. Ich führe nur Befehle aus. Ich mußte es tun.
Möge sie in Frieden ruhen.

Ich aas:
1 eigentlich noch nichts, aber erblickst auch du meine furchterregende Gestalt im Spiegel der Flaschen?

Nächtlicher Unrat an der Rattendecke

Ja und jetzt war ich einige Tage und Nächte im Rattenloch. Das ist ganz schön gruselig dort. Besonders die Nächte.
Erst gestern Nacht hat mich so ein depperter Androide erschreckt. Ich schlich ganz vorsichtig durch die stockdunklen Gänge – ich kam gerade von einem super Schiss – , da sehe ich vor einer Kreuzung einen Schatten von rechts nach links. Und dieser Schatten sah so aus, wie ein typischer Schatten eines Androiden mit Tötungsabsicht halt so aussieht. Ich, Samurai, der ich bin, schärfte meine Sinne, schätzte blitzschnell die Situation ein und wußte sofort, was zu tun war. Etwas vor mir hing von der Decke so ein Notausgangsschild, das ein kleines kümmerliches grünes Licht von sich gab. Mit nur einem Schritt Anlauf sprang ich hoch und fasste das Schild. Ich wollte mich natürlich an diesem Schild nach oben in die Lüftungsschächte katapultieren.
Leider riß es ab. Es hielt nicht einmal den Bruchteil einer Sekunde. Statt dessen hielt ich nun einen Teil der Deckenverkleidung, etwas Draht und ein leicht zersprungenes grünes Notausgangsschild in den Händen. Doch das hielt mich nicht auf. Ich wußte, der Androide hatte den Lärm des herabfallenden Neonröhrenbeleuchtungskörpers, der auf dem Teil der Deckenverkleidung in meinen Händen hing, mit Sicherheit gehört. Reagiere! Reagiere! Das sagte ich mir und öffnete die Tür zum Raucherzimmer neben mir. Das war die Rettung. Mit einem leisen ausfallenden Schritt begab ich mich in den Raum. Endlich in Sicherheit zündete ich mir eine Zigarette an. Mit vorgehaltener Hand, denn der Riß im Lüftungsrohr am Gang erzeugte einen solchen Luftzug, daß es fast schon windig war in der Selchkammer. Nun zog ich den ganzen Unrat, der von Decke geflogen war, zu mir und schloß die Tür zum Gang. Ich mußte mir ganz schön viel Mühe machen, um den Krempel derart kleinzubekommen, daß er in die diversen Aschen- und Mistkübel paßte.

Heute bin ich mal wieder daham und aas:
1 Brot
1 Haufen Tomate
1 Käse
1 Stiegl