Hu! Ha!

Ha! Was für ein Wochenende! Tausend Dinge sind geschehen! Schöne, lustige, schreckliche, traurige, geile, absolut katastrophale Dinge! Mann, wenn ihr nur wissen würdet, was da für Sachen gelaufen sind! Ich habe mich deppert gelacht, am Boden gewälzt, vor Lachen, vor Schmerzen, vor Wut! Und dann diese neuen Leute! Diese Frau! Dieser Habara! Und dann diese Explosion! Die Gummistiefelfetzen! Ha! Haha! Das blöde Gesicht vom Bürgermeister, den alle Burgerking genannt haben!  Wa… wa… Wahnsinn! Ein Höhepunkt nach dem anderen! Für die Nachbarin auch! Und auch der andere! Jawoll!

Ach! Mir hauts vor lauter Hüpfen das Essen wieder rauf, denn ich aas:
2 Kornspitz EKG

Hu! Ha!

Rechtslinksmeeresbewohner

Nicht gut. Ich bin gestern wie eine Krabbe nach Hause gegangen. Mein Genick war auf Grund meines Nachlinksschauen – dort war ja das Bleistiftknödel – derart versteift, dass ich nicht mehr in der Lage war, meinen Kopf gerade aus zu richten. Es sah reichlich beschissen aus, wie ich da rumrannte.
Die Nachbarin fragte mich am Abend: „Warum hast du nicht den Sessel so gedreht, dass du das Bleistiftknöderl gerade ansehen kannst?“
Ich blickte die Nachbarin eine Weile stumm an (mit nach links gedrehtem Gesicht natürlich), dann sagte ich ganz entrüstet:
„Was?“
„Was was? Na, den Sessel drehen!“
„Die Sessel sind festgeschraubt!“
„Ach!“, rief die Nachbarin überrascht aus.
Stimmte zwar nicht, aber ich wollte nicht wie ein Trottel dastehen.
Den restlichen Abend setzte ich mich so vor den Fernseher, dass ich den Kopf stark nach rechts drehen musste, um etwas zu sehen.
Aber ich sage dir was. Das funktioniert nicht! Heute sind die Rückenschmerzen so schlimm, dass ich abwechselnd links und rechts sitzen, gehen und stehen muss. Wie ein Krabbe, die nicht weiß, ob sie Links- oder Rechtshänder ist!
Zum Glück weiß ich jetzt, dass ich die Position des Stuhles verändern kann.

PS: beim Pinkeln muss ich meine Nudel ziemlich in die Länge ziehen, damit ich seitlich stehen kann… wie einen letscherten, alten Luftballon… Tropfen auf den Schuhen konnte ich dennoch nicht vermeiden.

Ich aas – weil ich mich wie ein Meeresbewohner fühle:
1 Sushi-Maki-Set

Rechtslinksmeeresbewohner

Gusch, Brunzhilde!

Ich bin eine arme Sau. Mein Leben – seit Jänner – ist eine arme Sau. Diagnose: C-Gastritis.
„Wos isn des?“, fragte ich die Ärztin.
„Chemisch induzierte Gastritis. Ursachen: übermäßiger Alkoholkonsum, Rauchen, schlechte Ernährung, Schmerzmittel, Antibiotika. Fällt Ihnen dazu etwas ein, Matla?“
„Ja, eine ganze Menge.“
Danach Bluttest.
„Lassen Sie bei der Ernährung die nächsten drei Monate folgende Dinge weg: Getreide, Hefe (vor allem Bierhefe), Milchprodukte, Eier. Alkohol und Rauchen sowieso.“
„Na klar, sowieso. Was bleibt dann über?“
„Fleisch und Reis. Mit Wasser oder Kamillentee.“
„Gut, drei Monate Reisfleisch. Mit Wasser. Geht Kirschwasser?“
„Sehr lustig, Matla.“

Nach drei Monaten völlig abgemagert. Dreißig Kilo unter meinem Normalgewicht. Die Ärztin meinte zwar, dass ich jetzt wohl erst – nach vierzig Jahren – mein Idealgewicht hätte, aber man soll denen nicht alles glauben.

Seit Mitte Mai wieder alles OK. Hatte die letzten Wochen nichts anderes zu tun, als mich dreißig Kilo hochzufressen und 125 Fetzen nachzuholen.

Am Dienstag beim Patti Smith Konzert wieder ganz der Alte. Fett, fett und eingeraucht.

Ich aas:
2 Brote mit Extra
2 Paradeiser
1 Käse
1 Eckerlkäse
1 Plavac Mali

 

Schnee III

>> Schnee Teil I

Ich habe sie gehasst, die Berge. Habe nie verstanden, warum der Pfarrer uns in der Schule immer vorleierte, dass die guten Menschen nach oben kommen und die Bösen nach unten zum Beelzebuben. War doch selbst für mich als Kind völlig klar: ich war bereits hier oben in der Hölle und ins Paradies ging’s steil bergab.
Eine meiner frühesten Kindheitserinnerung setzt an einem warmen Sommertag ein, an dem die Welt untergehen sollte. Seit einer Woche redeten die Leute im Dorf schon davon, dass die Trotteln vom Tal glaubten, die Welt würde an dem und dem Tag um zwei Uhr Nachmittags untergehen. Wir Kinder erzählten uns gegenseitig, was wir daheim so mitbekommen hatten. „Es wird Blut regnen“ – mir fielen ein paar Binden ein, die ich am Tag zuvor in einem Mülleimer gefunden hatte – „Die Sonne wird im Westen aufgehen“, „Nein, die Sonne wird ja explodieren“, „Die Heuschrecken werden uns auffressen!“, „Der Teufel wird uns ins Essen scheißen!“ Mich jedoch interessierte besonders eine Prophezeiung: „Die Berge werden so flach wie Teller werden und die Täler im Wasser versinken!“ Die Berge flach? Das gefiel mir. Das Paradies rückte ein Stück näher!
Ich weiß noch, wie ich an besagtem Tage am Dorfplatz stand und mit offenem Mund auf die große Uhr am Kirchturm starrte. Je näher die Zeit des Weltuntergangs rückte, um so heftiger pochte mein Herz. Ganz gespannt beobachtete ich den Himmel, um die ersten Vorboten der Zerstörung ja nicht zu versäumen. Irgendwie erwartete ich etwas ganz Spektakuläres. Einen riesigen Hobel…. oder einen großen Schnitzelhammer, der die Berge flachklopfte… einen feuerspeienden Drachen… irgendwas! Ich für meinen Teil war bereit für das Paradies!
Als der Untergang eine Viertelstunde überfällig war, ging ich enttäuscht und mit schmerzendem Genick nach Hause. War wohl vorerst nichts mit dem Paradies. Ich blieb in der Hölle.

Ich aas:
1 Brot mit Leberaufstrich und Senfverzierung

Genieschenierer

Musste ich mir gestern doch vorwerfen lassen, ich hätte keinen Schenierer!
Ein paar Typen hatten mich in ein Fitnesscenter mitgeschleift, weil sie meinten, das wäre gut gegen die Depressionen und gegen Rückenschmerzen – und bei leichtem Leberschaden auch hilfreich. Ich bin ja eher der Mensch, der nach dem Motto „never touch a running system“ lebt. Was bisher funktioniert hat, wird auch weiterhin funktionieren. Und wenn ich seit vierzig Jahren keinen Sport treibe und plötzlich damit anfange, könnte das mein System zum Kollabieren bringen! Deshalb habe ich es gestern im Fitneßcenter auch nicht übertrieben und bin die meiste Zeit über locker lässig mit einer Flasche Bier an der Bar gestanden.
Nach dem Training jedenfalls gingen wir duschen… normalerweise bin ich nicht so der Duscher, aber um des Friedens Willen… es war grauenhaft: all die fetten Ärsche und verschwitzten Wampen der alten Säcke zu sehen!
Danach zogen wir uns an. Auf einmal rief eine Putzfrau von draußen rein, ob sie schnell hereinkommen und trockenwischen dürfe. „Na klar!“, riefen alle im Chor. Schließlich waren wir alle ja schon zu mindestens fünfzig Prozent bekleidet. Mit einem Unterschied nur: alle hatten zumindest ihre Hosen und ein Oberteil an. Ich hatte nur Socken, Unterleibchen und Hemd an. Die Putzfrau verdrehte die Augen und einer meinte: „Jetzt fehlt nur noch, dass du dir die Schuhe und die Jacke anziehst, bevor du dir die Unterhose drüberziehst, du Genie. Keinen Schenierer hat er nicht!“

Ich aas:
1 Käseleberkäsesemmel mit Senf

In Essig und Öl

Die Rückenschmerzen sind beinahe überstanden. Der Komasuff gestern hat mich anscheinend dermaßen entspannt, dass die Heilung in großen Schritten voranschreitet.
Dennoch habe ich mir in meiner Angst überlegt, die Rückenmuskulatur zusätzlich gezielt mit Nahrung bei ihrer Gesundung zu unterstützen. Daher habe ich mir heute – Mittwoch ist Schnitzeltag – einen Kübel Kartoffelsalat in Essig und Öl besorgt. Denn wir wissen: die Beilagen sind es, die uns groß und stark machen.

Es ist nun eine Stunde her, dass ich den heilenden Kartoffelsalat zu mir nahm – natürlich, pur, ohne Schnitzel, reine Beilage. Außer einem gewissen Juckreiz am Hodensack kann ich noch keine wundersamen Fortschritte in der Genesung erkennen. Egal. Gib der Medizin die Zeit, die sie braucht!

Ich aas
1 Patzen Kartoffelsalat

Nachbarinsschuss

Viele meiner Freunde sind an Erbrochenem erstickt. Hendrix, Bonham, usw. Ich habe mich immer gefragt, wie das geht. Nun weiß ich es.
Gestern nämlich kam die Nachbarin mit ihrem Putzfimmel angetrabt und suderte herum. Normalerweise wenn sie ihre Putz-deine-Matla-Wohnung-Phase hat, beginne ich meine Einrichtung kurz und klein zu hauen, um sie wieder auf den Boden der Realität zu führen. Doch gestern brachte sie mich doch tatsächlich dazu, an einem Fleck in der Badewanne zu arbeiten – bin momentan knapp bei Kasse – nur damit sie Ruhe gab. Der Fleck, zuerst recht unscheinbar, stellte sich als unlösbares Problem heraus. Er wollte einfach nicht weg, obwohl ich einige Minuten mit einem Buttermesser daran herumkratzte. Zuletzt war alles rund um den Fleck aufgekratzt, nur der Fleck nicht. Ich gab auf und erhob mich. UND DA: ein Stich im Rücken!
Die Schmerzen waren enorm, ich konnte fast nicht atmen, nicht einmal Schreien war möglich! Ich tastete meine Wirbelsäule ab, um die Stelle zu finden, an der sie gebrochen und die Knochen durch die Haut getreten waren. Nichts zu finden. Vorsichtig quälte ich mich Zentimeter um Zentimeter in die Küche, wo die Nachbarin gerade Ordnung in die Spüle brachte.
„Alte, verzieh‘ dich lieber“, presste ich hervor. Sie hörte mich gar nicht. Um auf mich aufmerksam zu machen, warf ich die Vase mit Plastikblumen, die mir die Nachbarin zu Ostern geschenkt hatte, vom Kästchen neben mir auf den Boden. Erschrocken sah sie mich an.
„Bitte. Stell mir alle vorhandenen Weinflaschen auf den Tisch und lass‘ mich allein.“ Die Nachbarin verstand das und war weg.

Heute morgen erwachte ich und wusste nicht genau, was los war und wie ich ins Bett gekommen war. Als ich mich erheben wollte, erinnerte ich mich: Scheiße, das Kreuz! Ich konnte nicht aus dem Bett, es ging einfach nicht. Ich versuchte, mich mit  Schwimmbewegungen in der Luft hochzubringen – lächerlich. Da kam die erste Katerwelle. Kotz! Auf die rechte Schulter! Roch nach einer Menge Wein. Da! Noch eine Welle! Kotz! Auf die linke Schulter. Die Kotze schwappte so richtig aus mir heraus – ich brachte sogar einmal eine lustige kleine Fontäne nach hinten zustande, die dann teilweise auf meiner Stirn landete.
Nachdem sich mein Körper wirklich vollständig entleert hatte, kam die Nachbarin.
„Bloß ein paar Minuten zu spät“, lachte ich gequält. Die Nachbarin stand bereits mit Haushaltshandschuhen da.
„Hilf mir bitte auf und lege mich in die Badewanne. Dann werde ich dem verdammten Fleck einiges zu sehen geben.“

Ich aas vorsichtig unter Schmerzen und der Aufsicht der Nachbarin:
1 Brot
2 Stück Käse

Die lange Nacht der Schmerzen

Heute war die lange Nacht der Schmerzen. Die Nachbarin ist spät zu mir runtergekommen, sie war ganz blaß.
„Wos is’n?“, fragte ich sie.
Sie hatte Schmerzen, starke, starke Unterleibsschmerzen.
„Kumm eina.“
Ich wußte, was zu tun war. Voltaren, Paracetamol und so Zeugs zusammen mit warmen Rossbacher würde sie heilen. Sie lag im Bett, zusammengekrümmt, schwitzte. Ich stand daneben und schaute ihr zu.
Nach Mitternacht bekam auch ich Schmerzen. Im Magen. Und im linken Knie. Voltaren, Paracetamol und so Zeugs mit warmen Rossbacher. Wirklich, das hilft.

Ich aas:
1 KRAPFEN! Ja! Es gibt sie wieder, beim Anker!

Scheinbar eine neue Sorte. Ich weiß noch nicht, was ich davon halten soll.

Ach ja: Rossbacher

Camp W4 – Teil IIII

Teil I
Teil II
Teil III

Am späteren Nachmittag beruhigte sich die Lage. Die ersten Kopfschmerzen waren da, wir stiegen zu der grünen Suppe, die sie „See“ nannten, hinab, um uns etwas abzukühlen. Ich brauchte Ruhe und setzte mich auf einen warmen Stein in die untergehende Sonne. Nach einiger Zeit tauchte Kotzlocke neben mir auf. Schatten fiel auf mich und ich erschrak. Kotzlocke stand völlig nackt neben mir und sein Schwanz sah aus wie Faust und Unterarm von Sylvester Stallone.
„Warum hast du einen Steifen, Kotzlocke?“
„Hab ich nicht, ist Normalzustand.“
„Kannst du deinen Normalzustand nicht aus der Sonne nehmen?“
Nach einer Weile sagte ich:
„Naja, gehen wir wieder hoch. Vielleicht finden wir ein Mädchen für dich.“

Am Campingplatz zurück bunkerten wir Vorräte an Wein und Bier. Das von der Chefin geführte Buffet schloss zeitig, damit die Scheißnachtruhe auch eingehalten werden konnte.
Als ich die Flaschen in meinen alten Militärrucksack stopfte, beäugte sie mich wieder äußerst skeptisch.
„Darf ich Sie daran erinnern, dass um Punkt 22:00 Uhr die hiesige Nachtruhe beginnt, welche unbedingt einzuhalten ist?“
„Halten zu Gnaden, eure Exzellenz, aber Ihre Nachtruhääää wird schon nicht zu Schaden kommääään.“

Doch ich hatte mich geirrt – es gab Schaden, und Schrecken! Das muss ich dir morgen erzählen!

>> Weiter zu Teil V

Ich aas:
1 Weckerl irgendwas

Die Angst, die einen am Montag befallen kann

Da ich von Samstag auf Sonntag durchgesoffen habe, bin ich gestern schon vor Mitternacht schlafen gegangen.
Die Wirkung ist enorm! Wie auf einer Wolke bin ich in die Anstalt geschwebt, spürte keine schmerzenden Knochen, Muskeln. Ich kam mir wie ein Geist vor, der unerkannt zwischen den Sterblichen wandelt.
Erst als ich in der Zelle angekommen war und gerade meinen erotischen Emailverkehr abhandelte, nahm ein physisch stabiles Wesen mit mir Kontakt auf. Ein Typ in Anzug und Krawatte stand plötzlich neben mir und bewegte seinen Mund… durch den er scheinbar Luft strömen ließ, um Luftteilchen in Schwingung zu versetzen. Ich erstarrte in meinen Bewegungen und sah in an. Bevor ich noch sagen konnte, dass ich kein Wort von dem verstanden hatte, was er gerade von sich gegeben hatte, machte er große Augen, und rannte davon. „Ich komm später wieder!“, rief er mir noch von draußen zu.
Etwas später fand ich einen Zettel auf meiner Werkbank: „Tut mir leid, sie so erschreckt zu haben! Tut mir wirklich, wirklich leid.“

Ich aas:
1 Gustobaguette
1 Apfel