Verstand in der Austrittsöffnung

Zur Zeit befindet sich mein kränklicher Verstand in einem gewaltigen Irrgarten.  Und ich kann die Suche nach ihm nicht einmal beginnen, weil ich in einem Sumpf aus dunklen Gedanken feststecke. Ich komme nicht vom Fleck. Fühle mich wie ein Stück Scheiße, das auf Grund nicht allzu starker Verstopfung im Arschloch feststeckt – irgendwas drückt mich zwar weiter, aber ich passe nicht durch!

Pech. Ich aas:
1 Paradeiser, der mich mit seinem allesdurchdringenden Auge ansieht, als wolle er mich in ein noch tieferes Loch ziehen

Schnuppe

Am Freitag konnte ich dir nichts schreiben, ich war völlig im Eimer.
Den Abend zuvor verbrachte ich nämlich mit der Nachbarin. Sie wollte das so. Wir saßen am Dach und stierten in die Nacht, zwei Kartons Rotwein hatten wir in einem Sackerl mit. Während ich so tat, als würde ich meiner Nachbarin zuhören, beobachtete ich die Wolken, wie sie vorbeizogen. Dahinter leuchteten wohl die Sterne und ihre Schnuppen zischten für ein kurzes, aber freudespendendes Leben durch die allesdurchdringende Leere. Für uns unsichtbar und unerreichbar.
Die Nachbarin erzählte mir zum hundertsten Mal von ihrer bewegten Kindheit in fernen Ländern, was ihr den ganzen Tag so durch den Kopf gegangen war und wovon sie träumte. Nur einmal riß die Wolkendecke auf, ließ mich für einen kurzen Moment durch eine zerfetzte Öffnung die vage Schönheit der Unendlichkeit erblicken. Und genau in diesem Moment, genau in diesem Loch fegte eine Sternschnuppe dahin.
„Wünsch dir was, Matla! Schnell!“, rief die Nachbarin ganz hysterisch und hüpfte auf ihrem Arsch herum.
„Bitte, hör auf zu reden.“
Danach haben wir uns hemmungslos betrunken.

Ich aas:
1 Toastbrot
1 Zigeuneraufstrich
1 Paprika gelb
1 Käse

Schließ dich, oh Sommergolatsche, und behalt den Topfen für dich!

Das schöne am Sommerloch ist, daß fünfzig Prozent der Wiener darin verschwunden sind. Die Stadt wird wieder halbwegs belebbar, sie gewinnt an Lebensqualität. Man sitzt in leeren Vorstadtlokalen, der Sud ist im Süden. Man kann sich mit Verkäufern wieder normal unterhalten, ja, man bekommt sogar vernünftige Antworten. Möge das Sommerloch nie enden oder wenn es denn enden muß, so möge es sich leise schließen, wie ein totgeschissener Arsch, und alles in sich verschlungen lassen, möge es den Dreck rückstandslos irgendwo im Weltall entsorgen.

Stillte ich gestern mein Verlangen nach Aperol, so ist es heute meine Gier nach österreichischer Bäckerei. Ich aas:
1 Brot
1 Topfengolatsche
1 Sack Aniskekse

BITTE, bleibt weg!

Adieu, du Schuft!

Ah! Die Kugelschreiberbranche läßt mir Zeit! Der Sommer, das Loch, die Krise! Oh, wie schön!

Ich habe mich dazu entschlossen, einfach so, ganz spontan, wegzufahren! Mit dem Zelt!

Adieu, du Sklave! Wir lesen uns in zwei Wochen! Vielleicht!

Adieu, adieu! Gott zum Gruße! Baba und fall net!

Waschen im Jahre 2010

Am Vormittag war ich im Rattenloch – nach einer Ewigkeit mal wieder! Eine Stunde Fahrzeit, eine halbe Stunde für die Sicherheitschecks (ich hatte meine Karte vergessen), eine weitere halbe Stunde, um die neuen Zugangscodes zu bekommen, eine Viertelstunde Arbeit, dann eine Stunde Heimfahrt. Ziemlich sinnlos.
Und auch ekelhaft. Bin nach langer Zeit wieder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren. Eine Tortur! Bei diesem schwülen Wetter stinkt ihr Menschen mehr als sonst! Ihr verdient es, vernichtet zu werden!

„Du stinkst, Matla!“, begrüßte mich die Nachbarin, die mir am Gang auflauerte.
„Du stinkst auch, du Sau!“, konterte ich gekonnt.
„Nein, im Ernst! Und wechsel mal die Hose! Siehst du nicht die braunen Flecken über den Hosentaschen? Und die Löcher! Dir hängt ja fast schon der Schwanz aus der Hose!“, nörgelte sie herum.
„Keine Zeit zum Wäschewaschen! Bis dann und Prosit 2010!“, sagte ich und ging davon.
„Aber wenigstens Händewaschen könntest du dir!“, rief sie mir noch nach.
Mann! Hat sie keine andere Sorgen als waschen, waschen, waschen?
„Beim nächsten Regen stell ich mich raus!“, rief ich zurück und hoffte auf ein Wunder.

Ich aas:
1 Becher Kaffee mittags unterwegs
Und was ich jetzt esse, weiß ich noch nicht.

Das Weihnachtsloch

Wenns draußen bitter kalt ist, wenn der Schnee fast bis zum Dach reicht, wenn die Landschaft nur mehr unförmige weiße Unendlichkeit ist, wenn die fast zugewehten Fenster der warmen Backstuben am frühen Morgen güldern leuchten und nun auch am Abend, weil emsig viele Weihnachtsleckerein gebacken werden müssen, wenn die Straßen nach Zimt und Kardamom riechen, dann ist es nicht mehr fern, das hohe Fest. Deine ganze Sehnsucht gilt dem prasselnden Kaminfeuer, Geborgenheit durch Wärme, unerhöhrt schöne Weihnachtsmusik, die die Heerscharen der Engel, den Herren und die glorreiche Geburt seines Sohnes lobpreisen, in den Ohren, du kuschelst dich ins Schafsfell am Sofa, und schlürfst selbstgemachten Tee mit Heilkräutern. Du denkst an Menschen, die du liebgewonnen hast, und die dir fehlen. Weihnacht überall!
Weil auch ich mich diesen Gefühlen mit voller Gewalt hingebe, beschloß ich gestern Abend, ein paar Leute anzurufen, mit denen ich schon lange nicht mehr gesprochen habe. Ich nahm mein Handy und öffnete die Kontaktliste – ich wollte einfach Eintrag für Eintrag durchgehen, um zu sehen, wen ich denn da finden würde. „Arschloch“, so der erste Eintrag. Okay, den überspringen wir. „Arschloch1“, nein, auch nicht. „Arschloch11“, na gut, den probier ich. Da hob keiner ab. „arshlöcher“, mit dem hatte ich Erfolg… immerhin ein Tonband einer sozialen Einrichtung. Dann kam „Muttern“. Nein, mit der rede ich schon lange nicht mehr. Der Eintrag danach war auch schon der letzte. „Unaussprechlich Häs“, nun, ich war sehr gespannt, wer sich melden würde. Die Nachbarin.
„Ich telefoniere nur mit Arschlöchern.“, sagte ich.
„Und? Was rufst du mich da an?“, fragte die Nachbarin.
„Naja, es hört nicht auf.“, antwortete ich und legte ganz vorsichtig auf, fast so, als hätte ich Angst, ihre rächende Faust könnte direkt aus dem Telefon auf mich fahren.

Und ich aas:
1 Apfel
1 Käsemonstrum
1 Gabelbissen

Kebap Cowboy

An einem Freitag ist das schöne, daß alles gute Laune haben. Denn das, was man am meisten haßt, hört auf und das Wochenende vor dem Fernseher kann endlich los gehen.

Zu dritt wanderten wir vom Taiwanhaus los, auf der Suche nach einem Billa. Wir wurden fündig, doch kauften wir nur Bananen.
Der Freitag, das schöne Wetter und die unendliche Weite der Straße verführten uns! Wir stellten uns in der Mitte der Fußgängerzone in Dreiecksformation und duellierten uns mit den Bananen. Weil niemand starb, ging das ganze nahtlos in einen blutigen Häuserkampf über. Bis wir den Kebapstand überfielen.

Zurück in der Taiwanküche, erklärte man mir den Sinn der Bodenlöcher. Es sind nämlich nicht bloß „Löcher“, sondern es sind Warmhalteplatten! Wer hätte das gedacht?

Der Wasserkocher, der an diese Wärmhalteplatte zeitweilig angeschlossen ist, ist die Energiequelle! Ja! Das funktioniert sogar mit Dampfantrieb!

Somit haben wir nun Premiere: ich esse Kebap. Das erste Kebap seit Jahren! Hosanna!

Im Loch steckt die Abstrusität!

Alle Kommentare in diesem Misthaufenweblog drehen sich seit einigen Tagen nur um die Küchenbodenlöcher der Taiwanküche, in der ich mich manchmal aufhalte. Der typische Leser dieses Blogs interessiert sich also für Löcher im Boden – das ist nich weiter verwunderlich, wenn man bedenkt, daß die seltsamen Buchstabenkombinationen, welche sich rund um die Fotos der Bodenlöcher befinden, auch nicht mehr beinhalten.

Auch wenn ich jetzt dich, du einziger, vielbemitleideter Leser du, verlieren werde, muß ich es sagen: es gibt heute kein Foto vom Bodenloch! Nein, leider. Das gibt es nicht. Ich war zu kurz im Taiwanhaus, als daß ich ein paar Schnappschüsse machen hätte können. Und nun hocke ich im Rattenloch (auch ein Loch, wenn dir das über deinen Ärger hinweghilft!).

Zwischen Taiwanhaus und Rattenloch war ich wieder taiwanesisch essen – wenn dich das überhaupt interessiert! Du Loch!

Die Abstrusität nimmt kein Ende! Was auch immer es sein mag, ich esse:
1 irgendwie Tai Pai so auf die Art
Die Dunkelheit überwältigt meine ausgesprochen feinen und empfindlichen kulinarischen Sinne:

ELENDIG!!!!

Wenn die Nachbarin ihre Freier vögelt, kommt es mir vor, als würde über mir in der Decke eine Basketballmeisterschaft stattfinden.

Gestern wurde es mir zuviel und ich rammte mit aller Kraft den Besenstiel an die Decke – nicht eingedenk, daß die Wohnung eine abgehängte Gipsdecke hat. Weil das Loch schon mal da war, wollte ich gleich wissen, wie hoch die Wohnung eigentlich wirklich ist. Nachdem mehr als die Hälfte des Besenstiels in der Decke verschwunden war, schreckte ich erschaudernt zurück. Seltsame Geräusche in der Decke…..

Ein Klopfen begann. Ich ahnte noch nicht, was ich in der tiefen Dunkelheit der Decke erweckt hatte. Unter diesem Loch durfte ich jedoch nicht verweilen. Zu schnell wurde aus dem erst leisen Klopfen ein kampfeslustige Getrommel. Ihre grausame Sprache vermag ich nicht zu verstehen, doch verspüre ich ihren Zorn. DA! Die ersten Insekten stürmen aus dem Loch und verteilen sich auf der Decke und drängen auf die Wände zu. Nur mit großer Mühe gelingt es mir, sie zur Strecke zu bringen, bevor sie die schützenden Verstecke des Wandverbaus erreichen.
Doch die Flut der Gegner, die aus diesem Loch gekrochen kommen, will nicht enden. Ich schnappe mir die Fliegenklatsche, Handschuhe, Schibrille und mein Alphorn, mit dem ich mit aller mir gegebener Kraft das alte Lied der Bedrängnis blase. Hilfe, ich brauche Hilfe…..

Sie haben das Wohnzimmer und die große Vorhalle genommen.
Hier in der Speisekammer versuche ich standzuhalten. Sie kommen…..

Und nichtsdestotrotz esse ich:
1 Stummel Brot
1 Dose Aufstrichmix
1 Schachtel Gouda
1 Scheibe Neuburger

Astronautennüsse

Draußen scheint ja die Sonne! Ich in meinem Loch habe davon natürlich gar nichts bemerkt und bin mit der Jacke rausgegangen, die ich auch schon den ganzen Tag anhabe, weil es hier so eisig kalt ist.
In der Außenwelt ist es richtig angenehm warm und hell – das Sonnenlicht floß in meine Augen und schmerzte.
Habe ich das notwendig? Manchmal glaube ich, daß ich Versuchskaninchen in einem Programm der Regierung bin, mit dem
getestet werden soll, wielange ein Mensch es allein in einem Bunker oder vielleicht auch in einem Raumschiff aushalten könnte. Und irgendwo sitzen zwei Forscher, die mich beobachten und manchmal lacht einer auf und sagt: „Wielange hält der Trottel das noch aus?“
Aber ich bin nicht alleine hier. Es gibt noch andere Versuchskaninchen in diesem grauen Haus. Ich habe auch schon die
Verhaltensregeln kennengelernt:
1. Laß deine Mundwinkel so weit wie möglich auf den Boden hängen
2. Schau immer auf den Boden und weiche den Blicken anderer aus
3. Grüße bis 11:30 Uhr mit einem leisen und kurzen ‚Morng‘, von 11:30 bis 14:30 mit einem angesetzten ‚Mahlzeit‘ und
danach nur mehr mit ‚Hm‘ oder ‚S Go‘

Lieber Fan, der du meine einzige Verbindung zur Außenwelt bist, hier ist mein Astronautenmahl:
2 Ja! Bio Kornspitz mit Holzofenleberkäse, österrr. Gouda und Gurkerl
2 Nektarinen Klasse I aus Italien
1 Sack Quality first Drageemischung – Nüsse sind gut für die Nerven