Wer auch immer du bist

Oida, ich weiß, daß ich
nichts weiß.

Ein trauriger Tag. Eine Kollegin
verläßt die Firma. Sie war die einzige Person in dieser
Firma, von der ich mir den vollständigen (und richtigen!)
Vornamen und Bruchstücke des Familiennamen gemerkt habe.
Denn mein Namensgedächtnis ist etwas schlecht.
Dialoge wie „Wer ist das?“ – „Er sitzt seit einem halben Jahr dir
gegenüber.“ sind keine Seltenheit.
Schade. Ab jetzt kann ich niemanden mehr, wenn ich zu Lola in die
Firma gehe, mit dem Vornamen begrüßen.

Wenn ich bei Lola bin und etwas von einem Kollegen brauche, stelle
ich mich genau hinter ihn und warte bis er sich beobachtet
fühlt und die Frage „Kann ich dir helfen?“ von selbst stellt.
Wenn es schneller gehen muß, greife ich halt auf die normale
Ansprache zurück: „Heast, Oida.“
Das ist aber nicht schlimm, denn schon Sokrates verwendete diese
Methode oft – zwar auf altgriechisch, aber egal: „Oida ouk
oida.“

Hier im Rattenloch, in dem ich mein Leben völlig alleine
vergeude, liegt die Temperatur knapp über dem Gefrierpunkt.
Ich werde es heute daher nicht vor Sonnenuntergang verlassen und
esse, was mir Garten Eden so bietet:

1 Apfel aus Plastik
1 Apfel aus Neuseeland, den ich im Zweikampf gegen ein
Kindergartenkind gewonnen habe
1 Sack schwarze weiße Weintrauben – der Rest von
gestern

Im Hintergrund ein Teil der Kaffeebechersammlung und Lili, die
Flasche:

Ein Gedanke zu „Wer auch immer du bist“

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