Auf der Flucht

Hier stehe ich nun vor dem Computer. Überlebender eines Einkaufs, knapp einem Nervenzusammenbruch entkommen.

Ich ging falsch vorbereitet zu Billa. Das war ein Fehler.
Normalerweise latsche ich einfach den Berg runter in die Billafiliale, ohne Sackerl, kaufe ein, ohne Wagerl, und quäl mich wieder den Berg rauf, ohne Gackerl. Heute jedoch habe ich mir überlegt, ich könnte mein Leben ändern und mit einem Sackerl von daham einkaufen gehen. Ich tat das. Im Überschwang der Gefühle – Gefühle eines neues Lebens – schnappte ich mir auch gleich ein Einkaufswagerl, nachdem ich herausgefunden hatte, wie man dem Einkaufswagenstoß eines entreißt. Zuerst mit roher Gewalt versucht und gescheitert erklärte mir dann eine stark erregte alte Schachtel, daß man nur mit  Münzen ein Wägelchen bekommt. Gut.
Ich erledigte meinen Einkauf und ging zur Kassa und jetzt begann das Chaos. Normalerweise werfe ich einfach das gelbe Mhhhhm-Billasackerl auf das Förderband und zahle dann. Aber heute war mir die Reihenfolge nicht ganz klar. Im Wagerl lag das Sackerl und die Ware. Ich entschied mich, das Sackerl im Wagerl zu lassen und die Ware aufs Förderband zu legen. Ich mußte dazu aber über mein Einkaufswagerl klettern, weil ich hinter dem Wagerl stand und das Förderband zu weit weg war. Ich wäre mit Wagen fast gekentert. So. Jetzt war die Ware am Förderband. Doch was nun? Während ich überlegte, sagte mir die Kassadame schon den Preis. Ich nahm das Sackerl aus dem Wagerl und begann die Ware ins Sackerl zu  räumen. Doch nein! Ich mußte ja zahlen. Ich ließ wieder alles fallen und begann den Zahlungsvorgang zu initiieren. Währenddessen stupste die alte Dame mit ihrem Wagen von hinten ständig meinen Einkaufswagen, weil er noch immer in Höhe des Förderbandes stand und sie ihre Ware nicht auflegen konnte. Ich legte also mein Geld in den Wagen und holte ihn nach vor, um der netten alten Schachtel Platz zu machen. Nervöser Blick auf die Uhr. Die mir selbst gegebene  Mittagspausenzeit schon fast vorbei und noch immer an der Kassa. Schon leicht panisch begann ich das Geldbörsel zu  suchen. Zuerst unter den Waren, unter dem Sackerl, das inzwischen auf den Boden geflattert war. Schließlich fand ich es im Wagen. Ich zahlte. Die Kassadame entschuldigte sich bereits bei den wartenden Kunden für die ungute Verzögerung.  Steckte Retourgeld ein. So begann ich nun endlich meine Waren von der Kassa in das Sackerl zu räumen. Doch es wurde bald ziemlich hektisch. Die Waren der alten Dame landeten bereits zwischen meinen Einkäufen. Die alte Dame – oder alte Schachtel – je nachdem – warf das Handtuch, als auch schon die Waren des nächsten Kunden dazukamen. Sie erinnerte sich scheinbar nicht mehr, was sie gekauft hatte. Mir war schon sehr heiß, als ich versehentlich das Wurstsackerl des dritten Kunden einpacken wollte, und er mich anfuhr: „Sog amoi, wos stöstn du di so deppat au? Nu nie einkaufn gwesen, du  Oarsch?“
Jetzt reagierte ich blitzschnell. Ich schnappte so schnell es ging meine Sachen, wuchtete sie in mein Sackerl und suchte mein
Einkaufswagerl, das schon von wütenden Passanten in einen Berg von Schachteln geschoben worden ist. Nahm es, gab es zurück und lief nach Hause. Im Laufschritt hechtete ich nach Hause.

Und das sind meine Einkäufe:
1 EKG
1 Schachtel Ribisel – ich werde solange Ribisel essen, bis sie mir aus den Poren kommen
1 Packung ja! natürlich! Bio-Glockner! Angeblich ohne Geschmacksverstärker! Ich muß das kosten!