Wie man den depperten Chef von Heimarbeit überzeugt

Nur mehr zwei Vormittage schleppe ich mich in die Anstalt, um Kugelschreiber zusammenzubauen. Lästig genug.
Gestern hockte ich wieder dort, als die Tür aufsprang und einer schrie:
“Matla! Der Chef will sie sprechen!”
“Wer ist das?”
“Na, der Herr Sauerkopf! Was für eine Frage!”
“Und wo ist der?”
“Im Zimmer gegenüber.”
Na gut. Ich ging in dieses Zimmer und hockte mich hin. Niemand grüßte.
“Darf man hier rauchen, Sauerkopf?”, fragte ich und holte die Zigaretten heraus.
“Natürlich nicht, Matla!”, schrie er empört auf.
Da er mich einige Sekunden nicht beachtete, stand ich wieder auf, um zu gehen.
“Moment, warten sie, Matla. Tschuldigung, bin gleich so weit.”
“Also?”
“Wollen Sie nicht mehr für uns arbeiten? Ich meine: mehr Stunden?”
“Nein.”
“Was ist das Hinderniss, Matla?”
“Ich komm’ mir dämlich vor, wenn ich zwischen den Schwachköpfen da drüben hocke.”
Der Mann, der der Chef sein wollte, blicke mich amüsiert an.
“Außerdem”, fuhr ich fort, “Alles Zeitverschwendung. Und die Verbindung mit den Öffentlichen hier her ist auch für’n Arsch. Ich muss einmal umsteigen…”
“Verstehe, Matla. Hören sie. Wenn sie zu Hause arbeiten könnten, würden Sie dann einige Stunden mehr für uns machen?”
“Naja, weiß nicht. Hab’ eigentlich keine Lust…”
“Matla, es wäre nicht schwer. Ich hätte hier ein paar Dokumente, die sie durchgehen müssten. Ich will ihre Meinung dazu hören.”
“Nein, echt, keine Lust.”
“Kommen Sie, Matla, es ist ja nicht kompliziert!”
“Naja, ich könnte die Dokumente mal mit nach Hause nehmen, mir unter den Kopfpolster legen und schauen, was passiert.”
“Na, sehen Sie, Matla? Geht ja.”
“Aber mehr kann ich nicht versprechen.”
“Matla, das ist ok.”
“Wie machen wir das mit den Stunden?”
“Aufschreiben und mir dann sagen.”

Heute Nacht hatte ich die Scheißzetteln bereits unter meinem Kopfpolster liegen.
Notiz: 5,25 h – Dokumentenanalyse (bisher ohne Ergebnisse)

Ich aas:
2 Brote mit Knoblauchsalami
1 Stück Käse

Vielleicht lege mich jetzt für ein Stündchen hin und analysiere weiter.

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Die neun Todsünden

Heute Vormittag hat die Nachbarin spitzgekriegt, dass ich daham arbeite. Ich wollte es zwar vor ihr verheimlichen – aber wir alle wissen, man kann vor “ihnen” nichts verbergen. “Sie” kommen auf alles drauf, es ist nur eine Frage der Zeit… und dann haben “sie” dich am Arsch!
Es passierte, als ich mich vorsichtig aus dem Haus schlich, um einkaufen zu gehen. Ich hatte auch den falschen Bart um… und den Zylinder am Kopf, doch es war alles umsonst. Die Nachbarin erkannte mich wohl an meiner dreckigen Hose, oder am Geruch.
“Halt!”, schrie sie.
Ich ging weiter, vielleicht war sie sich ja nicht sicher.
“Matla! Bleib stehen, du Suffkind!”
Ich gab’s auf.
“Warum bist du nicht in der Arbeit?”
“Ich bin in der Arbeit.”
“Arbeitest du daham?”
“Ja”, antwortete ich leise und war zum Sprung bereit.
“Wie lange wolltest du das vor mir verheimlichen?”
“Das ist alles nur ein Mißverständnis.”
“Wie viele Tag hast du schon daham gearbeitet, Matla?”
“Heute sind es Neun.”
“Neun Tage, Matla? NEUN?”

Und eben brachte die Nachbarin mir ein Brot vorbei – siehe Foto. Ich glaube, sie wird mich lange leiden lassen.

Ich aas:
mein wahrscheinlich letztes Brot mit Leberaufstrich und Senf

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Dauercamper

Daham habe ich es mir wie am Campingplatz eingerichtet. Hier bin ich gerne Dauercamper. Vor allem jetzt, wo ich wieder daham arbeite.
Campingeinrichtung hat den einen riesigen Vorteil, dass ich einfach den kompletten Inhalt meiner Bude wegschmeißen kann, wenn er zu vergammelt ist – ich brauch’ ja nicht viel. Einen Tisch, einen guten Klappsessel für mich, einen weniger guten für lästige Besucher …. weißt du, es sind so Kleinigkeiten…. Plastikteller zum Beispiel… Plastikteller sind extrem praktisch… weil sie nicht zerbrechen, wenn ich am Morgen aus dem Bett heraus direkt auf sie drauflatsche… ich kann sie vom Tisch fegen, wenn mir das Essen nicht schmeckt… und man kann sie zum Reinigen einfach übers nasse Gras schlittern lassen… ach… den Tisch zusammengeklappt in den Regen stellen (den Rest fressen die Ameisen – meine eigene kleine Müllpolizei).
Alle Dinge sind so leicht, ich kann sie ohne große Anstrengung durch das Fenster direkt in die Mülltonnen werfen… mit etwas Glück treff ich dabei auch nicht das Auto vom Hausmeister.
Und wenn ich etwas Grünes, etwas Waldathmosphäre, möchte, lass ich einfach ein paar Pizzareste herumliegen bis Moos und Pilze auf ihnen wächst.

Ich aas auf meinem Campingtisch:
2 Liptauerbrote mit je einem Raderl Pfeffersalami
1 Käse

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Die überraschendste Wendung in meinem Leben. Bisher.

Ich dachte, mich könnte nichts mehr überraschen. Bei den Menschen. Einer ist wie der andere. Stinklangweilig und trotzdem nervtötend und sowieso alle für’n Arsch. Doch gestern war ich erstaunt. Ja, das war ich! Da war es mir für einen kurzen Moment gegönnt, die große, weite, unbekannte Welt wie ein kleines, neugieriges Kind zu sehen. Ich war nämlich im Kugelschreiberhaus, um mich mit jemandem aus der Kugelschreiberbranche zu treffen. Und kurz vor dem Termin kommt einer daher – so ein Kugelschreibervertreter – und sagt, er müsse unbedingt mir reden. Ich hatte natürlich keinen Bock und erfand irgendwas, aber der blieb hartnäckig. Um mich endgültig verabschieden zu können, sagte ich: “Hearst, Oida.” So auf die Art, und: “Ehrlich gesagt muss ich scheißen gehen. Dringend nämlich, also tschüss mit Ü.” Sag’s, sprang auf und rannte auf nächste Clo. Aber stell’ dir vor! Der ist mir nachgerannt! Ich sperr’ mich in die nächste Kackkabine – und was macht der? Der hockt sich in die Übernächste! Und beginnt zu reden! “Gut”, denk’ ich mir, “Kann er haben.” Ich drück’ drauf, was geht, furze, mache Pressgeräusche wie eine Hochschwangere, die Scheiße klescht mit Gedonnere in die Muschel. Und glaubst du, der lässt sich aus der Ruhe bringen? Keineswegs! Scheißt der doch mit noch mehr Getöse in seiner Kabine und plaudert munter weiter!

Schließlich musste ich mich geschlagen geben. Keinen größeren Scheißer auf dieser Welt gibt es als diesen Typen. Ich hatte zwar kein Wort von dem, was er sagte, verstanden, aber ich zog meinen Hut vor ihm.

Was für eine überraschende Wendung in meinem sonst so tristen Leben. Und ich aas:
1 Salzstangerl
1 Pikantwurst

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Gemmas wieda au.

Ist ja wurscht, was gewesen ist! Wichtig ist, dass alle Neujahrsvorsätze, die ich von der Nachbarin aufgeschwatzt bekommen habe, dahin sind. Zum Beispiel: “Du sollst nicht anfassen deinen Sack vor den Augen deiner Mitmenschen.” oder “Du sollst nicht vermodern lassen den Dreck zwischen deinen Zähnen.” oder “Du sollst nicht begehren das süße Loch in deinem Krapfen.” und vorallem “Du sollst nicht lästern über deine Nachbarin im Misthaufenblog.”
All das ist dahin. Wie ein Furz im Wald.

Ich sende schicke Grüße aus dem Misthaufenblog, während ich aas:
1 Salzstangerl mit Pikantwurscht
1 Krapfen

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Plup

Plup

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Demolition Chili

Mittlerweile verfolgt mich mittags eine ziemliche Menschenmasse. Alle wollen zum Essen mit. Ich kann Jesus verstehen, wenn er in die Wüste gegangen ist! Um diesem Kult um meine Persönlichkeit ein Ende zu bereiten bin ich mit den Menschen in den Demolition-Hof gegangen. Chili war angesagt.
Der Demolition-Hof ist mit dem Morituri-Beisl nicht zu vergleichen. Er sieht eher wie eine leere Fabrikshalle aus, in die sie ein paar Heurigenbänke gestellt haben. Es zieht, es ist kalt, ungemütlich, man will lieber nach Hause gehen. Die Heurigengarnituren werden wohl täglich mit chemischen Mitteln behandelt, denn man hat beim Essen ständig den Geruch von Terpentin in der Nase.
Während sich alle irgendwie nicht so recht wohl fühlten, tat ich so, als wäre der Demolition-Hof das beste Restaurant, in dem ich jemals gewesen bin. Und dann! Ja, dann habe ich meine Falle ausgelegt! Niemand hat es  bemerkt, niemand hat erkannt, in welch tödlichen Strudel sie geraten, während sie widerlich am Chili herumschmatzten. Ich habe ihnen nämlich von den Ankerkrapfen erzählt. Habe ihnen den Mund wässrig geredet – wer sehnt sich nach scharfem Essen nicht nach zarter Süßigkeit? Die Menschen – auch die, die am Nachbarstisch saßen – waren am Ende ganz geil auf Krapfen! “Zahlen!”, plärrten ein paar ungeduldig durch die Fabrikshalle des Demolition-Hofes, auf der Suche nach einem Kellner. Bald darauf führte ich die hechelnde Meute zu meiner Ankerfiliale. “Krapfen, Krapfen, Krapfen!”, stimmte die Menge einen Chor an.
Als wir zur Ankerfiliale kamen, schauten sie blöd durch die Scheibe. Denn was sahen sie? Nur noch zwei Krapfen da! Ich wußte es, mittags gab es in dieser Filiale kaum noch einen Krapfen. Ich ging grinsend hinein, kaufte mir meinen mir zustehenden Krapfen, sprach kurz mit den Verkäuferinnen und ging wieder raus zu den anderen, die noch nicht wußten, was sie machen sollten. So viel Krapfengeilheit, aber nur noch ein Krapfen da! Mir war’s egal. Beim Rausgehen biss ich so herzhaft in den Krapfen, dass es in alle Richtungen nur so davonstaubte und sagte mit vollgemampften Mund: “Und jetzt gehts scheissen!”

Später habe ich etwas von einer Schlägerei von der Filiale gehört und dass sie einem den letzten Krapfen in den Arsch geschoben haben… aber das sind wohl nur Gerüchte – ich jedenfalls aas:
1 Chili con Carne – wie hingeschissen
1 geilen Krapfen

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Im Morituri-Häusl

Ich muss aufhören im Morituri-Beisl zu sein! Meine Güte! Wenn man einmal dort war, muss man immer hingehen! Immer! Und weißt du warum? Das Scheißhaus ist schuld!

Genauer gesagt, die Pissmuschel. Wenn man im Morituri-Beisl gegessen hat und dann an der Pissmuschel steht, hat man… wie soll ich sagen… Visionen. Man sieht zunächst, wie sich das gelbtrübe Wässerchen in der Pissmuschel zu kräuseln beginnt, wie kleine Strudel entstehen, ziemlich geräuschvoll sogar, und dann aufeinmal, zwei, drei Sekunden später, ist das Wasser wieder völlig ruhig! Spiegelglatt! Und dann aufeinmal siehst du sie! Die Gesichter! Die Gesichter der Menschen, die du hasst! Und auf die kannst du pissen! Ist das nicht geil?
Ich habe letzte Woche sehr viel Zeit im Morituri-Beisl verbracht. Denn auf Gesichter zu pissen… es befriedigt mich so sehr. Es baut Stress und negative Gefühle ab.
Aber gleichzeitig wird man auch fett dabei. Rasendschnell! Man muss immer mehr essen, immer mehr in sich reinstecken, um diese Befriedigung am Scheißhaus zu genießen!

Ach, leb wohl Morituri-Beisl! Zumindest für heute.

Ich aas die letzte Woche Unmengen! Ein paar Fotos davon:

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Im Morituri-Beisl

Düster ist sie wahrlich, die Stimmung im Morituri-Beisl. Dicker Samt, schwarz und muffig an den Wänden, knarrende Dielen, es riecht nach Vergangenheit. Nur noch Grablichter sind die flackernden Lampen, ja, Johannes, der Strom zu schwach, um den allesbedeckenden Grind des Rauches aus einem Jahrhundert durchdringen zu können. Die Möbel vom Wurm zerfressen, unbeholfen repariert, kaum ein Jahr werden’s wohl noch überstehen. Der Ölofen zu altersschwach, um Wirkung zeigen zu können, das Scheißhaus, eiskalt mit tropfendem Hahn, dient gleichzeitig als Kühlraum, der Wirt ist an die achzig Jahre alt, seine Glatze genauso schimmelig wie die zugigen Fensterrahmen. Sein Hund ist vor vierundreißig Jahren jämmerlich an einem Hühnerknochen erstickt. Es ist das Stammlokal der Totengräber.
In der Ecke sitzt Tag für Tag die dürre Alte. Unterm Tisch ihre Ratte, nur noch Haut und Knochen, kleines arrogantes Miststück. Und sie, die Alte, käsebleich, eine Perücke mit angesentem Kunsthaar, übersät mit unzähligen Blutergüssen, sie macht’s nicht mehr lang, trinkt nur koffeinfreien Kaffee, die Schatten der buckligen Totengräber wiegen schwer auf ihr. Und sie grinst sie an.
Der dicke, unsympathische Beamte vom nichtsnutzigen Magistrat, redet nichts, schaut nur und nimmt zum Menü, meist das Einser, zwei, drei Vierterl Weißen. Raucht und geht ab. Verabschiedet sich mit Handkuss und Hut, die Alte mag ihn nicht.
An den Wänden verblichene Fotos, man kennt sie nicht, die Leute. Fette, rotgesichtige Soldaten aus dem letzten Jahrhundert, mit bleichen, schwindsüchtigen Huren, singen besoffen zum Akkordeon, während ihnen der Schweiß in die Augen tropft, alle tot. Dann sind die Totengräber gekommen.
Die Kaffeemaschine war schon immer der Glanz des Morituri-Beisl. Unbekannte Technologie, ohne Marke, sie ist laut, sie dampft und zischt. Kaffee hilft, wenn man weiterleben muss. Und der Wirt weiß das.
Die Mutter kocht. Sie sollte schon längst gestorben sein, aber die Totengräber lassen sie nicht gehen. Seit über hundert Jahren die gleiche Rezeptur. Tritt ein und iss wie zu Kaisers Zeiten!
Als die Totengräber aufgetaucht sind, ist Leben ins Morituri-Beisl gekommen. Ein Leben, von dem keiner etwas wissen wollte. Goldzähne, Schwielen, der Geruch des Staubes, zu dem alles zerfällt. Der Dreck, aus dem die Menschen sind.
Das, was Raum und Zeit im Morituri-Beisl zusammenhält, ist die Pendeluhr. Sie tickt, unaufhörlich, unauslöschbar, unendlich weiter, langsam zwar, eine Sekunde ist eine Stunde im Morituri-Beisl, jeder Schlag resoniert in den Wurzeln der Erde, läßt Gottes Mark erbeben, man könnte kotzen. Sieh in die Pendeluhr und erstarre in der Zeit! Vergiss deine Seele, lass es die Totengräber tun! Morituri te salutant!

Ich aas:
den Krapfen, der gegessen sein wird.

 

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Totgeweiht und gefüllt

Es ist hektisch. Weihnachten rückt näher und die Ereignisse beginnen sich zu überschlagen. Das ist die Zeit, in der ich mehrmals täglich nebenan ins Morituri-Beisl gehe. Schon beim Eintreten merkt man es: hier entstehen die Lösungen und Konzepte für die Welt von Morgen. Die Totengräber und ihre zukünftige Kundschaft, die sich alle Informationen aus Zeitungen holen, die so wertlos sind, dass sie in der U-Bahn verschenkt werden, sind die Elite.
Zuerst war ich etwas erschüttert… ich hatte ja von dem ganzen Krisenscheiß überhaupt nichts mitbekommen… aber mittlerweile bin ich voll informiert. Und hin und wieder, wenn die stürmischen Wogen der Diskussionen durchs Morituri-Beisl toben, stehe ich oben auf und schreie gegen Wind und Gischt: “Nau, hob is net gsogt? Geht eh ollas in Oarsch!”

Das macht Spaß, entlädt den Streß – und ich aas denn dort:
1 Suppe
1 gefüllter Schweinebauch

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