Wie die Dinge so laufen

Wenn ich in der weißen Anstalt aus dem Fenster schaue – und das tue ich fast ständig – sehe ich, wie bereits irgendwann erwähnt, auf ein verlassenes Grundstück, das in der Mitte ein Riesenloch hat. Schon alles mit Gestrüpp und Unkraut zugewachsen. In diesem Loch nach Regen manchmal ein kleiner Teich, in und auf dem sich allerlei Getier herumtreibt.
Als ich heute Richtung Billa an dem Grundstück vorbeilatschte, fiel mir der Segeltörn vom letzten Jahr ein. Wo wir zum ersten Mal in der Türkei waren und uns wunderten, wo die ganzen Türken hin sind und in der türkischen Küstenstadt Bodrum gestrandet waren und drauf kamen, dass Bodrum früher Halikarnassos hieß und eines der Sieben Weltwunder der Antike, nämlich das Mausoleum von Halikarnassos, beherbergte, und wir die herrlichen Abbildungen davon am Touristenstadtplan bestaunten und dann voller Enthusiasmus den ganzen Berg hinaufkeuchten, inklusive einer halsbrecherischen Überquerung der Autobahn, und dann vor einem Loch mit einem Stein daneben landeten, weil der Rest des Weltwunders schon lange durch unzählige Kriege, Erdbeben und Räubern zerstört worden war.
Ja, und da kam mir heute der Gedanke, als ich so vor diesem Loch stand, vielleicht ist das ja auch so ein Weltwunder gewesen. Dieses Loch, in diesem Grundstück, in Wien. Vielleicht stand hier auch solch ein imposantes Grabmal wie in Halikarnassos. Und vielleicht sind dann sogar während der ersten oder zweiten Türkenbelagerung die Türken selbst hier gestanden und haben sich gesagt: „Das sieht nicht aus wie unser Mausoleum in Halikarnassos.“ Und dann haben sie alles abgerissen und ein Loch geschaufelt, bis sie zufrieden mit den Köpfen nickten: „Ja. Jetzt sieht es aus wie unser Mausoleum in Halikarnassos.“
Und dann dachte ich mir. Schon seltsam, wie die Dinge in der Welt ihren Lauf nehmen.

Ich aas:
1 Mohnflesserl mit EKG

Wie Dinge so laufen

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