Nachbarliche Psychoanalyse

Die Nachbarin wird es nicht müde, mich zu analysieren. Sie macht das ganz gut und liegt mit ihren psychologischen Gutachten meist gar nicht so falsch. Erst am Wochenende geschah wieder so ein Gespräch (sie hat mich zu sich geladen – wahrscheinlich um mich anzumachen). Sie hatte mir gerade von der wilden Kindheit ihrer Scheißkatze erzählt, wie süß sie war, wie sie überall etwas zum Kämpfen gefunden hat, ihre Klettertouren am Vorhang und am Regal, als ich ihr zu schildern begann, wie man einem erlegten Tier das Fell abzieht und was für Schwierigkeiten es da bei Katzen gibt.
„Alles, was schön ist, mußt du kaputt machen.“, unterbrach sie mich plötzlich.
„Oje.“ – ich ahnte bereits, was jetzt kommen würde.
„Ja, Matla. Du erträgst es nicht, wenn etwas schön ist.“
„Zum Beispiel?“ – ich wußte, daß die Nachbarin unzählige solcher Beispiele bei der Hand hatte, aber ich war ohnehin des Redens müde und wollte mich gedanklich etwas zurückziehen.
„Zum Beispiel? Das kann ich dir sagen, zum Beispiel. Zum Beispiel jetzt die gute Stimmung. Der Abend hat so gut begonnen und du mußt wieder alles versauen, verdammt. Erzählst mir da irgendso einen Scheiß von die-Katze-am-Schwanz-hochhalten und so. Was soll das? Was hast du für ein Problem? Hm?“
„Aso?“
„Aso!? Hör mir verdammtnochmal zu, wenn ich mit dir rede. Wie ist das zum Beispiel mit der Arbeitsplatte in deiner Küche, die ich dir vermacht habe. Das ist das einzig schöne Stück in deiner vergammelten Wohnung und was machst du? Immer wieder erwische ich dich, wie du beim Brotschneiden einfach in die Platte reinsägst. Und erzähl mir nicht, daß du das nicht mit Absicht machst!“
„Tatsächlich?“
„Ja, tatsächlich, Matla. Ich möchte mal wissen, was mit dir los ist? Machst dich ja selbst auch kaputt. Ständig saufen, rauchen, Drogen, halbvermodertes Essen…“
„Moment, das sind doch keine Drogen! Das sind Rauchwaren…“
„Ach leck mich. Was ist mit dem Ausschlag auf der Vorhaut. Warst du schon beim Arzt? Wahrscheinlich nicht…“
„Nein, zahlt sich nicht aus. Weißt du…“
„Zahlt sich nicht aus. So ein Blödsinn. Aber hauptsache du kannst da in deinem Blog den großen Helden spielen. Du Wichser!“
Und so ging das dahin. Furchtbar.

Ich aas:
1 Brot
1 Käse – wahrscheinlich meint die Nachbarin Essen wie dieses
2 Bier, die ich mir schon am Vormittag als Beruhigungstropfen gönnen mußte

14 Gedanken zu „Nachbarliche Psychoanalyse“

  1. matlachen 🙁 mach mich nicht unglücklich. warum weiß die nachbarin vone einem ausschlag an der vorhaut? was läuft da zwischen euch? matlachen bussssssiiiiii *zwinker*

  2. lieber matla, was hältst du eigentlich von kannibalismus?
    ich glaube das könnte ein paar deiner probleme lösen!
    und fleischknödel für einige monate sind ja auch ned so schlimm, oder?

  3. Johannes! Wahrhaft wundervolle Worte kommen aus dem Munde desjenigen, welchen man meinen Lieblingsjünger nennt. Staunend steht die Menschenmenge und schaut zu dir auf.
    Das ist eine wunderbare Idee, deren Umsetzung zu planen es nun gilt.

  4. du machst mich ja richtig verlegen…
    also: wie wärs mit dem „industriefaschiermaschine-im-fussboden-falltüren-trick“?
    so werd ich immer die zeugen jehovas los.
    hehehe!

  5. Ja, das klingt vernünftig. Hinterläßt keine Spuren und ist leicht zu realisieren. Ich will dich ja nicht in Schwierigkeiten bringen, aber können wir den Mord nicht gemeinsam planen? Du scheinst einiges an Erfahrung darin zu haben.

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