Lebensverändernde Morgenkraft

Ich bin sehr sportlich. Ja, seit ungefähr zwei Wochen. Das war nämlich so… ich habe mich für zwei, drei Wochen von der weißen Anstalt krank gemeldet, weil… naja, du weißt schon… der Druck der letzten Zeit und das Wetter ist gerade so schön. Und da bin immer länger im Bett geblieben, während die Nachbarin ganz hektisch in aller Herrgottsfrüh wie eine Irre herumlief, um rechtzeitig fertig zu werden – und wenn sie das tut, dann muss ich mich im Bett immer ganz ruhig verhalten, mich quasi im Bett verstecken, sonst wird sie grantig und erteilt mir irgendwelche Aufträge, die ich tagsüber erledigen könnte. Und letzte Woche hat sie mich im Bett entdeckt, wie ich da gelegen bin, die Decke bis über die Nase gezogen, und sie mit kleinen, verschlafenen Augen beobachtet habe.
Aber ich hatte einen Plan! Bevor sie noch irgendetwas sagen konnte, stieß ich mit aller morgendlicher Kraft hervor:
„Du! Bringst du mir heute Sportschuhe mit?“
Das brachte sie so aus dem Konzept, dass sie völlig sprachlos von dannen eilte… in ihre Arbeit… oder was auch immer sie da jeden Tag macht.

Und tatsächlich. Die Nachbarin hatte es nicht vergessen und brachte mir am gleichen Abend Sportschuhe mit. Und diese haben – in der Tat – mein Leben verändert.

Ich aas:
2 Sandwiches mit Salami
1 paar Klumpen Käse dazu

In Zukunft ohne Mampf

In Wirklichkeit…. mampf… ist ja diese achsoschöne… mampf… Gesellschaft der Zukunft, in der alle Probleme der Menschheit gelöst sind, ja… mampf… gar nicht so… mampf… erstrebenswert. Ja… mampf… wenn man sich vor Augen… mampf… führt, dass… mampf… sie kein… mampf… ich wiederhole… mampf… kein… mampf… Schnitzel haben! Mampf!!!
In einer Folge beschreibt Commander Riker den Replikator so, dass man zwar Fleisch replizieren könne, aber alle Bestandteile auf pflanzlicher Basis seien.

Danke und auf Wiedersehen, Zukunft ohne Probleme!

Ich aas:
1 Schnitzelburger Mampf!

Gehirniges Gepulvertes

Johannes, du hättest genau das tun sollen: erst im Juni wieder kommen. Denn wenn ich ehrlich bin, habe ich gestern mit dieser aufwendigen Geschichte bereits für Monate mein ganzes Pulver verschossen. Tja, aber ich bin ja bekanntlich ein Mann der Tat. Es gibt nichts, was ich nicht mit Gehirn oder -walt lösen könnte. Versuchen wir es zunächst mit Gehirn:
Die Neujahrsvorsätze habe ich mir für heuer geschickt ausgedenkt. Vorsätze nämlich, die zuerst von anderen erfüllt werden müssen, damit ich meine eigenen erledigen kann. Beispiel: „Sobald der Weltfriede eintritt, nehme ich mir für 2017 vor, dass ich zum Veganer und Grünentreetrinker werde.“ Net deppat, was? Ganz schön gefinkelt!
Gut, heute sparen wir uns die Gewalt, denn mit Gehirn hat’s funktioniert.

Ich aas:
2 Plastikbehälter mit Chinafutter

Gehirn und -walt

Waldviertler Tradition und Handwerk

Graumohn Zelten

Graumohn Zelten – handgemacht und traditionell. Ich komm ins träumen. So schön! Solche Lebensmittel wollen wir. Da schiebt der Bauer dir fast selbst das Essen vom Feld in den Mund. Handgemacht und traditionell.
Man wünscht sich ja so ein Leben! So ursprünglich, so grün! Ich stelle mir vor, wie das sein würde:
Ich stehe im Vierkanthof, blicke durchs Fenster, sehe, wie die alte, buckelige Bäuerin im Mohnblumenfeld steht, die Dinger mit der Hand pflückt und jede einzelne Blüte in einen handgemachten und traditionellen geflochtenen Korb auf ihren krummgeschufteten Rücken wirft… nein, bettet. Ist der Korb voll, bringt sie die Ernte mit Freudentränen in den Augen zum Jungbauern, der im windschiefen Holzstall zwischen Kühen und Heu solange auf die Blüten eindrischt bis nur mehr der Mohn übrig bleibt. Den tragen die schlanken, rotbackigen Kinder in die Küche zu ihrer Mama, zur Jungbäuerin, die wie direkt dem Jungbauernkalender entsprungen, nur mit einer Schürze bekleidet die Graumohnzelten backt. Mit ihrer feuchten Hand bastelt sie die Zelten, die zunächst sehr oft die Form eines Penis bekommen, weil sie an ihren sehr gesunden, dauergeilen Jungbauern denken muss, der sie bloß auf seinem Schwanz aufgespießt durchs Gehöft tragen kann. Teig vom Feld, Mohn vom Feld, Schweiß vom Feld. Handgemacht, traditionell.
Dann bringt die Bäuerin die fertig gebackenen, duftenden, noch warmen Mohnzelten in mein Zimmer. Ich schnuppere daran, freue mich, schaue der Bäuerin verstohlen auf ihren nackten Arsch, während sie die gute Stube verlässt. Ich bin für den letzten Arbeitsschritt zuständig. Ich nehme jede einzelne Graunmohnzelte, zieh diverse Spritzen auf und injiziere dann die restlichen Zutaten, die auf der Verpackung stehen müssen: Mono- und Diglyceride, Kaliumsorbat, Betacarotin, Sorbinsäure und schließlich noch die Vitamine A und D, weils ja auch gesund sein soll.
Zum Schluss tunke ich die Graumohnzelten noch in eine kochende Kunststoffsuppe, damit alles Luftdicht verpackt ist, und klebe nach ein paar Stunden, wenn das Plastik abgekühlt ist, vorne und hinten die Pickerl drauf.

Ich aas:
1 köstliche Graumohnzelte

 

Handgemacht und traditionell

 

Zeitbergzwerg

Hatte mir gleich die ganze Woche freigenommen, um die Zeitanalomie zu untersuchen. Bin aber mit der Analyse noch nicht weitergekommen. Habe gestern lange geschlafen, dann bin ich spazieren gegangen… dagegen kann ja keiner was sagen. Bei dem Wetter! Dann ein kurzer Sprung zum Brandinesa. Später Musik gehört, Gitarre gespielt, mit dem Samuraischwert geübt, am Abend, während ich einen schönen, großen Joint genoss, tief zufrieden zur Nachbarin gesagt:
„Was für ein schöner Tag… viele schöne Ereignisse… gute Energie… wunderbare Dinge sind geschehen… die Zeit… Reisen… Riesen… Zwerge… Zeitzwerge… vielleicht ist er ein Zeitzwerg… die Zeit ist ein Berg… der Zeitzwerg arbeitet sich durch den Berg in einer langen Höhle… wie eine Spirale… die in sich selbst endet… oder nie…“
Nun gestern erschien mit die Theorie vom Zeitzwerg noch sehr plausibel. Heute nicht mehr so sehr… was solls. Ich warte auf irgendetwas und trinke Schnaps dazu… ist mir fast zu scharf bei dem Wetter… werde später wohl wieder auf Gras umsteigen.

Wir sehen uns in der Zukunft. So die Zeit will.

Ich aas der Nachbarins Reste:
1 Teller mit… weiß nicht… was du da eben reininterpretierst

Zeitbergzwerg

Der Chef der weißen Anstalt

Seit einigen Stunden war ich heute schon in der neuen, weißen Anstalt gesessen, als ich plötzlich unerwarteten Besuch vom Anstaltschef bekam. Er riss die Tür mit einem freundlichen und gut gelaunten „Guten Morgen“ auf, setzte sich – unaufgefordert – und begann:
„Na! Wie geht’s uns denn heute, Matla?“
„Geht so“, antwortete ich vorsichtig.
„Haben Sie in der Früh schön brav die Beruhigungstabletten genommen?“
„Ja… aber…“
„Ja? Aber was?“
„Die machen mich aber so müde, dass ich mir heute ein Red Bull gekauft habe.“
„Hm“, meinte der Anstaltschef mit gerunzelter Stirn. „Nun, das ist unserer Sache aber nicht sehr dienlich, nicht wahr, Matla?“
Ich blickte auf den Boden.
„Wie sieht’s mit unserem Puls aus, Matla?“
Sofort griff ich zu meiner Halsschlagader und rief eifrig:
„Bestens da, Herr Chef! Gut zu spüren! Energisch und kraftvoll, Herr Chef!“
„Gut, gut, Matla! Na, dann setzen Sie sich wieder hin, mein Bester. Ist ja alles in Ordnung.“
Und dann las er mir die Leviten… die wir wie immer wahrscheinlich morgen lesen werden.

Ich aas:
2 Mohnweckerl mit EKG
1 Dose Red Bull
1 Packung Schwedenbomben

Der Chef der weißen Anstalt

Die schiefrige Knödelrettung

Der Eingewöhnungstag gestern in der neuen Anstalt war eine Marter! Beinahe vier Stunden saß ich wie das letzte Arschloch in diesem irrsinnig hellen Raum… ich war dem Wahnsinn nahe! Bis ich nach einer halben Stunde erkannte, dass der blendendweiße Würfel neben mir ein kleiner Schrank war. Ich öffnete die oberste Lade und entdeckte einen Bleistift – zu meiner Erleichterung war es kein weißer Buntstift, sondern, nein wirklich, ein echter Bleistift. Mit einer schön dunklen, schiefrigglänzenden Miene.
In meiner Not – das endlose, konturlose Weiß in diesem Raum war die Hölle! – begann ich die Wand neben mir zu bekritzeln. Einfach nur mit einem unscheinbaren grauen Knödel… war das eine Wohltat! Dieses kleine graue Knödel, das den Grauen in Weiß einfach durchbrach! So mächtig können kleine Knödel sein! Alle Macht den Bleistiftknödeln!
Lange saß ich dann an meinem Tisch und starrte ununterbrochen auf das liebe kleine Knöderl links von mir an der Wand.

Heute kämpfe ich mit einem steifen Rücken. Ich befürchte, das kommt vom Nachlinksschauen.

Ich aas:
1 Kornspitz mit EKG

Die schiefrige Knödelrettung