Abstammungslehre der Berge

„Was war früher: der Alkohol oder die Träume?“, fragt sich der gebeutelte Leser. Nun, eindeutig die Träume. Schon als Kind wurde ich davon geplagt. Konnte Realität und Traumwelt nicht mehr von einander unterscheiden. In der Schule gab ich Wissen von mir, das ich aus meinen Erlebnissen im Schlaf hatte – war meistens völlig daneben… ging ungefähr so:
„Kinder, wer kann mir sagen, wann unser Dorf gegründet worden ist? Und wer waren die ersten Bewohner?“
„Bitte das war vor zwanzig Jahren, als die Invasoren vom Mond eine Notlandung machen mussten, Frau Lehrerin. Die haben dann eine Wildsau vergewaltigt und daraus sind unsere Vorfahren entstanden.“
Meine Eltern hatten es auch nicht leicht:
„Mama, warum weiß die depperte Lehrerin nicht, dass sie eine fette Wildsau ist?“
Vater machte sich große Sorgen. Er ging mit mir regelmäßig zum Tierarzt (einen Menschendoktor gab es bei uns in den Bergen nicht). Und der hat es aber dann schon gewußt:
„Zwischen Mensch und Sau gibt es praktisch keinen Unterschied.“

Ich aas, was ich bin:
1 Wildsau – ist aus Platzmangel nicht am Foto drauf
2 Scheiben Toastbrot
1 Dose Bresso
1 Apfel

Ursprung eines Verhaltensmusters

Ich hab ihn erwischt, den Ursprung des Verhaltensmustersm, die Sau! Erwischt!
Du weißt selbst, wie das ist. Man baut sein Lebtag die gleiche Scheiße und kommt gar nicht auf die Idee, nachzudenken, warum man das eigentlich so ist.
Mag sein, dass es Zufall war, mag sein, dass es an dem langweiligen Porno lag, aber ich hab die Sau erwischt: den Ursprung eines Verhaltensmusters!
Am Wochenende wars:
Ich seh mir grad mit der Nachbarin einen Porno an. Irgendwas irritiert mich an dem Film… ich glaub, es ist das viele Gequatsche… oder etwas anderes…. ich fühle mich abgehetzt, gejagt… wie ein Tier, das um seine Nahrung kämpft…. da bemerk ich aus den Augenwinkeln, dass die Nachbarin ganz unauffällig mein leeres Glas nimmt, es mit Rotwein füllt und es dann leise wieder zu mir herüberstellt. Kaum steht das Glas mit dem roten Gold vor mir, als auch schon meine Finger zu zucken beginnen. „Rasch, greif zu! Runter damit, bevor alles aus ist!“, brüllen mich meine Gedanken an. Ich denk mir: „Warum denkt das Gehirn sowas?“ Und sage mir: „Bleib sitzen. Rühr dich nicht und wart mal ab.“ Und siehe da! Nach einer Weile ergreift die Nachbarin mein Glas, ohne hinzusehen, trinkt es fast leer und stellt es wieder zu mir hin. Ich beginne zu schwitzen. „Glas fast leer, Glas fast leer! Trinken, schnell!“, rast es mir durch die Birne. Wie ein geölter Blitz spring ich auf und zum Glas hin, doch die Nachbarin hat bereits mein Glas in der Hand.
„Warte, du hast ja fast nichts mehr drin.“, sagt sie beiläufig, trinkt den Rest Rotwein mit einem rasanten Schluck aus und füllt mein Glas wieder voll.
„Darf ich?“, fragt sie, hebt mein Glas Rotwein und sieht mich dabei gelangweilt an.
„Darfst du ‚WAS‘?“ Panik kommt in mir auf. Ich fühle meinen Puls an der Halsschlagader.
„Na einen Schluck von dir trinken.“, sagt sie und tut so, als wär ich völlig hinüber.
„Warum hast du kein eigenes Glas? Hm? Eigentlich. Warum?“, frag ich leicht atemlos.
„Keine Lust zum trinken heute.“, sagt sie, sauft das halbe Glas in einem Zug leer und stellt es wieder zu mir.
Ich setze mich, versuche mich zu beruhigen und greife zum Glas. Da! Schon wieder war sie schneller!
„Hab ich dich erwischt, du Sau!“, schrei ich sie an, klatsche laut in die Hände, ziele mit dem linken Zeigefinger genau zwischen ihre Augen und reiß ihr das Glas aus der Hand.
„Was is’n mit dir los, heute?“, fragt sie ganz unschuldig und zeigt mir den Vogel.

Ich jedenfalls weiß jetzt, warum ich immer so schnell besoffen bin, wenn die Nachbarin bei mir ist: es ist die Angst! Die reine existenzielle Angst, die mich ein Glas mit einem Schlucke austrinken läßt, sobald es auf dem Tisch steht! Die nackte Angst um meine Nahrung, die mich den Kellnern mein Glas, das sie grade anschleppen, förmlich aus der Hand reissen läßt. So ist das und ich habe es entdeckt.

Doch es wird nichts ändern und so aas ich:
1 Rest des 5 Kilokäsemonsters, das ich geschenkt bekommen habe – den Schimmel schneide ich wahrscheinlich vorher weg

Bewusstseinskiwarei

Gestern wurde ich gerufen, weil ein paar Jungs vom Revier mit einem Typen nicht klarkamen. Sie hatten sein Auto angehalten, verdächtiges Verhalten, der Fahrer begann zu randalieren.
Als ich zum Schauplatz komme, hatte der Fahrer bereits die Flucht ergreifen können. Über Funk hatten sie schon durchgesagt, dass eine Motorradstreife die Verfolgung aufgenommen hat. Einer durchsucht noch immer das Auto. Im Aschenbecher hatte er grüne Zigarren gefunden. „Seltsamer Aschenbecher“, denk ich mir.
Da trau ich meinen Augen nicht! Ein blader Zivilist kommt auf einem Polizeimotorrad angefahren, unkontrolliert, in Schlangenlinie und verschwitzt. Von Weitem schreit er schon, dass der Kiwara, der auf dem Motorrad gesessen ist, jetzt dort unten ums Eck auf der Strasse liegt, wie eine abgestochene Sau blutet und um sein Leben schreit. Ich sag dem Zivilisten, er soll mich mit dem Motorrad dorthin bringen, ich fahre gerne hinten mit, aber bitte links und rechts schauen und nicht so herumwackeln.
Das Gewinsel des Kiwaras ist nicht zu überhören, ich lass mich vom Motorrad fallen, der Zivilist knallt mit dem Polizei-Bike in die Auslage eines Babyausstatters. Aus den Augenwinkeln sehe ich, wie einer sein Sakko aufreißt und eine Pistole aus dem Gürtel zieht. Eine Falle!

Dann bin ich aufgewacht und hab mich gewundert, weil ich auf der falschen Seite des Gesetzes stand. Bewußtseinserweiternde Drogen beflügelten schon immer meine Phantasie.

Und dabei aas ich ja nur:
2 Brot mit Liptauer und Krakauer
2 Käse
1 Apfel rot

Kackragout

Ich stell mir immer vor, dass der Magen viel weniger Arbeit nach dem Essen hat, wenn das Essen bereits wie Scheiße aussieht.

Aber ich habe mich geirrt. Die Wampe steht, es ist Schnaps notwendig.

Die Nachbarin hat mir ständig zugeflüstert: „Friss nicht wie eine Sau!“

Ich aas:
1 Hirschragout, das wie magenkranke Scheiße aussah
1 Semmelknödel
1 rotes Marmelade dazu