Schmelztod in der Weihnachtsbäckerei

Warm ist’s seit einer Woche in meiner Lieblingsbäckerei. Wenn die Chefin lacht, weil Kinder und Menschen mit offenem und triefendem Munde vor den frischgebackenen Leckerein stehen und staunen, bebt ihre Brust wie Pudding (und trotzdem sieht man sich vor, um nicht von dem weichen Fleisch erschlagen oder erstickt zu werden). Es riecht nach Zimt, Kardamom und anderen Gewürzen. Eine Welt des Staubzuckers erstreckt sich in der Auslage, Schokoladeberge, Karamelseen und Vanillebäume, von hier nach da, von oben bis untenhin. Man kann nicht widerstehen, man muss es haben. Die braunen Kügelchen, die weißen Kipferl und die gelben Sternchen! Jeder gutgemeinte Vorsatz (den sich die Idioten genommen haben, die ständig auf Diät sind) ist dahin! Ich weiß, es genügt nur ein Wort und meine Seele wird pickert. Weihnachtsgeist (der Dritte), gib mir die Kekse in der Stunde meines süßen Todes!
„Na, was darf’s denn sein, Herr Matla?“
„Das. Und das. Und das. Und das. Und das. Und das. Und das auch. Und das. Und das. Und das sowieso. Und kann ich nächstes Jahr zahlen, wenn ich das Urlaubsgeld bekomme?“ Die Chefin weiß, es ist gelogen. Ich bekomme nie Urlaubsgeld und trotzdem gibt sie mir alles, was ich will.
Ich verlasse die Weihnachtsbäckerei, greife das Sackerl, hole mir das erstbeste Stück heraus und schlucke es. Hoppla! Ich vergessen zu beißen! Kein Geschmack! Noch ein Versuch. Es klappt nun. Ich schmelze auf der Stelle und fließe in den Kanal.

Ich bin heute nach unzähligen Schmelztoden wieder normal auferstanden und aas:
2 Brot
1 Liptauer
1 Käse
1 Apfel Kronprinz Rudolf
1 Apfelkren
1 Bavaria blu

11 Gedanken zu „Schmelztod in der Weihnachtsbäckerei“

  1. Bis kurz vor Weihnachten sind ja Kekse eh total super.
    Aber danach bekomme ich schon Brechreiz, wenn ich nur daran denke.
    Schuld sich die ganzen Verwandten:
    „Na, magst ned noch a paar Kekserrl?“
    „Na, danke. Eigentlich ned.“
    „MAGST DU NICHT VIELLEICHT DOCH NOCH EIN PAAR KEKSERRRRL?“
    „Ja, OK, ich ess ein paaar(hundert)“

  2. So ist es, Johannes. Fragen wir doch unsere ehrwürdige Mutter, mein Darrrling desertmum, wie sie das handhabt. Zweifelsohne steckt sie ihre Kekse dem Wirten und ihren Kindern hintenrein, wenn sie die Kekse nicht freiwillig vorne reinschaufen.

  3. Ich denke, dargebotene Kekse nicht anzunehmen, ist eine Beleidigung.
    Hängt sicher mit Ritualen aus grauer Vorzeit zusammen, die in den Menschen immer noch tief verwurzelt sind…

  4. danke der Nachfrage, Süßer, ich steck niemandem was hintenrein – ich eß meine Kekserl selber, bis zum bummsatt, ich bin, schon vergessen, ein Luxusweib – Kekse für mich, labrig altes Toastbrot mit grünen Punkterl fürs Volk…

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