Und jetzt c’est la vie

Und jetzt c’est la vie

Ich war im Rattenloch und jetzt bin ich wieder zuhause.
Der Autoreifen war kaputt und jetzt hat er wieder Luft.
Die Nachbarin wäre fast krepiert und jetzt wird sie wieder gesund.
Das Mittagessen war kompliziert und jetzt ist mir schlecht.

Der Teller war schön verziert und jetzt liegt alles im Mist.
Die Gurke war mit Liptauer gefüllt und jetzt ist sie leer.
Der Geschmack gab nichts her und dann kam der Senf.
Zuerst kam der Senf und dann der Brechreiz.
Und jetzt jetzt und dann dann.

Mein heutiges Gedicht zum heutigen Gericht.

Grippetod auf Hawaii

„Werde ich sterben, Matla?“, röchelte mich die Nachbarin mit blutunterlaufenen Augen an. Sie hat seit mehreren Tagen starkes Fieber, zittert am ganzen Körper.
„Wenn eines auf dieser Welt sicher ist, dann das.“, antwortete ich ihr in einem tröstenden Ton.
Aber das nur nebenbei. Ich hab mich in ihrer Küche umgesehen. Sie hat so ein Ding, in das man den rohen Toast legt und ihn mittels starker Hitze rösten kann. Ich glaube, man nennt es: „Toaster“. Und weil ich ein Mensch mit Gefühlen bin, machte ich mich mit dieser Maschine vertraut und servierte der Nachbarin auf ihrem Sterbebett „Toast Hawaii“.
Sie freute sich und ich sagte:
„Der Toaster sieht jetzt wie eine eitrige Brandwunde aus. Mußt das halt nachher putzen.“

Ich aas – wie die Nachbarin:
1 Toast Hawaii

Satanskrapfen in WWW-Saft

Gestern konnte ich dir nicht deinen heißersehnten Matlamittagsbeitrag geben, ich weiß. Aber ich habe ein gute Ausrede: ich habe kein Internet! Die Typen haben mir gnadenlos den WWW-Saft abgedreht, bloß weil ich zwei oder drei Monate nichts bezahlt habe. In was für einer kalten Welt leben wir eigentlich?
Ich hocke gerade bei der Nachbarin. Die hat auch das Internet. Aber langsamer. Doch mir wird immer klarer, daß es ein Fehler war, die Nachbarin um Internet zu bitten. Sie ist gerade krank und erwartet sich von mir nun etwas Hilfe und Pflege. Darum, du Leser du, mache ich es kurz. Obwohl ich jetzt DIE Gelegenheit hätte, um mich für ihre teuflische Folter zu rächen! Jetzt jedenfalls werde ich mich an ihren Kühlschrank heranpirschen, ihr Bier schnappen und sehen, daß ich schleunigst von hier wegkomme.

In Liebe
Dein Herrscher aus dem Weltall

PS: ich muß mein Alkoholproblem besser unter Kontrolle halten. Ich MUSS dafür sorgen, daß immer genug Geld für das Internet da ist.

Ich aas zum Frühstück:
1 Krapfen
1 Kaffee

Mittagessen weiß ich noch nicht – muß hier erst mal rauskommen!

Und gestern im Rattenloch – als Nachtrag der Ordnung halber:
1 Kuhflade mit Kaffee

Als Krapfen getarnte Faschistenpunschkrapfen aus dem Weltall!

Bin heut wieder im Rattenloch. Draußen fällt der Schnee, hier drinnen fallen die Nasenmänner. Die Luft steht, die Fenster sind zugeschweißt, die Klimaanlage pumpt Viren in den Raum. Kein Wunder also, daß sich jede Menge Rawuzer in der Nase bilden.
Im Raum sitzt ein Android mit blauem Filzhut. Ich hätte Lust, ihm den Kopf abzuhacken.
Ich habe herausgefunden, daß es um 13 Uhr im Rattenloch mühsam ist, einen freien Platz auf einer Kackschüssel zu ergattern. Das ist der Grund schlechthin, warum faschistisches Gedankengut nicht schlüssig ist! Alle, wirklich ALLE im Rattenloch müssen um ein Uhr scheißen. Alle. Rote, gelbe, braune, schwarze, weiße Ratten. Und wir Herrscher aus dem Weltall ebenfalls.

Und ich aas im Rattenloch:
1 Semmel mit Käse
1 Saft
1 Kaffee
1 Krapfen mit Kokos bestreut – gefüllt war das Ding mit etwas braunem, das auch in den Punschkrapfen drin ist

All Hallows‘ Even – herbstliche Grabsteinromantik in Wien

JAWOLL! Heute fetzts! Ich hänge daham rum und höre anormale, atonale, arhythmische „Musik“. Mit vollster Lautstärke. Das Wochenende, mein Lieber, das Wochenende war nämlich ein ziemlicher Erfolg. Und das wird heute gefeiert.
Zuerst verscheuchte ich ein paar lächerliche Haloween-Kids. Ich hatte schon vorsorglich den Sarg mit meiner Exfrau aus dem feuchten Keller geholt und das ziemlich verreckte Knochengerüst im Vorraum aufgebahrt. Meinen ausgestopften Dobermann plazierte ich daneben – ihm fehlt schon ein Teil des Fells – die Ratten sind da ja schnell und gründlich. Ich glaub, die Kinder haben sich angeschissen.
Danach schleppte ich mich zur Nachbarin rauf und lud sie auf einen Spaziergang ein. Natürlich brachte ich auch eine kleine Überraschung mit: den oberen Knochen des rechten Ringfingers meiner Exfrau (inkl. Exehering). Die Nachbarin freute sich sehr über das gruselige Haloween-Geschenk.
Danach wanderten wir lustig auf den Friedhof. Die Nachbarin zierte sich zuerst ganz schön und wollte nach Hause laufen. Ich sägte ihr hinter einer Hecke mit ihrer eigenen Nagelfeile die Achillessehnen durch… war ganz schön riskant, das Laub war schon fast alles ab. Als es dunkel wurde, gefiel es der Nachbarin dann doch noch. Irgendwelche Verrückten hatten am ganzen Friedhofen unzählige Kerzen verteilt und das gab der herbstlichen Grabesstille einen romantischen Touch.
Irgendwann brach die Nachbarin zusammen.
„Was is?“, fragte ich freundlich.
„Schau! Ich hab noch nie meinen Namen auf einem Grabstein gesehen!“, heulte sie.
Tatsächlich!
Ich glaube nicht an Zufälle. Ihr Name auf dem Grabstein war ein deutliches Zeichen, quasi ein Befehl. Und du weißt, ich kann nichts dafür. Ich führe nur Befehle aus. Ich mußte es tun.
Möge sie in Frieden ruhen.

Ich aas:
1 eigentlich noch nichts, aber erblickst auch du meine furchterregende Gestalt im Spiegel der Flaschen?