Die Ära des weißen Halbmondes

Eigentlich war alles nur ein Zufall. Oder vielleicht lag es an meinem idiotischem Outfit? Es war noch fast dunkel. Ich stand vor dem Tschickautomaten, die Haare drehten sich wie in einem kleinen Orkan durch die Luft. Der Wind zog durch meine zwanzig Jahre alte Trainingshose, die dünnmaschige Wollweste der Nachbarin, die ich in aller Eile über mein ausgewaschenes Hemd gezwängt hatte, war auch für’n Arsch. Nur die Cowboystiefel hielten mich warm. Ich riss die Packung sofort auf und zündete mir eine an. Da bog der alte Piwelka mit seinem beschissenen kleinen Köter um die Ecke. Ich verzog mich in die andere Richtung.
Und da traf es mich! Wie ein Raubüberfall, mit Faustring auf den Hinterkopf! Die Bäckerei war offen, und… und tausend, nein zehntausend Lichter strahlten in der Auslage! Und was sahen meine verschlafenen Augen da? Der weiße Halbmond! Sieh! Er steigt empor! Oh, wie steigt er empor! In den morgendlichen Himmel, mit Glitterstreifen hinterher! Weißer, süßer Staub schneit auf mich herab, ich lecke ihn auf. Mit meiner Zunge.
Hm… ja, schon… ich gebe zu, ich war noch nicht im Bett und ziemlich bedient… aber: Vanillekipferl! Saisonstart! Oder wie ich es durch die Auslage der Bäckerin zuschrie: „Wanillegifferl! Geil!“

Ich aas täglich mehrere Kilogramm:
Weißer Halbmond – mein Lebensinhalt

Das Menü des Himmels und der grüne Teufel

Ich war krank, lag Tage im Delirium. Die Tage blieben dunkel, der Sonnenaufgang brachte keine Hoffnung. Nur hin und wieder formierte sich mein Bewußtsein und ich öffnete die Augen. Einmal erblickte ich dabei ein äußerst häßliches Gesicht, abstoßend, eine Fratze, entstiegen dem schwefeligen Brodem der Hölle.
„Hast du mich endlich erwischt?“, fragte ich den Teufel mit sterbender Stimme.
„Trink noch was, Matla.“, antwortete die Nachbarin und hob behutsam meinen deformierten Kopf hoch, um mir die Tasse mit heißem Tee an die verschrumpelten Lippen zu führen.
„Wirst du mich jetzt bis in alle Ewigkeit foltern?“, fragte ich den Teufel schicksalsergeben mit wässrigen Augen.
„Nein, nur bis du wieder gesund bist.“, flüsterte die Nachbarin. „Du solltest was essen. Ich habe dir Suppe gemacht.“
„Warum folterst du mich mit Suppe?“
„Komm, Matla, setz dich ein bißchen hin, dann kann ich dich besser füttern.“
Ich quälte mich hoch, der Teufel schob mir das Kissen hinterm Buckel zurecht.
„OH NEIN! Die Suppe! Sie ist grün! Ist das…. ist das…. ist das….“, jammerte ich und sah Satan entsetzt an.
„Beruhige dich, Matla, da, iß das jetzt.“
„… ist das… ist das…. Klärschlamm? Willst du mich vergiften? Habe ich das wirklich verdient?“
„Jaja, siehst du? Schmeckt dir ja, Matla.“
Der schleimige Höllensud rann mir die Speiseröhre hinunter. Ich spürte wie sich mein geschundener Körper aufbäumte vor Ekel! Doch ich hatte keine Kraft, um dagegen anzukämpfen! Ich ließ es über mich ergehen. Die Hölle ist kein Wunschkonzert.
„Siehst du? Jetzt gehts dir besser oder, Matla?“
Nachdem Satan gegangen war, stand ich auf und wankte ins Schlafzimmer, um die Wasserpfeife zu holen. Ich mußte ungedingt etwas gegen diesen harten Husten tun – ich klang wie ein reudiger Köter und die Lunge schmerzte. Warme, kräutergeschwängerte Luft würde mir guttun.

Heute hat mich Saten verschont und ich schaffe es nun auch schon, selbst zu essen und es zu kommentieren. Die Arbeit allerdings muß noch warten.

Ich aas das Menü des Himmels:
1 Brot
1 Topfen
1 Käse
2 kleine Budweiser, die Satan wohl im Kühlschrank vergessen hat

PS: mein Dank geht an desertmum Darling, das an mich dachte, während ich dahinsiechte. Sie sandte mir lustige Bilder.

Spitz und Korn im Arsch

Wenn man in der Nacht von der Obenohnebar nach Hause torckelt, muß man immer höllisch aufpassen, denn man weiß nicht, ob das, was da vor einem am Gehsteig liegt, ein Stück Hundescheißdreck ist oder ein Kornspitz. Darum habe ich Kornspitzen nie gegessen.
Weil aber nun das ganze Essen sowieso mehr und mehr durch die Gentechnik zu Scheiße wird, ist es ja schon egal. So habe ich mir heute bei Billa ein Kornspitzerl geleistet, das ich grad mit Genuß verzehre. Um die Illusion von Hundskacke möglichst authentisch wirken zu lassen, ist das braune Kornwürstchen auch noch ein bißchen warm – quasi frisch aus dem Köterarsch.
Schon Wilhelm Busch kannte diese Ähnlichkeit und nannte in der Geschichte der beiden Sozialfälle Max und Moritz das Hundsvieh „Spitz“. Frau Bolte, die da ungefähr sprach: „Spitz, du degeneriertes Ungetüm! Aber wart‘, ich komme ihm!“

Somit esse ich:
1 Kornspitzen
1 Topfen, der einfach nicht weniger werden will!
1 Apferl