Scheißhaus

Ich verbringe die meiste Zeit nur noch am Scheißhaus. Es stinkt zwar und die Clodeckel haben Flecken und der Boden ist voll mit Urintropfen, die Spülung tropft mehr als dass sie fließt und die Closchüsseln sind überzogen mit braunen Bremsspuren. Dennoch. Es ist hier immer noch der angenehmere Ort.
Ich habe herausgefunden, dass, wenn ich mir eine volle Arschpapierrolle zwischen Lendenwirbeln und Wassertank zwicke, ich lange Zeit sehr bequem sitzen kann. Die Behälter für das Arschpapier sind außerdem so angebracht, dass man sie gut als Schlafstütze verwenden kann, wenn man den rechten Arm als Polster nimmt. Wenn ich wirklich etwas Schlaf brauche, starre ich so lange den Clobesen an, bis mein Geist in eine bessere Welt gleitet. Da die Lüftung ohnehin nie funktioniert hat, ist auch das Rauchen nach dem Aufwachen kein Problem. Niemand erkennt den Unterschied.
Allein… das Essen am Scheißhaus bringe ich noch nicht übers Herz. Ich denke aber, dass ich in ein paar Wochen so weit sein werde. Dann sind meine fünf Sinne dermaßen abgestumpft, betäubt, gelyncht, dass auch kulinarische Vergnügen kein Problem mehr sein können.
Ich werde mich bemühen, einen Laptop zu bekommen. Damit wird das Schreiben am Clo nicht mehr so anstrengend sein… ja, ich bin gut darin, Sicherheitsvorkehrungen zu umgehen. Auch hier in diesem Scheißhaus-Bunker ist es möglich, Scheiße zu produzieren. Auch schriftlich.

Ich aas:

1 Semmerl mit Extra, Gouda und Ei

Anstalt

Der Boden in der Anstalt ist grau und besteht aus einem Material, das die Füße schwer werden lässt, und aus einer Farbe, die Schwindel verursacht. Die Bildschirme haben einen Defekt, denn die Augen ermüden ungewöhnlich schnell. Aus der Zuckerdose kratze ich jeden Tag den letzten Rest. Der Kaffeesatzbehälter ist immer voll und der Kaffee in Wirklichkeit koffeinfrei. Das Trinkwasser ist mit Schlafmittel versetzt. Die Scheißhauskabinen werden mit Betäubungsgas geflutet und die Pissbecken mit Nervengas, das den Schwanz verschwinden lässt, berieselt. Warum die Augen und Hoden vollständig eintrocknen, habe ich noch nicht herausgefunden. Die Fenster filtern die Freundlichkeit der Sonne weg und lassen sie wie ein Riesenarschloch am Himmel hängen. Auf die Gesichter der „Kollegen“ wird etwas Unsympathisches projiziert, das man nicht näher definieren kann. Die Scheiße, die aus den Belüftungsanlagen strömt, enthält keinen Sauerstoff. Von den Tastaturen bekommt man juckenden und eitrigen Ausschlag auf den Fingerkuppen. Du hast irgendwie ständig das Gefühl, als würde jemand hinter dir stehen und dir die Kehle zudrücken. Die Sessel sind so konstruiert, dass man ununterbrochen die Position wechseln muss. Alle Fluchtwege führen im achten Stock aus dem Fenster hinaus. In unregelmäßigen Abständen hört man einen hohen Quietschton, den man nicht lokalisieren kann. Im Raucherzimmer ist immer um ein Platz zu wenig und die Lüftung aus der Tiefgarage mündet darin. Die Computermäuse gleiten nicht, sie kratzen am Tisch herum. Und die Ratten können fliegen.

Ich aas.

Anstalt.

Weltuntergangsmaschine

Hervorragend. Ich habe in der Anstalt die Weltuntergangsmaschine gefunden. Diese ist ungefähr so groß wie eine Mülltonne, ganz aus silbrig glänzendem Metall und beschriftet mit: „Vollständige Vernichtung von allem – mit 100% Sicherheit“ Geil oder? Ich hab auch schon erste Versuche angestellt. Papierschnitzel sind weg wie nix! Papierteller… weg! Kugelschreiber… weg! Da hörst du nur Schnatter-Schnatter-Schnatter und… weg! Selbst der eine Socken gestern, den ich zu viel anhatte… weg! Spurlos verschwunden! Bei einem Kaffeelöffel klingt das Ganze zwar schon etwas anders… Knirsch-Knirsch-Knirsch… aber trotzdem… auch er… weg! Ein Kaffeelöffel einfach dieser Welt entfleucht!
Das nächste Ding, das verschwinden wird, ist übrigens ein Besen. Ich weiß mittlerweile, wo die Putzmittel versteckt sind und wie ich in diesen Raum komme… ich stell mir das wie bei Soletti vor… Knabber-Knabber-Knabber und der Besen ist weg. Und irgendwann werden die ersten Mitarbeiter verschwunden sein… zuerst die, die jedem Menschen zu Mittag ihr „Mahlzeit“ aufzwingen. Dann die Scheiß-„Guten Morgen“-Grüßer und schließlich der Rest. Wenn ich Glück habe, entsteht dort irgendwann so eine Art Schwarzes Loch und es beginnt sich alles selbst zu verschlucken… hm, mal sehen. Muß man langsam angehen.

Ich aas:
1 EKG
2 KitKat mit drei Espresso

Intim im Loch

In dem gestern erwähnten Loch kann man mit seinem Handy nicht telefonieren und kommt auch nicht ins Internet. Nur am Scheißhaus funktioniert das hervorragend. Und ich habe mich immer gewundert, warum am Clo so viele Leute telefonieren und warum die so lange beim Scheißen brauchen. Ich mach das jetzt auch so. Sitze gerade hier, seile ein paar große Braune ab und ruiniere mir beim Schreiben am Handy fluchend die Augen… das Kreuz beginnt auch schon zu ziehen… da fällt mir ein… hab jetzt kein Essen fürs Foto dabei… hmmm… nein, das wäre dann doch zu intim… wenn ich die großen Braunen fotografieren würde.

Ich aas:

1 EKG, ganz klassisch.

Frühlingsscheiß

Im Frühling fühlt sich die Nachbarin stets bemüßigt, im Freien herumzugehen. Niemand wird je verstehen, warum. Niemand! Und mich jammert sie so lange an, bis ich mitgehe. Und niemand wird je verstehen, warum sie mich mitnimmt. Ich bin eine Koryphäe im Launeverderben und  ein hervorragender Stimmungstöter! Wenn sie zum Beispiel einen in voller Blüte stehenden Baum bewundert, stehe ich wie ein kleiner Giftzwerg daneben und schiebe Meldungen wie: „Ja, und voriges Jahr war’s so und nächstes Jahr wird’s auch wieder so sein.“
Man trifft bei diesen wertlosen Spaziergängen ohnehin immer die halbe Stadt. Letztens auch. Die Alte mit dem Hund. Die Nachbarin und sie… endloses Getratsche während ich mir gelangweilt die Füße in den Bauch stand und mich das Arschloch von einem Köter anknurrte. Bis ich die Alte fragte, ob sie sich mit Hundeanatomie auskenne.
„Jaja, die Grundlagen halt. Hihi.“
Weil ich schon immer wissen wollte, wo man einem Hund am besten das Messer reinschiebt, wenn er sich an einem verbeißt. Sehr schnell konnten wir weitergehen.
Irgendwann kamen wir dann völlig zerstritten zu einer Wiese. Die Nachbarin wird nämlich extrem streitlustig und aggressiv, wenn sie bergauf gehen muss. Sie macht es trotzdem… auch so eine Sache, die niemals jemand verstehen wird. Und ich hatte schlechte Laune, weil mir so heiß war. Mir wird immer so schnell heiß… Das Wort „heiß“ tritt es nicht so wirklich… mehr die Dialektversion davon: haaß. Mir wird immer so haaß. Also diskutierten wir auf dieser sonnenverseuchten Scheißwiese, von blühenden Bäumen umzingelt, wer nun eigentlich Schuld an allem war. Als ich dann mein Hemd auszog, weil ich es vor lauter Hitze nicht mehr aushielt, fingen auch noch ein paar verängstigte Kinder zu kreischen an.
Es reicht. Der nächste Spaziergang erst wieder 2019.

Ich aas:
1 Semmel mit Extra, Gouda und Ei
1 Apferl

Oelek mich doch!

Manchmal setze ich mich zur Nachbarin, wenn sie fernschaut. Gestern auch. Und da fiel mir wieder auf… Da fiel mir schon wieder(!) auf, dass das Fernsehprogramm seit Jahren scheinbar hauptsächlich aus Kochsendungen besteht. Ich kann den Reiz daran überhaupt nicht nachvollziehen! Nach ein paar Minuten reicht es mir dann meistens und ich laufe schreiend davon. Schreiend… wütend! Jedes Mal, wenn einer beginnt, im Essen herumzustochern und zu nörgeln… so wie: „naja, ich hätte mir etwas mehr von XY gewünscht“ oder „zu komplexe Geschmackskomponenten“… oder wenn die unnötige Tischdekoration nicht zur Farbe der Suppe passt… oder so ein Scheiß! Da muss ich den Fernseher anschreien! Ich muss! „Na – dann – geh – doch – scheißen – Alter!“ Und stell mir vor, wie ich seinen Schädel bei jedem Wort mit dem Gesicht voran ins Essen donnere. Da! Friss Scheiße! Und dann riech meinen Arsch!

Ich aas:
1 Knacker mit Sambal Oelek
1 Griechischer Schafskäse
1 Brot

Futter ex machina

Die Nachbarin wird verrückt wird sie, die Alte! Sie ernährt mich schon seit zwei Tagen nur mit einer Art Astronautenfutter! Hat wohl die Liebe zu ihrem Essenshäcksler, der schon seit Jahrzehnten den ganzen Platz im Regal für die Aschenbecher wegnimmt, wieder entdeckt! Schmeißt einfach ekelerregende Nahrungsmittel hinein, zerkleinert alles und glaubt, dass ich das runterschlucke! Spinat, Haferflocken, Obst, exotische Gewürze usw. Jedesmal brechen meine Emotionen hervor, wenn sie mir das vorsetzt! „Ja, bist du des Wahnsinns? Willst du mich umbringen? Ich habe noch genug Zähne im Maul! Gib wenigstens etwas Wodka rein!“ Was ist nur mit dieser Welt los? Zuerst kein Fleisch, dann überhaupt nichts Tierisches mehr und jetzt nicht mal mehr bissfeste Nahrung?! Was ist der nächste Schritt? Intravenös? Lichtnahrung oder so ein Scheiß? Oder oder oder fressen wir uns dann selbst auf? Aaahhh!

Ich aas – oder auch nicht:
1 Glas mit… ich weiß nicht, wie ich das  nennen  soll!

Weihnachtseinkauf mit der verlorenen Beidlgeschichte

Am Freitag war ich mit der Nachbarin einkaufen. Weihnachtszeugs. Normalerweise hasse ich es, aus dem Scheißeinkaufen ein gesellschaftliches Ereignis zu machen und in Begleitung ganze Einkaufsstraßen abzugrasen. Und dabei Scheißdreck zu kaufen, den du nachher ohnehin nie wieder anrührst. Ich komme mir dabei immer wie der letzte Arsch vor… wie dieser Esel mit der Karotte vor seiner Nase, der er unablässig folgt, obwohl er sie nie erwischen wird.
Aber gut, Weihnachten ist eine Ausnahme. Ich komme sowieso nicht davon, also mache ich das beste daraus… die Nachbarin hat es sogar schon geschafft, dass ich mich richtiggehend darauf freue! Ja! Schon im Vorfeld lege ich mir ein paar hinterlistige Streiche zurecht… zum Beispiel auf der Rolltreppe nach oben fahren und dem hinter mir ins Gesicht zu furzen, oder einen, der bis oben hin mit Geschenken vollgeladen ist, „unabsichtlich“ ein Bein zu stellen oder einen Rempler zu geben, dass ihm alles auf die Straße kracht.
Heuer… naja… blöd… ich hatte eine Wette, bei der es um das Gewicht meines Schwanzes auf der neuen digitalen Küchenwaage ging, verloren und musste deswegen bei der Einkaufstour eine rote Weihnachtsmannzipfelmütze tragen… und du weißt, wie ich die Amerikanischen Weihnachtssitten verabscheue. Aber verloren ist verloren.
Na jedenfalls suchte die Nachbarin mit mir erstmals einen Laden auf – weiß der Teufel warum – der nur schwarze Kleidung mit Totenköpfen und Folterwerkzeug drauf führte. Als ich ins Geschäft stolperte, zuckte ich gleich erschrocken zusammen, weil ich plötzlich von Verkäuferinnen umzingelt war, die wie eine Horde lebender Toter auf mich zutaumelten. Etwas gehetzt sah ich um mich… diese Scheißzipfelmütze hatte auch noch so kleine beschissene Goldglöckchen drauf, die bei jeder, einfach bei jeder Kopfbewegung bimmelten. Die Zombies starrten alle geifernd auf meine Zipfelmütze… ich machte ein paar Schritte zurück und flüsterte zur Nachbarin, dass wir jetzt lieber gehen sollten, doch die hing schon halb in einem Wühltisch mit Aktionsware.
Eigentlich war ich gar nicht allzu überrascht, den insgeheim ahnte ich bereits, dass hier die Jünger des Satan Klaus vor mir standen.

Ich aas:
1 Thunfisch mit Reis

De Steirarin und da Weana

Meinen Glückwunsch an den einzigen Teilnehmer und Gewinner des Keksrätsels: „Johannes voll mit Furzen
Johannes, ob deine Antwort richtig oder falsch ist, weiß ich nicht, ist auch egal. Du bist der Gewinner und darfst fortan den Titel „Johannes voll von Furzen, Gewinner im Keks Scheiße nochmal“ tragen.

Im Supermarkt war wieder mein kleiner Liebling an der Kassa. Immer finstrer Blick und steirisch angehauchtes Fiepsstimmchen. Das Fiepsstimmchen wird aber schnell zu einer krächzenden Apokalypse, wenn man diese depperte Trennwand am Kassaförderband nicht korrekt hinstellt. Dann nämlich ignoriert sie einfach alle eindeutig vorhandenen Abstände zwischen den Waren und zieht einfach solange das Zeug über den Scanner bis ihr einer der Kunden Einhalt gebietet. Ihre Standardantwort:
„Asoo, nau weul da Trenner net dou woar. Den Trenner miassns schou hinstöln, dafia issa jou schließli dou.“ Stell dir das im urigsten niedersteirisch lauter als notwendig gekrächzt vor. Für den Piefke: „Aso, na weil der Trenner nicht da war. Den Trenner müssen sie schon  hinstellen, dafür ist er ja schließlich da.“
Meine Standardantwort: „Jo, scheiß di net au.“
„Des kaun a nua a Weana sougn!“, meint sie dann immer, steirisch kopfschüttelnd, dazu. Soll heißen: „Das kann auch nur ein Wiener sagen“.

Seit einiger Zeit habe ich aber mit dieser meiner Lieblingskassadame ein neues Spielchen. Ich bin dahintergekommen, dass man von der Kassa aus so ziemlich das ganze Geschäft überblicken kann. Jetzt – gemein wie ich bin – stelle ich mich  irgendwo hinten im Geschäft hin, nehme irgendwas aus den Regalen, halte es über meinen Kopf und schreie dann quer durch den Laden:
„Heans, wüafü kostn des?“
„I siachs net!“
„I sog ihna de Numma!“
Sie dann immer laut und steirisch genervt:“ Des bringt jou nix! Se miassn eana schou herbequema zu mia!“
„Jo, scheiß di net au!“
„Des kaun a nua a Weana sougn!“

Ach, ich liebe es. Würde sie dann immer am liebsten abbusseln, weil es so lustig ist!

Ich aas:
1 EKG
1 Apfel Kronprinz Rudolf

Helgas Schläuche

Aber eigentlich waren wir ja bei Helga. Lass mich das kurz fertig erzählen.

Ich saß also in meinem Frust in der Scheißkrankenhauskantine, als plötzlich Helga mir gegenüber Platz nahm und sagte:
„Matla, du musst mich hier rausholen.“
Ich blickte sie stumm an… weißt du, ich tu mir in solchen Situationen so schwer… wenn ich beim Brandinesa auf Helga getroffen wäre, passt! Da gehört sie hin! Wie’s Eiter ins Wimmerl. Wenn ich aber Leute in ganz anderen Umgebungen treffe, dauert es dermaßen lange, bis ich verstehe, was passiert… das geht sogar so weit, dass ich Menschen nur dort wieder erkenne, wo ich sie kennengelernt habe.
Als mein Gehirn also endlich Helga erkannt hatte, wollte ich schon instinktiv nach dem Wirt schreien, weil am Tisch keine Getränke standen… aber wir waren ja in der Krankenhauskantine.  Helga selbst sah etwas mitgenommen aus. Ja, die aufgedunsene, rote Nase, die leicht herabhängende Unterlippe und das schüttere Haar… alles wie immer. Nur… die beiden Schläuche, die aus Hals und Schulter ragten und in einem kleinen Gerät zusammenliefen, das Helga umgehängt hatte, die waren neu.
„Woraus genau soll ich dich holen?“, fragte ich Helga.
„Aus dem Krankenhaus. Ich darf raus, wenn ich eine Begleitperson habe.“
„Was ist mit den ganzen Schläuchen, die aus deinem Körper hängen? Die werden ja wohl hier bleiben oder?“
„Matla, die kommen mit! Die leiten irgendeine Flüssigkeit ab und wenn ich auf dem Kasten hier auf diese Taste drücke, fließt Schmerzmittel in die Schulter. Es ist so leiwand!“
Hm, ok. Helga erklärte mir noch mehr… ich verstand zwar nicht genau, warum Helga mit Schläuchen in der Schulter herumlief, aber letztlich schien mir alles reichlich plausibel zu sein.
„Ja, gut“, sagte ich, „wo muss ich unterschreiben?“

Ich aas:
1 Teller Spaghetti Bolognese, die irgendwer in der weißen Anstalt übrig gelassen hat