Dr. Jaaaaa?

Tüüüt tüüüt tüüüt.
Mit tiefer Stimme beginnend lang in höhere Tonlagen gezogen:
„Jaaaaaa?“
„Ja, ich bin’s. Matla.“
„Jaaaaaa?“
„Ja, ich wollte gestern wieder jemandem meinen Schwanz zeigen.“
„Jaaaaaa?“
„Ja. Sind Sie sicher, dass Sie wissen, wer ich bin?“
„Matla. Es gibt so etwas wie eine Rufnummernanzeige. Daher weiß ich immer schon vor dem Abheben, wer dran ist.“
„Okaaaaay?“
„Jaaaaaa? Haben Sie mir etwas zu sagen? Vielleicht eine Entschuldigung.“
„Es tut mir leid. Entschuldigung. Es geht um meinen Schwanz…“
„Matla. Es geht immer um ihren Schwanz. Und ich wette, Sie wissen überhaupt nicht mehr, wofür Sie sich gerade entschuldigt haben oder?“
„Nicht wirklich. Aber dennoch tut es mir…“
„Sie haben mich und meine Praxis zuletzt zum Teufel gewünscht. Sie haben mich einen Psychopathen geschimpft, der sich als Psychiater verkleidet…“
„Ahhhh jaaaa“, lachte ich, „Jetzt weiß ich wieder. Das haben Sie doch wohl nicht ernst genommen oder? Sie nehmen alles viel zu ernst!“
Kurze Pause. Rascheln, Husten, Seufzen.
„Gut, Matla. Also. Was ist passiert?“

Und das erzähle ich wie immer morgen.

Ich aas:
1 Croissant mit Schinken, Käse, Salat, Eier
2,5 Packungen Mannerschnitten

Dr. Jaaaaaa?

Das Geschenk vom Punschstandl

Die Nachbarin hat mich am Samstag auf die Weihnachtseinkaufsstraße mitgeschleppt. Zuerst lief alles glatt, aber dann – wie es kommen musste – wie es immer kam – begann ich zu sudern und herumzujammern und sie jagte mich zum Teufel:
„Weißt was, Matla? Geh du in die Richtung irgenwas kaufen und ich in die andere. Und dann treffen wir uns irgendwo, irgendwann. Gut?“
„Deine Entscheidung.“ Und weg war ich. Und froh war ich.
Einige Zeit beschäftigte ich mich an den Punschstandln, latschte in Geschäften herum, tratschte mit Verkäufern und begutachtete die Brustwarzen der Schaufensterpuppen.
Als mir die Nachbarin zufällig wieder über den Weg lief, stemmte sie ihre Arme in die Hüften und sagte: „Das ist alles?“
Ich sah auf meine Hände.
„Ach ja“, antwortete ich, „Ich habe Katzenfutter gekauft.“
„Seit wann denkst du an meine Katzen?“
„Immer schon, Baby, immer schon.“ Mir fiel die Schachtel mit dem Katzenfutter aus der Hand.
„Achja? Wie heißen sie denn, Matla?“
Ich bückte mich ganz langsam, um die Schachtel aufzuklauben und um nachzudenken.
„Also? Ich höre, Matla?“
„Ja… also… Muschi.“
„Muschi?“
„Ja.“
„Und die andere?“
„Muschi Zwei.“
„Muschi Zwei?“
„Ja. Muschi Eins und Muschi Zwei.“
Die Nachbarin verdrehte die Augen. „Gut. Wir sehen uns später wieder.“ Sprach es und watschelte davon.
Ich sah ihr noch nach bis sie von der Menschenmasse verschlungen worden war und begab mich dann wieder zu meinem heutigen Lieblingspunschstandl.

Ein, zwei Stunden später, ich war schon ziemlich bedient, als die Nachbarin plötzlich wie aus dem Nichts wieder aus der Fleischmasse auftauchte.
„Wo ist das Katzenfutter?“, fragte sie finster.
Ich brauchte ein paar Sekunden, um ihre Frage zu verstehen. Dann schielte ich wackelnd auf meine linke Hand: Glühwein. Dann auf meine rechte Hand: Stehlampe. Himmel! Ich erschrak etwas! War das ein Riesending von einer Stehlampe! Ungefähr so groß wie ich, sah wie eine Antiquität aus. Um Zeit zu gewinnen, drehte ich mich umständlich nach hinten und tat so, als würde ich mit jemanden schimpfen, der mich angerempelt hatte. Ich musste improvisieren:
„Ja. Ich habe ein Geschenk gefunden.“
„Für mich?“
„Ja, klar. Und das Schöne ist, man kann sich auch hervorragend daran festhalten! Hier, probier mal!“
Die Nachbarin versuchte es, lächelte und trank mir den Glühwein weg.

Ja, so bin ich.  Nichts ist mir wichtiger, als meine Lieben glücklich zu machen! Wie ich auf die Idee mit der Stehlampe gekommen bin? Ganz einfach, heute weiß ich es wieder: als ich bei einem Punschstandl zahlen wollte, traf ich einen alten Bekannten. Ich bat ihn, kurz die Schachtel mit dem Katzenfutter zu halten. Im Gegensatz dazu musste ich aber seine Stehlampe übernehmen. Das war beim Zahlen recht angenehm, da auf der Stehlampe zu hängen. Wir plauderten noch eine Weile, der Bekannte mit meinem Katzenfutter und ich auf seiner Stehlampe, haben uns aber dann aus irgendeinem Grund aus den Augen verloren.
Hoffentlich hat er keine Nummer von mir oder taucht in meiner Wohnung auf. Denn sonst müsste ich wirklich noch ein Weihnachtsgeschenk  kaufen rennen.

Ich aas:
1 Apfel Kronprinz Rudolf
2 alte Bananen

Ich hoffe, die Nachbarin bringt noch etwas zu essen.

Muschi 1 an Muschi 2

Unterwegs in Costa Lica

>> Beginn der Geschichte

„Kannst du Kung Fu, Gelonimo?“, fragte ich den Chinesen, um ihn etwas von dieser seltsamen Situation abzulenken. Gelonimo begann, sich mit beiden Händen das Gesicht zu reiben. Er sah sehr müde aus, hatte rote Augen.
„Du bist so ein Aschloch, so ein allogantes Aschloch.“ Aus war es mit R.
Ich hatte noch nie mit Chinesen zu tun. Gelonimo war mir sehr sympathisch.
„Das habe ich schon öfter gehört. Komm, Typ, sehen wir, dass wir hier wegkommen.“ Wir standen mit unserer Rostlaube noch immer mitten auf der Strasse.

Gelonimo fuhr weiterhin in seiner halsbrecherischen Art und Weise. Wir unterhielten uns recht gut. Doch irgendwann war es  überstanden und er sagte, ich solle zahlen und dann sehen, dass ich weiterkomme. Ich blickte mich um, es standen einige Häuser in der Gegend herum, sahen alle ziemlich gleich aus.
„Welches Haus ist es?“, fragte ich Gelonimo, während ich das Geld zusammenkratzte. Kannte mich mit der hiesigen Währung, Colones, noch nicht aus. Stumm zeigte er auf eines der Gebäude.
„Hast du eine Telefonnummer, unter der ich dich erreichen kann, falls ich mal wieder ein Taxi brauche?“ Gelonimo reichte mir eine Visitenkarte… furchtbar, hatte die Konsistenz von Klopapier… so auf die Art: „wisch dir damit den Arsch aus“ Ich lachte und boxte Gelonimo in die Schulter, nahm meine Tasche und kletterte aus dem Wagen. Er trat aufs Gas, holperte noch über ein paar kleiner Schlaglöcher und weg war er.

Ok, ich ging auf das Haus zu, das Gelonimo mir gedeutet hatte. Hier wohnte also Muttern. Ich würde sie wiedersehen. Der Vorhang hinter einem offenen Fenster ging zur Seite und ein Gewehrlauf blickte auf mich.

>> und so geht es weiter

Ich aas, weil ich grade erst nach Hause gekommen bin:
1 Rest, den mir scheinbar die Nachbarin hinterlassen hat

 

Not to have

Die Nachbarin ist eine Anti-Hausfrau. Sie hasst es. Sie hasst es wirklich. Und trotzdem hat sie mich heute in der Anstalt angerufen und mich mit ihren süßen Worten eingelullt.
„Was hältst du davon, wenn du ich dir heute was zu essen mache? Hm, Matla?“
Mein Gehirn dachte: „Leg auf und lauf um dein Leben.“ Aber mein verweichlichtes Maul sagte:
„Ja, ok. Bin in einer Stunde bei dir.“
„Gut, dann ist das Essen schon fertig.“
Als ich in der Bude der Nachbarin eintraf, erwartete mich eine Dunstglocke aus giftigen Dämpfen und finstren Flüchen. Sogleich eilte ich zum Herd, um dem drohenden Supergau ein Ende zu bereiten. Ich hielt einen Schuh in der Hand, weiß auch nicht, wie ich mir das vorgestellt hatte.
„Greif hin und ich bring‘ dich um.“, zischte mich die Nachbarin an. „Wenn du willst, dass ich für dich koche, dann hock‘ dich hin und verhalte dich ruhig, verdammtnochmal, Matla!“
Ich blieb ruhig und verwünschte mich selbst.
Nach einigen Minuten warf sie mir das Futter vor, etwas rührselig sprach ich das Tischgebet.
„Herr, lass mich leben. Und gib uns die Nummer der Vergiftungszentrale, wenn es schnell gehen muss.“
Überraschenderweise schmeckte das Zeugs tatsächlich wie etwas, das ich schon einmal aas… ja, es kam mir bekannt vor. Ich nickte.
„Gewöhn dich bloß nicht daran, du Arsch“, sagte die Nachbarin, während sie mir beim Essen zusah und zufrieden rauchte.
„Nein, meine Liebe. Das ist das Letzte, was ich will.“, versicherte ich ihr. Dann fütterte die Nachbarin die Katze und murmelte dabei: „Du verwöhntes Arschloch von Katze du.“
Nach dem Essen hat sich mich und die Katze hinausgeworfen.

Ich aas:
1 Weckerl vom Anker

Typische Wiener Analstimulation oder: Ich liebe Wien.

In der Nähe gibt es ein Elektrogeschäft. Wenn man es nicht besser wüßte, würde man meinen, das Geschäft wäre schon vor Jahren aufgelöst worden, so verkommen und leer sieht die Auslage aus. Traurig. Nur Insider schätzen das Geschäft, jedoch nicht wegen der großartigen und preiswerten Auswahl an elektronischen Geräten, sondern vielmehr wegen der steten geselligen Trinkgelage. Die Besitzer, Gitti und Wolferl, sind Stammgäste beim Brandinesa – ich kenne sie von dort recht gut – und mit der Zeit tagsüber zu einer nicht gern gesehen Konkurrenz des Wirten geworden. Hat man nämlich in unserem Grätzl während eines Arbeitstages nichts besseres zu tun, begibt man sich ins Elektrogeschäft und zieht sich ein paar Stamperl Schnaps ins Gehirn. Wovon Gitti und Wolferl leben ist mir ein Rätsel. Die feilgebotene Ware ist veraltet, schmutzig und wahrscheinlich schon lange kaputt. Doch EINEN Kunden haben sie, der regelmäßig dort einkauft. Und zwar mich.
Ich habe im Zimmer eine Lampe, mit Halogenleuchtstab. Sieht aus wie eine Arschspindel mit Gewinde, wie man sie bei Analstimulationen einsetzt. Nirgends gibts diesen Leuchtstab zu kaufen, nur bei Gitti und Wolferl. Und, leider, wird diese Halogenlampe zweimal im Jahr kaputt. Gestern war es wieder soweit und ich besuchte Gitti und Wolferl.

Matla betritt das Elektrofachgeschäft. Irgendetwas läutet.
Matla: „Morgen.“
Wolferl: „Ah, Matla. Magst was trinken?“
Matla: „Nein, ich brauche wieder meinen Halogenleuchtstab.“
Wolferl wird leicht nervös. Ein Kunde! Sofort sind wir per Sie.
Wolferl: „Welchen brauchen Sie denn?“
Matla: „Na den, den ich immer hier kaufe. Hier ist er.“ Matla überreicht den kaputten Leuchtstab.
Wolferl: „Hm, da steht keine Nummer drauf. Da kann ich Ihnen nicht helfen.“
Matla: „Wie meinst du das?“
Wolferl: „Naja, wie soll ich wissen, welche Lampe Sie brauchen, wenn da keine Nummer drauf steht? Wo haben Sie den gekauft?“
Matla: „Na, bei dir!“
Wolferl: „Nein, das glaub ich nicht. Bei uns steht immer eine Nummer drauf.“
Matla: „Doch, Wolferl. Hier habe ich ihn gekauft, genau hier bin ich gestanden…. letztes Jahr Weihnachten.“
Wolferl: „Nein, das gibt es nicht. Bei uns steht IMMER eine Nummer drauf.“
Matla: „Na gut. Wie viele Sorten gibt es denn?“
Wolferl: „Zwei. Zwei verschiedene Stärken.“
Matla: „Na, dann gib mir eine davon. Wird schon passen. War ja sonst auch nie ein Problem.“
Wolferl: „Nein, das geht. Da steht keine Nummer drauf.“
Matla: „Jetzt vergiss die Nummer. Gib mir eine davon.“
Wolferl: „Nein. Ohne Nummer, wie soll das gehen? Wo haben Sie die gekauft? Vielleicht sollten Sie es dort versuchen?“
Matla kratzt sich am Hals und reibt sich die Stirn.
Matla: „Gib mir jetzt so einen Scheißleuchtstab, Wolferl!“
Wolferl: „Nein.“
Matla: „Hearst, ich steck dir gleich das Ding in den…“
Gitti kommt.
Gitti: „Was ist hier los? Ah, Matla. Hallo.“
Wolferl: „Er will eine Lampe ohne Nummer.“
Gitti sieht sich die Lampe an.
Gitti: „Wo hast du die her, Matla?“
Matla: „Von euch. Gitti, bitte.“
Wolferl: „Nein, das glaub ich nicht. Da steht keine Nummer drauf.“
Gitti ignoriert Wolferl: „Ich glaub, ich hab das Passende für dich. Warte einen Moment.“
Gitti geht ins Lager. Wolferl schaut mich mit gerunzelter Stirn an. Wir sind wieder per Du.
Wolferl: „Also ich glaub nicht, dass du das bei uns gekauft hast.“
Matla schweigt und wartet auf Gitti. Gitti kommt und bringt den neuen Halogenleuchtstab.
Wolferl zu Gitti: „Ich glaub nicht, dass er das bei uns gekauft hat.“
Gitti ignoriert Wolferl: „Magst was trinken, Matla?“
Matla: „Du, lass uns unsere Beziehung nicht überstrapazieren. Ich gehe jetzt raus, schau mal kurz einkaufen und komme nachher wieder vorbei. OK?“

Ich aas:
2 Brot mit Topfen
1 Stück Käse

Nebenstelle

Irgendwas stimmt nicht.
Jemand steht neben mir.
Ein Typ.
Was soll ich nur tun?
Sehe ich nicht hin, sehe ich seinen Schatten. Sehe ich ihn an, sehe ich ihn nicht.
Suche ich ihn nicht, steht er hinter einem Eck oder hinter der Tür, suche ich ihn, ist er woanders.
Wenn ich spreche, höre ich seine Stimme. Versuche ich zu verstehen, was er sagt, ist er stumm.
Denke ich an etwas anderes, berührt er mich. Will ich ihn fassen, ist er nur Luft.
Nehme ich das Handy zum Ohr, ruft er mich, wähle ich eine Nummer, hebt niemand ab.
Vielleicht ein Geist.
Vielleicht der Eiergeist.
Ich weiß nicht.

Ich aas:
1 Haufen Tomate
1 Ei
1 Käse
2 Brot mit Liptauer