Christnudlmarkt

Jedes Mal, wenn ich Nudelsuppe esse, muss ich an diese Weihnachtsgeschichte denken. Als die Nachbarin und ich auf einem Christkindlmarkt waren… weiß leider nicht mehr, welcher… es war aber hügelig und gatschig… na jedenfalls hatte ich damals die glorreiche Idee mit meinen sommerlich luftigen Stoffhalbschuhen dorthin zu  latschen. Nicht nur, dass meine Füße binnen kürzester Zeit batschnass und völlig unterkühlt waren, nein, der eine übernervöse Typ mit seiner Gastritis kotzte mir auch noch eine delikate Mischung aus Jagatee und Nudelsuppe drauf. Habe tagelang einzelne Nudelstücke aus den Schuhen gefischt, wobei ich mich immer fragte, ob ein Christkindl eine Nudel hat. Als der ständige Gestank im Vorzimmer der Nachbarin zu viel war und sie die Schuhe in die Waschmaschine steckte, lösten sich die dünnen Sohlen vom Stoff ab und das war’s mit meinen Schuhen.
Seither gehe ich nicht mehr zu Christkindlmärkten und wenn es denn wirklich sein muss, so nur in Gummistiefel.
Wollt’s nur gesagt haben.

Ich aas:
1 Nudelsuppe

Hans Matla Wundersam

Leser, ich verabschiede mich mit einer Flasche Whiskey in das Feiertagskoma.

Aber, wie jeden verdammten Wochentag, habe ich eine kleine, wahre und deshalb beschissene Geschichte für dich. Die Geschichte, die ich jedes Jahr zu Weihnachten von der Nachbarin vorgelesen bekomme, während ich an meiner Flasche nuckle. Es ist die Geschichte von „Hans Wundersam“.

Hier die Zusammenfassung:
Hans Wundersam findet im Schnee ein Engelchen. Hilft diesem, indem er es nach Hause in den Himmel bringt. Dort trifft er auf allerhand Gestalten: Petrus, Belzebub, Christkind. Weil er so ein lieber Hosenscheißer ist, darf sich Hans auch noch eine Alte aussuchen. Er wählt natürlich die Hässlichste und Langweiligste von allen. Die beiden werden vom Hl. Nikolaus getraut und dürfen nach Hause latschen.

Einige Bilder daraus:

Du siehst: kein Satan Klaus, keine verfickten Elfen, keine stinkenden Socken am Kamin. So soll es sein.

Leb wohl.

Ich aas:
1 Flasche Whiskey – die Nachbarin kauft immer den teuersten Fusel.

Hans Matla Wundersam

Geklemmte Weihnachtsflucht

So abstoßend meine Nachbarin auf der einen Seite auch ist, so bemitleidenswert ist sie auf der anderen Seite wieder. Zur Weihnachtszeit nämlich sitzt sie sehr oft am Boden vor der Glotze, springt von Sender zur Sender und sieht sich Kindersachen an. So herzige, dumme Filmchen mit Weihnachtsmännern und -bäumen, Schnee, Tonnen von Schnee, Christkindln, Geschenke, Zauber, Wunder, Sternchen, Glöckchen, Schlitten, Rentiere,… der ganze Weihnachtskitsch eben. Und da hockt sie dort, schaut mit großen Augen auf den Fernseher hoch und ist wie weggetreten. Manchmal klopfe ich ihr von hinten mit meiner Erektion auf den Kopf, um sie wieder zurückzuholen, aber das klappt nicht. Sie sitzt dann oft ein, zwei Stunden völlig regungslos da. Wenn ich sie dann später frage, was sie gemacht hat, schüttelt sie nur den Kopf oder zuckt mit den Schultern. Aber dann erzählt sie mir hin und wieder doch von ihrer Kindheit in einem Land, in dem alles Scheiße war und alles Scheiße ist.
Und ich sage dann zu ihr – so wie jetzt: „Mach mir doch ein bar Eingeklemmte, hm? Dann geht’s dir bestimmt wieder besser.“

Ich aas:
2 Eingeklemmte mit Schinken, Käse, Paradeiser und diverse Saucen

Morituri te salutant, Satan Klaus

Gestern war ich zwölf Stunden in der Anstalt. Weil, jaja! Weihnachten naht und auch in der Kugelschreiberbranche bereitet man sich darauf vor! Fuck!
Kugelschreiber mit Nikolaus drauf, mit Christkind, mit Satan Klaus, mit Glitterbäumen, mit Weihnachtslandschaften, mit glitzerndem Plüschaufsatz, mit Zimtgeruch,… es gibt unzählige Variationen.
Da fragst du dich, wie du das aushalten sollst! Zwölf Stunden diese Scheiße zu machen! Dem Gehirnkollaps nahe, die Armmuskulator entzündet, die Gelenke geschwollen. Viele der „Kollegen“ geben bereits nach wenigen Tagen auf.
Ich dagegen habe Tricks. Hin und wieder nehme ich so einen Kugelschreiber, baue ihn zusammen, langsam und aufmerksam… und zerbreche ihn danach! Mit einem Schrei! Steige mit dem Absatz drauf und zerstöre den Scheißkugelschreiber vollkommen. Das hält Kreislauf und Laune in Schwung. Dann gehe ich hinaus und rauche zwei Zigaretten, tratsche oder streite mit den anderen Arschlöchern eine Weile, starre die Weiber an. Stelle mir vor, wie ich die Anstaltsleitung mit den Weihnachtskugelschreibern kille, wie ich sie ihnen durch die Schädeldecke jage…
Und zum Essen bin ich gestern ins „Morituri Beisl“ gelatscht, Schnitzeltag. Dort unterhielt ich mich mit den Totengräbern. Wir begannen aufmunterndes Zeug durch das Wirtshaus zu schreien: „Scheiß Politiker!“ „Arschfinanzelite!“ „Die sollen zur Rechenschaft gezogen werden!“ „Einsperren und enteignen!“ „Arschloch EU!“ „Nieder mit Satan Klaus!“, das war ich.
Danach ging’s mir wieder besser.

Ich aas im „Morituri Beisl“ die Henkersmahlzeit:
1 Suppe
1 Schnitzel

D-Day 01 ohne sozialem Aufguß (XXL)

Das erste Türchen im Adventkalender ist offen. D-Day 01.
Spätestens jetzt solltest du dir im Klaren darüber sein, ob du Weihnachten ausfallen läßt oder nicht. Wenn nicht, dann wirds langsam Zeit Geschenke zu kaufen.
Für mich ist Weihnachten eine einfache Sache. Lebe ich doch zurückgezogen, ohne sozialem Aufguß. Werde ich eingeladen, dann sowieso nur von der Nachbarin – die übrigens während der Feiertage keine Freier empfängt.
Falls sie mich auch heuer wieder anfleht, mit ihr D-Day 24 zu verbringen, weiß ich schon, was ich ihr als Christkind verkleidet schenken werde: eine der wichtigsten Erfindungen der modernen Zivilisation, Socken mit aufgenähten Wochentagen.

Ich aas:
1 Glas Felix Sandwichgurken XXL mit Bauernhofgarantie
1 Apfel
1 Liptauer aus der Bäckerei
1 Käse

Der seelenlose Hüllentrip mit dem Kriegskind

Ich habe meinen Körper verlassen. Ich stehe neben dem Fleischklumpen, den man als Matla bezeichnet, und durch reine Gedankenübertragung befehle ich dieser nun seelenlosen Hülle, mit den Fingern auf die Knöpfe der Tastatur zu klopfen, um Blödsinn zu schreiben. Es ist ein Wunder. Jetzt weiß ich leider auch, wie die Frisur der Hülle von hinten aussieht. Es ist ein Wunder.
In diese neue Art der Transzendenz trat ich schon gestern ein. Gestern vormittag nämlich, nachdem ich aus dem Wochenendkoma erwacht war, befand ich mich bereits in einer Art Zwischenwelt. Halb tot und halb halbtot wandelte ich umernander, erblickte unaussprechliche Gegenden und sprach mit seltsamen Wesen. Unter anderem mit Satan Klaus, den ich schon letztes Jahr mit der Flak vom Himmel geholt und dann in einem postweihnachtlichen Ritual enthauptet hatte – schöne Grüße übrigens. Ich unterhielt mich aber auch mit dem ehemaligen Christkind und habe nun leider schlechte Nachrichten für dich: heuer kannst du das Christkind vergessen, heuer kommt das Kriegskind zu dir und den anderen Deppen. Du wirst keinen Weihnachtsbaum ins Zimmer gestellt bekommen, sondern einen Atomsprengkopf. Und jedes Päckchen, das am Boden liegt, ist ein kleines Büchschen der Pandora. Öffnest du auch nur eines davon, wirst du und die anderen Deppen elendig eingehen – aber, unter uns gesagt, das wirst du früher oder später sowieso, also gib dich keiner Hoffnung hin.
Mittags erging sich meine Hülle im Billa und kaufte ein. Ich selbst war nicht dabei, was sich auch im Ergebnis des Einkaufs zeigte. „Hüttentee“ hat die Hülle gekauft! Hüttentee mit Aromastoffen für Trauben-Rumgeschmack! Ekelhaft! Läßt man das Zeug jedoch in heißem Schnaps ziehen, schmeckt es erträglich. Am frühen Nachmittag ging die Hülle bald darnieder und nach einer langen Nacht in Fieberträumen und Wahnvisionen hockt die Hülle hier im Rattenloch und führt meine Befehle aus.

Zu essen befahl ich:
1 Mai-oh!-Näse-Salat
1 Kaffee
1 Gebäck

Gebackene Krankheiten aus den Wollanden

Es gibt nichts langweiligeres als Christkindlmärkte. Ich war am Wochenende auf dreien. Nicht absichtlicht, aber man braucht um diese Jahreszeit in Wien nur konstant in eine Richtung latschen, um einen Christkindlmarkt aufgedrängt zu bekommen. Ich nutzte die Gelegenheit und kaufte mir ein paar billige Tees, schüttete jeweils die Hälfte auf den Erdboden und füllte die Häferl mit kostbarerer Flüssigkeit aus dem Flachmann wieder auf.
Auf Christkindlmärkten wird nur Schrott verkauft. Einziger Höhepunkt war das Standerl einer bildhübschen Südamerikanerin, die allerhand Klumpert aus den Anden verkaufte. Ich befragte sie über ein paar Amulette, ob sie nicht ein Stück hätte, das Menschen im Allgemeinen fernhielt. Nein, das nicht, sagte sie, aber sie hätte ein Paar warme Fäustlinge zum Runterklappen. Okay auch gut, antwortete ich, und kaufte solch ein Paar. Ich bat sie noch um einen Schutzzauber gegen Menschen und andere Krankheiten und verabschiedete mich freundlich.
Danach stellte ich mich mit einem neuen selbstgemischten Tee in meinen mit den neuen Fäustlingen gewärmten Händen in eine Ecke und versuchte, in der Nase zu bohren. Die Fäustlinge hatten am äußeren Ende einen kleinen gehekelten Wollfaden, den ich mit der Nase einatmen konnte, um auslaufenden Rotz aufzusaugen.

Im Rattenloch aas ich:
1 gebackener Käse mit Sauce Tartare
1 Pago