Christnudlmarkt

Jedes Mal, wenn ich Nudelsuppe esse, muss ich an diese Weihnachtsgeschichte denken. Als die Nachbarin und ich auf einem Christkindlmarkt waren… weiß leider nicht mehr, welcher… es war aber hügelig und gatschig… na jedenfalls hatte ich damals die glorreiche Idee mit meinen sommerlich luftigen Stoffhalbschuhen dorthin zu  latschen. Nicht nur, dass meine Füße binnen kürzester Zeit batschnass und völlig unterkühlt waren, nein, der eine übernervöse Typ mit seiner Gastritis kotzte mir auch noch eine delikate Mischung aus Jagatee und Nudelsuppe drauf. Habe tagelang einzelne Nudelstücke aus den Schuhen gefischt, wobei ich mich immer fragte, ob ein Christkindl eine Nudel hat. Als der ständige Gestank im Vorzimmer der Nachbarin zu viel war und sie die Schuhe in die Waschmaschine steckte, lösten sich die dünnen Sohlen vom Stoff ab und das war’s mit meinen Schuhen.
Seither gehe ich nicht mehr zu Christkindlmärkten und wenn es denn wirklich sein muss, so nur in Gummistiefel.
Wollt’s nur gesagt haben.

Ich aas:
1 Nudelsuppe

Hu! Ha!

Ha! Was für ein Wochenende! Tausend Dinge sind geschehen! Schöne, lustige, schreckliche, traurige, geile, absolut katastrophale Dinge! Mann, wenn ihr nur wissen würdet, was da für Sachen gelaufen sind! Ich habe mich deppert gelacht, am Boden gewälzt, vor Lachen, vor Schmerzen, vor Wut! Und dann diese neuen Leute! Diese Frau! Dieser Habara! Und dann diese Explosion! Die Gummistiefelfetzen! Ha! Haha! Das blöde Gesicht vom Bürgermeister, den alle Burgerking genannt haben!  Wa… wa… Wahnsinn! Ein Höhepunkt nach dem anderen! Für die Nachbarin auch! Und auch der andere! Jawoll!

Ach! Mir hauts vor lauter Hüpfen das Essen wieder rauf, denn ich aas:
2 Kornspitz EKG

Hu! Ha!

So war’s und bin’s zufrieden

Also wirklich: während meiner Abwesenheit wird da ungeniert über meinen Schwanz gemutmaßt! Nun ja. Jetzt, da alle weg sind und es ruhig am Misthaufen geworden ist, kann ich ja wieder ungestört meine mittäglichen Ergüsse… nein, eine weitere unschuldige Formulierung, die zu anstößigen Kommentaren führen würde! Diese Leute, mit ihren schmutzigen Phantasien!

Ganz still und heimlich werde ich jetzt alle Auflösungen in Kurzfassung verraten: der Feuerwehreinsatz führte uns zu… irgendetwas, das brannte. Der Dominus stand mit Hochwasserstiefeln und Feuerwehrhelm in der Nähe in einem Bach und brunzte im Kreis. Ich warf einen Silvesterkracher nach ihm, der neben seinem Schwanz explodierte. Dann hörter er zu brunzen auf.

Der weibliche Androide, dem ich den Schwanz zeigen wollte, stand – bevor ich es tun konnte – auf und kam kurze Zeit später mit eingerahmten Auszeichnungen von Kampfsportwettkämpfen zurück, die in meinem Sichtbereich an der Wand aufgehängt wurden. Dann zog sich mein Schwanz dermaßen in meinen Körper zurück, dass ich nichts mehr herzeigen hätte können.

So war das, keiner wird’s lesen und ich bin zufrieden… und aas:
1 Weckerl mit EKG

So wars und bins zufrieden

Unkratzbares Jucken

Den ganzen Scheißvormittag hat irgendwas in der Wand geklopft, geritzt, geraschelt… ich meine, ich bin ja ein geduldiger Mensch… habe das Spiel lange mitgemacht und einfach weggehört… Beim Aufwachen die Decke über die Ohren gezogen, beim Pinkeln extra so gezielt, dass ich den Klodeckel treffe – er ist ein guter Resonanzkörper – den Kaffee laut umgerührt, daran laut geschlürft, dazu frische, knackige Chips gegessen, extra lange duschen gegangen – was eigentlich während der Woche nicht so meine Art ist – besonders gründlich meine Schamhaare geföhnt – mich mit der großen Bürste kräftig gebürstet – ja, kommt selten vor – dabei einige Haare ausgerissen, die Bürste gegen die Wand geschleudert, dem Spiegel eine gesemmelt, in die Küche gegangen, das schmutzige Kaffeehäferl in die Spüle geschossen, eine übrig gebliebene Sardelle aus dem Fenster fliegen lassen, mit dem Besen die Wand verdroschen, die Cowboystiefel mit den Stahlspitzen angezogen und solange gegen die klopfende Stelle getreten bis der rechte Stiefel aufgeplatzt ist, den anderen Stiefel ausgezogen und damit den Putz von der Wand geklopft… und dann war das Geräusch weg.
Und dann bin ich zum Billa.

Und ich aas:
1 Käseleberkäsesemmel

Unkratzbares Jucken

Der Kater, der mit der Propellermaschine nach Kaki flog

Tut mir leid, dass ich gestern nicht für dich da war. Aber ich bin erst am Nachmittag aufgewacht… in meiner eigenen Kotze. Ich ließ die letzte Nacht Revue passieren, um zu sehen, ob ich noch immer der war, an den ich mich erinnerte… ja, ok… alles schien soweit in bester Ordnung zu sein…. ich war beim Branntweiner gewesen… jede Menge bekannter Gesichter…. jede Menge bekannter Gespräche….ok… nur… naja, ich erinnerte mich nicht mehr an den Weg nach Hause…. aber… aber seltsamerweise hatte ich zweimal das Bild vor Augen, wie ich die Wohnungstüre aufsperre… und dass mir beim zweiten Mal etwas kalt war…. oje….
Ich stand taumelnd auf, zog mich an… das Gewand roch nach Bier, alten Tschick und Pisse… egal, ich wollte so zur Nachbarin raufgehen, sie würde die Sachen sicher gerne sofort waschen.
Als ich die Wohnungstür von außen ins Schloss fallen ließ, hörte ich sie schon. Sie, die Alte von gegenüber.
„Herr Matlaaaaaa, kann ich sie bitte kurz was fragen?“
Ich nickte nur mit dem Kopf, ich hatte Angst mir würden eventuell die Getränke von gestern aus dem Mund schwappen.
„Herr Matlaaaaa, was fällt ihnen ein, mitten in der Nacht, einen solchen Krach zu machen und auch noch in so einem Aufzug herumzurennen?“ Die Alte sah mich finster an. Ich machte ein armseliges Gesicht und zuckte nur mit den Schultern. Die Alte begann plötzlich zu grinsen und wackelte mit ihren Zeigefinger.
„Und dass sie dann noch unbedingt Flugzeug spielen mussten. Herr Matla! Also wirklich!“ Sie zwinkerte mir zu.
Oje, dachte ich mir, das verhieß nichts Gutes! Ich winkte der Alten freundlich und schleppte mich die Stiegen zur Nachbarin hoch.
Oben ließ mich die Nachbarin lachend in ihre Wohnung…
„Warum?“, sagte ich… wollte eigentlich sagen: „Warum lachst du so?“, aber ich musste aufs Scheißhaus kotzen rennen. Am Klo versuchte ich, meine Unterhose soweit nach oben zu ziehen, um mir damit den Mund abzuwischen… weiß auch nicht, was ich mir dabei gedacht habe…. dann ging ich erfrischt in die Küche, wo einige Töpfe dampften und allerlei Werkzeuge  herumlagen.

Nun, die Nachbarin klärte mich über gestern Nacht auf. Anscheinend bin ich, nachdem ich nach Hause gekommen war, in Cowboystiefeln, Bademantel und Sonnenbrille zur Nachbarin rauf geklappert (die Cowboystiefel machen beim Gehen enormen Krach) und habe ihre kleine Bar nach Alkoholika durchsucht. Dann wollte ich mit ein paar Flaschen wieder in meine Wohnung… die Nachbarin, die mit aller Kraft versuchte, mich von meinem Vorhaben abzubringen, bat mich nur, wenigstens den Bademantel zu schließen, denn ich hatte sonst nichts an. Aber lustig wie ich gestern war, habe ich Geräusche wie ein Propellerflugzeug gemacht und bin in meine Wohnung gewankt. Vor meiner Wohnungstür ließ ich dann noch meinen Schwanz Propeller spielen, um damit die Nachbarin zu grüßen, die mich vom Stiegenhaus aus beobachtete… was wohl die Alte gesehen haben dürfte…

Witzig… aber ist es nicht schön, wenn so ein altes, verkommenes Rauhbein wie ich weiß,  dass es immer in ein kleines, kuscheliges Nest zurückkehren kann, in dem eine Nachbarin wartet, die sogar manchmal etwas für einen armen, verkaterten Matla kocht und sein vollgerotztes Gewand wäscht?

Ich aas – und das tat dem Kater äußerst wohl:
4 Lammkeulen
1 Salat aus Granatapfel, Kaki (wichtig: Sorte „Sharon“, auch Sharona genannt), grüner Sellerie und Zitrone
1 Schüssel persischen Reis

Kaki, Granatapfel, grüner SellerieLammkeule

Flüchtlinge in der Strumpfhosenstadt

Irgendwo habe ich gelesen, Wien sei eine Stadt, die für Menschlichkeit, Toleranz und Weltoffenheit stehe. Mann, ich sag dir, Wiener zu sein, wird immer schwerer!
Du weißt, ich gehe viel spazieren… naja, man muss ja den Tag irgendwie rumkriegen… und die Zeiten, wo ich auch tagsüber in der Oben-Ohne-Bar rumhing, sind vorbei für mich… zuwenig Nachfrage ist schlecht für das Angebot… die Zeiten waren schon besser… wahrscheinlich die Wirtschaftskrise… aber bleiben wir beim Spazierengehen… ich fühle mich bedroht! Ja, bedroht! Und zwar von den Flüchtlingen! Immer öfter kommt mir so ein Flüchtling entgegengelaufen, ganz außer Atem, verschwitzt und abgehetzt, immer mehr werden sie, die Flüchtlinge… mit ihren dämlichen Strumpfhosen an den Beinen, den grellen Jäckchen… Kopfhörer in den Ohren, Handy umgeschnallt… und frech sind die! Wenn ich sie zur Rede stelle und frage, wovor sie davonlaufen, bekomme ich Antworten wie:
„I moch nur Sport, du Voitrottl! Laufen is g’sund!“
Was ist nur aus Wien geworden? Aus der Wiener Gemütlichkeit? Wo soll das hinführen? Ich bin dagegen!
Dann sehe ich ihnen nach, den Flüchtlingen, wie sie vor mir flüchten, in ihren Strumpfhosen, und denke mir, dass die Nachbarin und ich schon so viele Kisten mit Kleidung gespendet haben, aber scheinbar hat keiner den Flüchtlingen gesagt, dass die Strumpfhosen nur für Frauen sind… dann gehe ich so dahin und warte darauf, dass mir einer in Strapsen und Dominastiefeln entgegen hopst.

Ich aas:
1 Brot mit käsigem Aufstrich und Salami
1 Käse
1 Kronprinz Rudolf Apferl

Flucht in Strapsen

 

Bürotypen II

„Kollegin, vor der alle Angst haben“ – das ist auch so ein Bürotyp. Das sind Frauen, die dich ständig anschreien, aus welchen Gründen auch immer.
Da gibt’s zwei Untergruppen davon. „Der scharfe Zahn, vor dem alle Angst haben“ – trägt enge Hosen und hohe Stiefel, knackiger Arsch, muskulös. Von ihr niedergemacht zu werden läßt du dir gefallen, weil du dich in deine Rolle als kleines Söhnchen zurückversetzt fühlst. Wenn man diese Kollegin von Weitem kommen hört, dreht man lieber um und wählt den anderen, längeren Weg, nur um nicht in Versuchung zu kommen, ihr auf die Titten oder den Arsch zu gaffen – es könnte bei der nächsten Sitzung den Tod deiner Selbstsicherheit und deines Stolzes bedeuten.
„Die fette Sau, vor der alle Angst haben“ – schreit dich auch ununterbrochen an. Bei der läßt du dir das aber gefallen, weil du wirklich panische Angst um dein Leben hast. Wenn die dir am Gang wie eine überhitzte Dampflock entgegenpfaucht, springst du in die nächste Nische, um nicht zerquetscht zu werden. Pech, wenn dort grade der scharfe Zahn steht, vor dem alle Angst haben. Dann gute Nacht.

Ich aas:
1 Käsekornspitz mit Tomaten vom Anker