Alles gut, ne?

Im Juli war ich sozusagen auf Urlaub. Mich hatte da vor vier Wochen das Reisefieber gepackt. Meine Kollegin, die Krawallfotze, ging mir auf den Keks, völlig erledigt vom Nichtstun bzw. vom Tun als ob. Also sprang ich in der weißen Anstalt von meinem Stuhl auf und hüpfte auf den Gang, um mich umzusehen. Wem könnte ich wohl sagen, dass ich jetzt eine zeit lang weg sein werde. Ich schritt die Büros ab und fand die „Personalabteilung“.
„Klingt gut“, dachte ich mir, klopfte und betrat das Büro. Sofort sagte ich in den Raum  hinein, sodass mich alle hören konnten:
„Ich gehe jetzt vier Wochen auf Urlaub.“
Jemand, der sich angesprochen fühlte, antwortete:
„Matla. Das geht nicht. Sie haben alle Urlaubstage schon längst verbraucht. Sie sind sogar schon drüber!“
„Hm. Gut. Ich werd‘ trotzdem nicht kommen.“
„Das müssen Sie mit der Geschäftsführung klären.“
Eines der nächsten Büros: „Geschäftsführer“. Riss die Tür auf und drinnen saß einer, den ich noch nie gesehen hatte.
„Ich gehe jetzt vier Wochen auf Urlaub. Alles klar?“
„Aha, Matla. Das müssen Sie mit Ihrem Abteilungsleiter klären.“
Hatte keine Ahnung, wer oder was ein Abteilungsleiter war. Ging also in das Zimmer von Dr. Sowieso.
„Ich gehe jetzt vier Wochen auf Urlaub. Keiner hat etwas dagegen gesagt.“
Dr. Sowieso, der gerade telefonierte, hielt mit einer Hand die Sprechmuschel zu und sagte zischend und mit mich hinauswinkenden Gesten:
„Jaja, Matla. Gehen Sie! Verschwinden Sie!“
Und weg war ich.

Vier Wochen später – nach einer tollen Runde in Nordeuropa – aas ich in der weißen Anstalt – die Krawallfotze ist fort:

1 Mohnstriezerl mit EKG

Alles gut, ne?

Brunnhilde. Wächterin der guten Sitten.

Brunnhilde, die Wächterin über Zucht und Ordnung in diesem Misthaufenblog, hat wie immer vollkommen recht. Mit ihrem dezenten Wink. Was ist mit meinem Anstand passiert? Wie kann ich zu meiner werten und geschätzten Kollegin nur „Fotze“ sagen?
Ich gebe es zu. Meine Kraftausdrücke sind nur ein Hilfeschrei. Ich kann mich anders nicht meiner Kollegin erwehren! Schon unsere erste Begegnung hat mich völlig überfordert!
Es war letzte Woche Montags. Ich komme nichts ahnend in die weiße Anstalt, gehe vollkommen vom Wochenende erschöpft in mein Zimmer, wollte schon meinen Schwanz rausholen und in das Altpapier brunzen, als da die Kollegin saß. Einfach so! Keiner hat mir was gesagt!
„G… g… guten Morgen?“, fragte ich zaghaft das neue Gesicht.
„Morrng“, sagte die Kollegin bestimmt. Kräftige Stimme. Ohne mich anzusehen.
Und es dauerte nicht lange… vielleicht ein, zwei Stunden, da nannte sie mich schon einen blöden Schwanzlutscher. Ja, Brunnhilde. Vielleicht ist das alles bloß ein Missverständnis. Vielleicht war es falsch, dem Rauchen im Zimmer zu zustimmen… und dem Drogenhandel. Vielleicht sollte ich ein… naja, wie es jetzt so in Mode ist… ein Referendum starten. Ein Referendum für den… hm… Sexit. Ja! Mit einem schönen Slogan, der von den Dümmlingen im Büro nur so aufgesogen wird: „Jetzt Sexit! Raus mit der Fotze!“

Ach, ich aas und ließ mich beschimpfen:
1 Teller Schwanzlutschersuppe
1 Teller Reis mit Schwanzlutscherstücken

Schwanzlutschersuppe Reis mit Schwanzlutscher

Krawallfotze

Die Fotze, die sie in der weißen Anstalt zu mir ins Zimmer gesetzt haben,… naja… aber wenigstens haben wir den Raum zum Raucherzimmer erklärt. Mit Minibar und Drogencocktails. Ich rauche ja zwar quasi mehr oder weniger nicht mehr, aber alles andere bleibt Grundstock.
Die Fotze hat außerdem ein gutes Gespür für Geschäftsmöglichkeiten, was immer etwas Geld in die Kaffeekasse spült. Mittlerweile geht es im Zimmer ziemlich rund. Ein ständiges Kommen und Gehen. Illustre Gäste, begüterte Geschäftsführer und Junkie-Kollegen. Der Kaffeeabsatz nimmt von Tag zu Tag zu. Ich habe beobachtet, wie die Fotze diverse Pulver in den Kaffee mischt.

Gut. Das war doch für einen Montag eine ziemlich gerade Ansage, oder nicht?

Ich aas im Scheißhäuslrestaurant:
1 Teller mit ähhh Krawall

Fotze mit Krawall

 

Gottes ADSler

Hm. Habe ein scheußliche Nacht hinter mir. Wenig Schlaf, beschissene Träume. Ein Freund, den ich seit unserer Zeit in der Jugendanstalt für Komatrinker kenne, sandte mir nämlich sein zweiundreißigseitiges Geschreibe. Mit dem Titel „GOTT“. Habe damit im Bett vor dem Schlafengehen begonnen… und das raubte mir den nächtlichen Frieden. Nie, wirklich nie, zuvor habe ich etwas gelesen, das derart kompromisslos ehrlich ist! Niemals!
Diese zweiunddreißig Seiten sind ein Gebet. Ein Gebet eines Mannes mit ADS. Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom. Ein Gebet an Gott. Ein Flehen an Gott! Bitten um Hilfestellung im täglichen Leben, bitten um Unterstützung in zwischenmenschlichen Belangen, bitten um Gnade, bitten um Verständnis! Noch nie durfte ich so tief in eine Seele blicken. Leiden par excellence. Eindrucksvoll!

Ich dachte ja immer, ADS sei ein mehr oder weniger eingebildetes Problem schlecht erzogener Kinder, von Zappelphilippen, mit denen die Eltern nicht fertig werden… das tut mir leid. Nun bin ich klüger.
Gott schuf den Menschen nach seinem Vorbild. Gott hat ADS.

Ich aas im Scheißhäuslrestaurant:
1 Teller … äh… ich glaube, es hieß „Fakju“-Menü oder so ähnlich

Gott hat ADS

 

Wochenende in Jameson

Die Nachbarin weiß schon, wie ich funktioniere. Sie wollte scheinbar wieder ein Wochenende mit mir… aber eben ohne mich, wenn du verstehst, was ich meine… ich sollte zwar anwesend sein, aber nicht da. Die Nachbarin brauchte wohl Ruhe und Erholung, wollte aber nicht alleine sein. Deshalb hat sie mir am Freitag drei Flaschen Jameson gekauft… und… ja… und das war im Großen und Ganzen mein Wochenende. Trinken, einschlafen, trinken, einschlafen, trinken, einschlafen usw. Wenn ich aufgewacht bin, war immer die Nachbarin da. Meistens hat sie ferngesehen, sich dabei die Fußnägel lackiert, die Haare bearbeitet, Zeitschriften durchgeblättert und so Zeug. Sprach ich sie an, hat sie gar nicht reagiert… der Fernseher war scheinbar interessanter – aber da bin ich gar nicht böse oder so. Passt schon.

Und heute morgen in der weißen Anstalt hat mich einer gefragt, wie mein Wochenende war, was ich getan habe… ich brauchte auffällig lange, um eine Antwort zu formulieren… Whiskey macht deppert.

Ich aas:
1 EKG

Weekend in Jameson

Blub blub boing

Blub blub boing! Dieser Tag ist wie ein Eiterpickel geplatzt. Zuerst hat mir alles weh getan, war ganz rot im Gesicht, die Augen entzündet… dann sind widerliche Sachen aus mir heraus geronnen. Und das in der weißen Anstalt.
Das Scheißhaus hat hier keine Lüftung. Pech für die anderen.

Eintrag ins Gedankentagebuch: vielleicht sollte ich wenigstens einen Tag in der Woche „gesund“ leben… wie auch immer das gehen soll.

Ich aas:
1 Mohnweckerl mit EKG

blub blub boing

 

Zeitliche Probleme

Heute Früh habe ich in der weißen Anstalt angerufen und gesagt, dass ich nicht kommen kann. Auf die Frage nach dem Warum, sagte ich: „Zeitliche Probleme!“ Ja! Ich bin ganz aus dem Häuschen! Stell dir vor, eine arme Seele, die sich selbst „Zeitreisender“ nennt, geistert in der Vergangenheit des Misthaufenblogs herum und schickt Kommentare in die Gegenwart!
Nach kurzer Absprache mit meiner Psychoputze Dr. Arschloch…
Er: „Zeitreisen sind nicht, ich wiederhole, nicht möglich.“
Ich: „Idiot! Ich habe ja den Beweis vor Augen!“ Aufgelegt.
Ich… also… jedenfalls… ich muss ihm helfen! Aber wie? Aus den Kommentaren schließe ich, dass er in den Jänner 2017 reisen will. Und zwar nach Pforzheim. Warum will er das? Was ist im Jänner 2017? Warum bin ich dann in Pforzheim? Oder ist das nur eine Metapher? Meint er damit, dass ich im Jänner 2017 im Arsch bin? Will er mir etwas sagen? Weiß er etwas, das mein Leben verändern oder retten kann?
Ich versuche mit ihm zu kommunizieren, aber das ist fast ein Ding der Unmöglichkeit! Sobald ich ihm antworte, ist er schon um Wochen in der Zeit weiter… oder zurück!

Hm, langsam, langsam… Anal… Analyseprozess starten…
Bisheriges Auftreten der Anal… Anomalie:

  1. 24. August 2005
  2. 26. September 2005 (Kurze Kommunikation!)
  3. 11. Oktober 2005
  4. 27. Oktober 2005

Ist da ein Muster vorhanden? Wann wird sein nächstes Anal… Mal sein?

Ich aas:
1 Brot
1 Dose Jagdwurst (damit geht die Jagd nach dem Zeitreisenden besser)
1 Laberl Geheimratskäse
1 Flasche Tabasco

Zeitreisen sind möglich

Montagmorgengespräch

„Wir fahren jetzt in den dritten Bezirk.“, begann Dr. Sowieso, als wir im Auto saßen.
Ich antwortete nichts, denn ich war äußerst grantig drauf. Immerhin musste ich schon um 8 Uhr am Morgen in der weißen Anstalt sein und normalerweise stehe ich nicht vor 9 Uhr auf! Ich saß am Beifahrersitz und beschimpfte in Gedanken die Menschen, die so dumm waren und schon um diese Zeit auf der Straße herumirrten.
Um mich abzulenken, begann ich irgendwann unwillig ein typisches Montagmorgengespräch:
„Die Menschen sind eigentlich schon eine widerwärtige Spezies. Was da alles so ein Leben lang an Scheiße aus ihnen herausquillt. Ganze Häuser könnte man damit füllen. Ganze Städte! Stellen Sie sich das mal vor. Eine Stadt aus Scheiße! Wobei… wenn ich mich hier so umsehe… Wien ist eine Stadt aus Scheiße. Mit Menschen aus Scheiße. Die Scheiße wird nur von einem Ort zum andern geschaufelt. Vom Menschen heraus und in die Stadt hinein. Ein steter Fluß aus Scheiße… pure Scheiße… die Scheiße ist immer und überall…… besteht die Atemluft nicht auch schon aus Scheiße? Riechen tut sie jedenfalls danach. Soll ich mal das Fenster runterkurbeln? Damit die Scheiße hereinströmen kann? Damit wir ersaufen in Scheiße? Ertrunken in Scheiße! Was ist das für ein Tod? Ha! Aber was ist das auch für ein Leben? Ein Leben in Scheiße. Scheißleben! Ja, so kann man das nennen… und wofür leben wir? Um diese ganze Scheiße zu ertragen? Macht das Sinn? Ja! Wo ist da der Sinn? Wo ist der Sinn der Scheiße? Wenn wir da tagein tagaus in der Scheiße herumrennen… darin herumwühlen, uns darin laben. Was soll das? Ist das alles? Alles Scheiße?“
Nun wartete ich auf eine Reaktion von Dr. Sowieso, der ziemlich verbissen und finster am Steuer saß. Er blickte mich aus den Augenwinkeln an, sagte aber nichts. Ich wollte unser Gespräch nicht abreißen lassen, also fuhr ich fort:
„Ist ja egal. Eines steht fest: Scheiße ist es. Scheiße ist. Scheiße…“
Bis mir Dr. Sowieso endlich den Grund meines Mitkommens offenbarte.

Und das erzähle ich morgen.

Ich aas:
1 Mischmaschweckerl von Billa

Dr. Montag

Hektik ohne Frage

Superman sei dank! Diese Woche ist vorüber. Ich hatte kaum Zeit meinen Misthaufen hier zu pflegen! Und weiß du auch warum? Stell dir vor! Vor ein paar Tagen war ich wieder in der weißen Anstalt und da hüpfte völlig unverhofft so ein kleines, zusammengewichstes Manderl in meine Zelle. Es kam mit schnellem Schritte auf mich zu und sagte mit quietschender, aber lauter Stimme:
„Grüß Gott! Ich bin Dr. Sowieso. Der Chef hier.“
„Also der Oberarzt?“, fragte ich.
„Ich bin zwar Doktor, aber kein Arzt.“
„Also so eine Art Tierarzt?“
„Egal. Sie sind Matla. Und Sie werden mich nächste Woche zu Kundenterminen begleiten.“
„Na gut. Warum nicht?“
„Wollen Sie gar nicht die genauen Gründe wissen?“
„Nein.“
„Hervorragend! Montag acht Uhr geht es los.“

Und was dann passierte, erzähle ich dir am Montag. Ich muss jetzt  nämlich schleunigst zum Brandinesa. Die Partie wartet schon. Und die stellen auch keine Fragen.

Ich aas:
1 Topfenkuchen

Hektik ohne Fragen

Regungslos à la Zwinkern

Sie ist wieder da. Die Regungslose. An einem Scheißmontag in Scheißgesellschaft. In der Scheiß weißen Anstalt. Perfekt.
Ich habe meine Untersuchungen fortgeführt. Immer, wenn ich etwas Unerwartetes mache oder etwas, das ich zuvor nicht gemacht habe, sieht sie mich an. Aber nicht nur das! Wenn sie mich ansieht, senkt sie auch immer ungewöhnlich lange ihre Augenlider… ich trau mich fast nicht, das zu sagen… aber ich habe dabei jedesmal das Gefühl als würde sie mich fotografieren… obwohl… aus technischer Sicht müsste es ja genau umgekehrt sein. Also sie müsste die Augen erst dann öffnen, wenn sie mich fotografiert… außer… naja… vielleicht ist das Schließen der Augen ja so eine Art Schalter, der dann das Fotografieren erst auslöst.
Während ich diese geilen Drageekeksi a la Manner esse, habe ich mich dazu entschlossen, die Regungslose auf die Probe zu stellen. Sobald das letzte Drageekeksi verschwunden ist, werde ich aufspringen, mir die Hose runterreißen und mit meinen Schwanz vor ihrem Gesicht herumwedeln. Ich bin gespannt, ob sie dann nicht doch ein paar Mal hintereinander die Augenlider hebt und senkt… und ein bisschen hektischer als sonst. Ha!

Ich esse:
1 Packung abartig geile Drageekeksi Haselnuss à la Manner

Regungslos a la Zwinkern