Sport in der Closchüssel

So eine Beziehung zu seinen Schuhen muss reifen. Das geht nicht von heute auf morgen, einfach so, „schnipp!“ und man hat die neuen Treter akzeptiert, wie eine zweite Haut. Nein! Das musst du langsam angehen, mit Gefühl und Gespür.
Nach dem ersten Tag mit meinen neuen Sportschuhen, bin ich mit ihnen zuerst auf den Balkon eine rauchen gegangen. Schön gemütlich, habe dann draußen die Zehen eingerollt und wieder gespreizt, um mich in die ungewohnte Umgebung einzuleben. Habe mich von den Fußspitzen auf die Fersen abrollen lassen, bin auf den Fußkanten gestanden, dann wieder auf der ganzen Sohle, machte mir Gedanken darüber, ob ich nicht doch auch Socken tragen sollte und wenn ja, welche. Nylon, Baumwolle, weiß, schwarz, rot? Oder gelb?
Nach der Tschick habe ich meine neuen Sportschuhe wieder vorsichtig ausgezogen, die Schuhbänder glatt gestreift und sorgfältig eingerollt, und sie dann ins Regal gestellt. Danach bin ich noch ein paar Minuten vor ihnen stehen geblieben und habe mir vorgestellt, was sich wohl die Leute denken werden, wenn sie mich in diesen Schuhen auf der Straße sehen.
Ziemlich genau vierundzwanzig Stunden später habe ich meine neuen Sportschuhe dann zum ersten Mal auf die Straße gelassen. Schritt für Schritt bin ich mit ihnen um den Häuserblock gegangen. Habe dabei immer die Mimik und Gestik der entgegenkommenden Menschen beobachtet, um zu sehen, wie die neuen Schuhe ankommen. Die meisten reagierten angemessen respektvoll und zurückhaltend, sehr gut. Sehr oft musste ich mich jedoch über die Verunreinigungen des Gehsteigs ärgern. Was da alles an grindigem Auswurf der Menschheit herumliegt! Nicht nur einmal war ich genötigt, irre Haken zu schlagen, um Exkrementen und Sekreten auszuweichen! E-k-e-l-h-a-f-t! Wie kann diese Closchüssel von Wien nur zur lebenswertesten Stadt gewählt werden!
Letztendlich ging der Ausflug aber doch gut zu Ende. Meine neuen Sportschuhe und ich kamen heil und einigermaßen sauber, aber desillusioniert, nach Hause.

Ich aas:
2 Brot
2 Fetzen Extrawurst vom Kranzl

Engels, Marx und die Scheiße, die keiner wegräumen will

Da gibt es ja interessante Gedanken der Leserschaft zum gestrigen Auswurf zur Gesellschaft des 23. Jahrhundert.

Zum Beispiel Duck Vaders Vergleich mit dem Kommunismus. Ich kann nicht sagen, inwiefern sich hier die Konzepte des Sozialismus, Kommunismus, von Engels und Marx widerspiegeln. Fest steht jedoch wohl, dass so ein Gesellschaftsentwurf nicht nur teilweise umgesetzt werden kann, es müsste global und komplett umgesetzt werden… wobei hierfür natürlich noch wesentliche Voraussetzungen fehlen: die Replikatoren, die alles erzeugen können, was ein Mensch braucht. Außerdem ist es mit den Menschen momentan so wie Herr Johannes sagt – bzw auch Gandhi sagte:

Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier.

Brunnhilde wiederum macht sich Sorgen, wer wohl ihre Scheiße wegräumt und die Roboter repariert. Nun, ich kenne Altenpfleger, Behindertenbetreuer, die täglich mehrmals Ärsche putzen und Scheiße wegräumen, aber die kämen nie auf die Idee es sei erniedrigend oder ein Hindernis für Erfüllung im Beruf!
Klar, so wie das System heute ist, wenn wir einen das öffentliche Scheißhaus putzen sehen, denkt man sich: „Der hat nix glernt, kann nichts Anderes. Und bekommt bezahlt auch nix dafür, der Trottel!“ Und der, der das Scheißhaus putzt, weiß das: „Die Anderen sehen in mir den Trottel, der das machen muss.“  Aber in einem System, in dem jeder das gleiche verdient (nämlich nichts), wird das ganz anders sein. Wenn meterhoch der Dreck herumliegt, alle Clos zugeschissen sind, dann wird man diesen Leuten für ihre Arbeit dankbar sein, sie so schätzen wie einen z.B. Raumschiffkapitän. (Ganz abgesehen davon, dass es heute schon sich selbst reinigende öffentliche Toiletten gibt.)
Und warum sollte es keinen geben, der Roboter repariert. Nochmals: die Menschen wollen arbeiten, wenn sie das arbeiten können, was sie möchten!

Ich denke, wenn erst einmal dieses Statusdenken überwunden ist, wird vieles einfacher sein. Dann können Dinge erfüllend sein, die man heute noch als erniedrigend einstuft.

Los! Ich bitte um Gegenargumente, Bedenken, Beschimpfungen!

Ich aas:
2 Sandwiches mit Salami und Schimmelkäse

Scheißheislneurose

Ich bin ganz verschwitzt… müde, will schlafen… befriedigt… So gut war das Essen! Doch meiner schreiberischen Zwangsneurose muss Genüge getan werden. Also…

Bin nämlich in einem Scheißheisllokal gewesen. Ich nenne so Restaurants, die nicht größer als ein Scheißheisl sind. Das soll jetzt aber nicht abwertend klingen. Nein, überhaupt nicht! Denn das Essen in den Scheißheisllokalen ist das beste Essen überhaupt. Je kleiner die Auswahl, umso besser das Essen!

Ich aas:
1 Teller mit Fleisch, Reis und Salat – ägyptisch

Scheißhausneurose

 

Die Mistkübelraucher

Man nimmt sich ja eh schon immer Extratschick mit, wenn man irgendwo neu ist. Dann stellt man sich mit den anderen in das Raucherzimmer, ins Raucherstiegenhaus, in den Raucherhof oder ins Raucherclo und – inhalier, inhalier – ein paar Lungenzüge später hat man sich mit der halben Belegschaft angefreundet.
In der neuen Anstalt geht das aber so nicht. Es funktioniert einfach nicht. Ich versuche das jetzt schon den dritten Tag – oder ist es gar schon der vierte? Ständig auf der Lauer, ob nicht einer sein Zimmer verlässt, renne ich dann sofort hinterher in den Raucherhof. Leider – und ich sage das mit großer Wehmut – laufen dort die Dinge falsch. In diesem Hof steht in jedem Eck ein Mistkübel und neben jedem Mistkübel steht einer, der raucht. Gesenktes Haupt, den Blick aufs Handy gerichtet.
Heute habe ich zum aller letzten Mal versucht, mit so einem Mistkübelraucher Kontakt aufzunehmen. Es ist so sinnlos. Sie reagieren nicht oder nur widerwillig auf Annäherungsversuche. Gestern hat gar einer so getan, als müsste er sich plötzlich innigst um den Mistkübel kümmern, als er mich in seine Richtung latschen sah.
Jetzt scheiß ich drauf und hoffe, dass ich immer einen unbesetzten Mistkübel im Hof finde, an den ich mich wenden kann.

Ich aas:
2 Kornstangerl mit EKG

Die Mistkübelraucher

Satyr sei Papa

Guten Morgen im neuen Jahr. Ich bin aus dem Feiertagskoma erwacht… und… niemand freut sich.

Auf Grund des teuren Fusels, den mir die Nachbarin nun immer kauft, hatte ich dieses Weihnachten erstmalig das Vergnügen direkt unter dem Christbaum das Vollrauschkoma zu genießen… und nicht am Clotackerl wie sonst immer.

Neujahrsvorsätze: ich versuche, die neu entfachte Liebe der Nachbarin für mich auszunutzen und nur noch teuren Fusel zu trinken und teure Tschick zu rauchen.

Das neue Jahr begann bei mir mit einem Feuerwehreinsatz. Endlich eine Silvesterfeier nach meinem Geschmack. Und das war so:

Die Nachbarin wollte den Jahreswechsel bei Bekannten am Land über die Runden bringen und überredete mich, mitzukommen. Gleich zu Beginn machte ich mich unbeliebt… dabei dachte ich zunächst, auf Gleichgesinnte getroffen zu sein. Denn dort, wo üblicherweise der Hausaltar zu sein pflegte, stand ein Bild von einem eher dunklen Typen mit Wuschelkopf… und ich rief ganz enthusiastisch, als ich in das Zimmer eintrat:
„Geil! Ist das der junge Carlos Santana?“
Die Mine der Domina verfinsterte sich sogleich.
„Naaa, des is Satyr sei Papa!“
In meinem Gehirn begann es, sich ziemlich abzuspielen. „Satyr“, ok, griechische Mythologie, „sei Papa“… der Vater wessen? Welcher Satyr?… ich gab auf.
„Aha. Naja, ich kenne mich nicht so gut mit den Griechischen Göttersagen aus. Ich weiß, was ein Satyr ist…“
„Naaaa, hearst! Das – ist – Sathya – Sai – Baba! Nu nix gheart vo eahm?“
Ich ließ mir das erklären. Sathya Sai Baba ist angeblich ein indischer Pfarrer oder so.

Nun, wie es weitergeht, erfährst du nächste Woche.

Ich aas:
1 Brot mit Leberpastete von Inzersdorfer

Sathya Sai Baba

Das Problem der Hirnlosigkeit mit dem Gehirn

Ja, gute Frage: wie komme ich jeden Tag auf neue hirnlose Sachen?

Das ist eigentlich ganz einfach. Erstens hat sowieso mal Bob recht, wenn er sagt, dass es am gesunden Essen liegt. Was glaubst, wie ich rumhängen würde, wenn ich jeden Tag den gestern besprochen Batz und Schlatz essen würde. Eben genauso!
Außerdem: sieh dich um! Die Welt ist voll von hirnlosen Sachen!
Je nun, ich meine, da gibt es aber auch viele hirnlose Sachen, darüber zu schreiben, ist die Tinte nicht wert. Zum Beispiel warum es noch immer nicht normal ist, Müll zu trennen oder warum kaufen so viele Leute nachhaltig ein, fahren aber mit dem Auto zum Supermarkt? Oder die Politik! Ein einzige große hirnlose Sache. Die soziale Ungerechtigkeit… also lauter Dinge, die absolut hirnlos sind, sich aber scheinbar nicht ändern lassen.
Da macht es doch viel mehr Spaß, darüber zu schreiben, warum ich glaube, dass der mein neuer Nachbar Wulliwu Leichen in seiner Wohnung seziert. Oder… warum geht die alte Schachtel von Tür Nummer 1 immer rückwärts in ihre Wohnung? Wieso redet die Billakassiererin aus der Steiermark so besonders gerne mit mir? Und warum so laut? Oder wieso steht mein Fahrrad nach 17 Jahren noch immer unbewegt im Hof am selben Platz? Interessiert es niemanden? Wieso ist es am Clo immer wärmer als im Wohnzimmer? Hängt das mit dem Clofenster zum Lichthof zusammen? Und ist es nicht bewundernswert, dass im Lichthof das Laub von unten nach oben segelt? Was befindet sich am Grund des Lichthofs? Niemand hat ihn bis jetzt erforscht. Was verbirgt man dort? Und so geht es den ganzen Tag in meinem Schädel zu und es findet kein Ende. Und nur ein kleiner Teil davon findet den Weg in diesen Misthaufenblog.

Ich aas Inspiration pur:
1 Apfel Kronprinz Rudolf
1 Flasche Tabasco
1 Dose Leberaufstrich von Inzersdorfer (die ich für den eigentlichen Stoff halte, aus dem die Träume sind)

Hirnloser Strom

Zu alt für Vanillekipferl?

Die Nachbarin ist zu alt für mich. Ja, ich muss es sagen. Jetzt ist es soweit. Weißt du, was passiert ist? Ich sitz bei ihr in der Wohnung oben, plötzlich fängt sie an:
„Matla, wer ist klüger, meinst du? Du oder der Staubsauger?“ Sie hat so einen Roboterstaubsauger, der von selbst herumfährt und die ganze Bude abgrast.
„Wie soll ich das verstehen?“ Ich weiß allerdings schon, worauf sie hinaus will.
„Naja, wenn ich dem Staubsauger sage, dass er die ganze Wohnung saugen soll, dann schafft er das. Er saugt jeden Quadratzentimeter. Wenn ich es dir sage, saugst du nur die Wege, die du in der Wohnung am häufigsten gehst. Also vom Bett zum Klo und wieder zurück. Deshalb meine ich, dass der Staubsauger klüger ist als du.“ Sie schaut mich mit erhobener Nase ganz provokant an.
„Ja, das kann schon sein, dass dein Scheißroboter klüger ist als ich. Aber nur, wenn es ums Saugen geht.“ Mir gefallen diese Gespräche mit der Nachbarin. „Sonst ist dein Scheißstaubsauger allerdings ein Volltrottel. Kann er z.B. ins Clo wichsen? Kann er das? Ich kann das. Ich kann ins Clo wichsen.“
Die Nachbarin verdreht die Augen.
„Weißt du, Matla. Ich bin dafür schon zu alt… deine ordinären Aussagen… das ist alles so… ordinär.“
„Was heißt da ‚ordinär‘? Und sowieso! Was heißt da ‚Aussagen‘? Und überhaupt! Ordinär? Ich?“
Die Nachbarin, musst du wissen, ist eine Hure… ich werfe ihr das aber nie vor… es ist ja eigentlich der Hauptgrund, warum wir, mehr oder weniger, zusammen sind.
Also habe ich mir was zum Essen aus dem Kühlschrank genommen und bin in meine Wohnung gelatscht. Ich aas hier bei mir:

1 Aufstrich
1 Brot
1 Käse

Zu alt für Vanillekipferl

Ja, aber auch:

1 Dose Vanillekipferl, die die Nachbarin am Wochenende für mich gebacken hat

Ganz geile Vanillekipferl

Darum gehe ich danach wieder zur Nachbarin rauf. Denn was, frage ich dich, ist wichtiger? Ins Clo wichsen können oder eine Dose Vanillekipferl? Mir sind mittlerweile die Vanillekipferl wichtiger.