Jägerdienstag

Wenn der Dienstag auch nicht besser ist als wie der Montag, dann ist das dem Matla sein bitteres Los.
In der weißen Anstalt war wieder wenig los. Als ich am Morgen die verhassten Räumlichkeiten betrat, lag ein Typ auf dem Empfangstresen. Blasses Gesicht, kurzatmig. Zuerst dachte ich an eine Zombieapokalypse, gab die Hoffnung aber auf, als er die Augen öffnete.
„Müssen Sie mir so ins Gesicht atmen?“, fragte er mich mit gefurchter Stirn und drehte mir den Rücken zu.
Ich latschte in meine Zelle und sah mich kurz um. Keine Schlafgelegenheit weit und breit! Danach inspizierte ich die Damentoilette. Fand aber nur eine gelangweilte Putzfrau, die in der Nase bohrte. Sie saß in einer Scheißhauskabine auf dem Clodeckel, Tür offen. Um die Situation zu entschärfen, begann ich hilflos ein Gespräch.
„Guten Morgen“ – ohne Augenkontakt, um ihre Privatsphäre nicht zu stören. Die Putzfrau grunzte nur und warf die Tür zu.
„Das war auch schon mal besser“, dachte ich bei mir. Überlegte kurz, wieder nach Hause zu gehen, aber dann traf ich auf Harald. Wir gingen in den Hof eine rauchen. Harald ist eine angenehme Begleiterscheinung in der weißen Anstalt. Er ist stumm… oder spricht nicht so gerne. Nach zwei Zügen schmiss ich den grauslichen Tschick weg, klopfte Harald mit einem entschlossenen Adieu auf die Schulter und rettete mich nach Hause.

Ich aas daham Reste der Nachbarin:
1 Teller Jägerschnitzel, ohne Schnitzel

Speib- und Sievertzombie

Apropos Zombie. Da gibt’s was, das ich diese Woche schon zum dritten Mal lese:

Wenn ein Mensch in kurzer Zeit konzentriert einer Strahlung von 1.000 Millisievert ausgesetzt ist, entsteht bei ihm eine Strahlenkrankheit mit Kopfschmerzen, Übelkeit und eventuell Blutarmut.

Ist die Strahlenkrankheit bei 1.000 Millisievert sowas wie ein mittelmäßiger Kater nach Suff und Schlägerei? Vielleicht sollten die das Scheißatomkraftwerk von Berufsalkoholikern ausräumen lassen, die würden sich dabei nicht so viele Sorgen machen.

Jedoch, was Atomkraft betrifft, war ich ein blauäugiger Idiot. Das muss man sagen. Ich dachte immer, man muss nur schauen, dass nichts heiß- oder ausläuft. Und wenn’s mal kritisch wird, schaltet man das Ding einfach ab und das war’s dann. Wie bei einer Kerze. Flup. Aus. Aber keine Sau hat mir gesagt, dass da Vorgänge ins Rollen geraten, die einfach niemand mehr aufhalten kann! Dass diese Brennstäbe einfach immer weiter glühen und man sie gar nicht abschalten kann!
Ich sag dir, Zombies sind stark im Kommen! Die werden bald wieder in sein.

Ich aas:
1 französisches Laugenstangerl von Anker
1 Krapfen von Anker

Schreibzombie

„Zwing mich nicht dazu.“, hab ich zur Nachbarin gestern gesagt. Und sie ist auf meinen Schoß gesprungen und hat mit ihren Arsch gewackelt.
„Komm schon, Matla. Ist ja nur das eine Mal.“ Und ich hab wie ein Volltrottel gegrinst und „Na gut“ gesagt und: „Ich werde wie ein Zombie sein.“
Sie hat mich dazu gezwungen um 6:00 Uhr aufzustehen. Kein Wunder, dass es auf dieser Welt so viel Mord und Totschlag gibt. Wie soll man etwas anderes als puren Hass empfinden, wenn man so zeitig aus den Federn muss? Selbst jetzt noch sitz ich blutleer da und meine Finger bewegen sich wie von selbst über die Tastatur.
Da fällt mir ein, vielleicht habe ich noch nie irgendwas selbst geschrieben? Vielleicht bin ich ja nur ein Schreibzombie und werde von Jack the Ripper oder Balu den Bären aus der Hölle heraus gesteuert?

Ich aas:
1 Croissant mit Ei und Schinken

PS: JA, verdammt! Balu der Bär brät in der Hölle!

Weißer Engel – Abgesang

Ich stand vor dem Anstaltsleiter, er sprach von Deadend und Verzug.
Da sah ich sie hinten am Fenster, sie schwebte herab, strahlend
mit Zähnen aus Plutonium, sie ist ein weißer Engel, mit sechs Titten.

Ich stand vor dem Anstaltsleiter, verstand kein Wort.
Sie lächelte, mit ihren Zähnen aus Plutonium und hauchte zart
bitter wie damals, als ich sie zum ersten Mal sah, im Reaktorkern.

Ich stand vor dem Anstaltsleiter, wollte ihm ins Gesicht furzen.
Doch sie sandte ihren Segen aus Cäsium durch ihn hindurch.
Wie mit Gottes Finger durchs arschnasse Clopapier.

Ich stand vor dem Anstaltsleiter, aber er nicht mehr vor mir.
Oh, Jesus, ich reierte auf den Tisch, sei nicht traurig,
es war nur das Material des Strahlentodes, mit etwas Eiter.

Ich stand vor dem Strahlenengel, sie sagte ‚Strahlemann‘.
Kann sie nicht riechen, kann sie nicht schmecken, kann sie nicht mal.
Nur laufen. Die Beine verbrennen, die Seele leuchtet, grün. Oder gelb.

Ich aas, der Engel in mir:
1 Atomspitz mit Salat

Ferdinand, der kretische Hühnermeister

Und so kam ich zu Ferdinand, meinem griechischen Freund, Bauer und Meister. Ich erzählte ihm von meinem Gespräch mit der Zombieziege. Er lächelte und sagte, es gäbe nur noch eines zu tun. Seinen Bart glatt streichend führte er mich in seinen verdreckten Hühnerstall, kaum mehr als ein einfacher Verschlag.
„Welches Huhn gefällt dir am besten, mein Freund?“, fragte er mich.
Ich sah mich um.
„Nunja, die sehen ja alles aus, als würden sie bald den Hungertod sterben. Aber…. das dort! Das mit dem eitrigen Auge!“, antwortete ich.
„Töte es!“
Ich kratzte mich am Kinn und sagte:
„Gut, hast du eine Waffe?“
„Ohne Waffe. Mit deinen bloßen Händen. Los, töte das Huhn!“
Ein seltsames Gefühl kam in mir hoch. Noch nie hatte ich ein Tier mit bloßen Händen getötet (außer natürlich Fliegen, Gelsen, Spinnen und Katzen). Ich verwendete für das Erlegen größerer Tiere ausnahmslos Schwerter, Motorsägen und Schußwaffen. Ich zweifelte. Mein Leben stand am Scheideweg.
„Ich lasse euch allein.“, flüsterte Ferdinand und verließ den Hühnestall.

Ich aas heute:
2 Brote
2 Eckerkäse
1 Geheimratskäse
2 verschiedene Gewürze – Ferdinand hatte mir 2 kleine Pflänzchen mit auf den langen Weg nach Österreich gegeben.

Zombiekrikri

Ich wandle etwas verloren in der Wohnung herum. Taste mich von Wand zu Wand, suche nach dem Ausweg. War wohl zu lange auf Kreta.

Auf Kreta jedenfalls stammelte ich eines Tages auf den Felsen herum. Eigentlich ohne Ziel, wollte nur sehen, was los ist. Dazwischen fand ich plötzlich ein verendedes Kri-kri. Zahllose Fliegen schwirrten herum, Getier kroch auf und in der toten Wildziege. Ich hockte mich neben das Ding und beobachtete das Getümmel. Stellenweise sah man schon den Schädelknochen durch das fleißig abgetragene Fleisch, das leblose Auge würde wohl bald nicht mehr in den Himmel schauen. Ich nahm einen Ast und stocherte etwas lustlos an dem Kadaver herum. Auf einmal begann das tote Kri-kri mit mir zu sprechen:
„Hol mich hier weg, Wandersmann! Nimm mich mit, nimm mich mit in deine Hütte! Zerteile mein Fleisch, räuchere es und iss es! Lass mich nicht hier so verenden, von aasfressendem Getier bis auf die Knochen gequält, stinkend und wertlos!“
„Das geht aber nicht, liebes Kri-kri.“, antwortete ich und erzählte dem toten Tier, von meinem österlichen Krenflash vor zwei Jahren. Damals, als es über mich kam und ich beschloss, kein Fleisch mehr zu essen. Wie ich einerseits zwar durch eifriges mentales Training die ohnehin bereits schwache Tötungshemmung gegenüber Menschen endgültig abbauen konnte, andererseits aber keine Tiere mehr töten konnte. Zuviele Gründe gab es an Menschen, zuwenige bei Tieren. Ich erzählte auch, wie ich heuer, genau zwei Jahre nach Beginn meines Vegetariersdasein, beschloss, damit aufzuhören. Ich hatte es versucht, es würde gehen, doch warum nur das eine? Warum auch nicht das andere? Langsam begann ich wieder Fleisch zu essen, doch mit etwas Grauen und Unsicherheit.
Das Kri-kri antwortete nicht mehr. Ich stupste es mit meinem Ast am Auge, doch es kam keine Reaktion. Ich stand auf von meinem Felsen und ging. Ich wußte nun, was zu tun war. Ich würde zu meinem griechischen Freund, dem Bauern, gehen und ihn um einen letzten Gefallen bitten.

Ich aas:
1 Knackwurst
2 Brote mit Leberstreichwurst und Kren
1 Käse

Die wandelnde Fabrik

Wenn ich auf den Clodeckel steige und aus dem Häuslfenster schaue, liegt sie vor mir, die alte Fabrik. Sie ist nicht groß, nur eingeschossig, schönbrunngelb, ein schmaler Schornstein, der wie ein hinniger Beidl dahängt, steht einsam darauf. Schon lange ist die Fabrik verlassen, nur mehr Ratten und Katzen verrichten darin ihr Geschäft.
Sooft ich am Clodeckel stehe, mit letztem Atem das Fenster aufreisse und gierig die Frischluft einsauge, ist die alte Fabrik für mich die letzte Bastion der Menschlichkeit. Dahinter drängen sich bereits die Betonbunker, dicht an dicht, voll Zombies. Näher und näher kommt das Grauen der Zivilisation, will mich erdrücken.
Gestern beobachtete ich einen Herren in Anzug, der zuerst Steine auf die Fenster warf und dann das verschlossene Fabrikstor eintreten wollte. Ich fragte ihn: „Brauchst einen Schlafplatz?“ Er antwortete: „Leck mich.“ Heute klettern auf der alten Fabrik ein paar Bauarbeiter herum, zerlegen das Blechdach, springen nicht grad zimperlich mit dem Gebäude um. Werden sie es niedermachen? Wird mir ein Betonklotz vors Clofenster geknallt?
Man wird sehen. Vielleicht werde ich die Fabrik besetzen, wenn sie mit den Maschinen kommen, vielleicht werden sie mich gar nicht bemerken und vielleicht werde ich mit der Fabrik vergehen.

Ich aas:
1 Brot
1 Liptauer
1 Käse
1 Kronprinz Rudolf

PS: auch mein Bildschirm vergeht.