Lehre sprichwörtlich herausgequollen

Beim Billa war heute wieder der Lehrling an der Wursttheke. Das Belegen des Gebäcks funktioniert mittlerweile schon ganz gut, er merkt sich auch alles auf einen Schlag. Ja. Schön, wenn es Entwicklung gibt auf dieser Welt. Das Einzige, das noch verbesserungswürdig wäre, ist das Einpacken. Der Lehrling macht das immer noch eher so, als würde er ein Stück Papier zerknüllen. Ich hatte schon Angst, die Essiggurkerl quillen jeden Moment hinten und vorne aus meinem Weckerl heraus… aber das wird schon. Wie heißt es so schön? Geduld ist die Gelse in der Marmorkiste.
Beim Zurückgehen zur weißen Anstalt dachte ich mir, wenn ich damals auch eine Lehre gemacht hätte, würde ich heute wenigstens wissen, welchen Beruf ich ausübe, könnte meine Tätigkeit in Worte fassen, irgendetwas Sinnvolles in das Feld „Beruf“ auf Formularen schreiben. Dann wäre mir klar, was ich zu tun hätte, wenn ich auf meinem sogenannten Arbeitsplatz sitze. Aber so? Naja, wie heißt es so schön? Der Job steht vor dem Morgen, wenn heute du schon kannst gehen.

Ich aas nachdenklich:
1 Apfel Topaz
1 Mohnflesserl mit EKG

Lehre sprichwörtlich herausgequollen

Dienstag. Nicht anders als gestern.

Bin wieder mit Dr. Sowieso unterwegs gewesen. Auf der Alserstraße haben wir kurz gehalten. Mit Parkplatz Glück gehabt. Zwei Kübel Reis mit Sauce geholt. 3,50 pro Kübel. Guter Preis.
„Zahl du, Matla.“
„Sicher net. Du zahlst!“
Während Dr. Sowieso zum Bankomaten lief, rauchte ich einen Tschick vor der Reisbude. Nachdem die Verkäuferin alles eingepackt hatte, stellte sie sich zu mir und schnorrte mich um einen Tschick an. Meine Zünder waren alle, darum zündete ich ihre mit meiner an.
„Scheiß Hockn, aber gutes Essen. Stimmts?“
Sie seufzte und inhalierte lang und tief.

Ich aas:
1 Kübel mit Reis und Sauce

Dienstag. Nicht anders als gestern.

Freiheit

Heute, als ich die weiße Anstalt betrat, passte mich Dr. Sowieso ab.
„Matla! Gut, dass Sie kommen. Herr XY will mit Ihnen sprechen.“
„Aha“, sagte ich mit dunkler Morgenmiene, „Und wer soll das sein?“
„Na, der Chef!? Geschäftsführer! Habe ich Ihnen schon zwei Mal erklärt. Kommen Sie gleich mit mir!“
Gut, wir gingen also in irgendein Zimmer, in dem ein Typ mit rotem Kopf und einer… also…. einer echt… also einer echt…wie soll ich sagen… ja, einer echten Schweinsnase im Gesicht saß. Die schiarche Sau murmelte irgendwas und zeigte auf die Stühle ihm gegenüber. Dr. Sowieso und ich setzten uns. Und gleich gings los. Die Schweinsnase begann zu reden und zu reden… du weißt ja schon, wie das bei mir läuft. Hirn-Mund-Polarität
Aber heute versuchte ich wirklich, dieser Sau zu folgen, zu verstehen, was er von sich gab, es zu begreifen, zu erfassen. Wirklich! Jedoch… ergebnislos. Schon bald schweiften meine Gedanken ab und ich begann, seine verschissene Visage zu beobachten, versuchte, etwas Schönes darin zu entdecken. Auch das ergebnislos.
Dann musste ich grinsen. Mir fiel nämlich eine Textzeile eines Songs ein, den ich in den letzten Tagen zufälligerweise an verschiedenen Orten gehört hatte. Diese Zeilen schwirrten die ganze Zeit in meinem Kopf herum:

Freedom’s just another word for nothing left to lose
Nothing don’t mean nothing, honey, if it ain’t free

Jaja, so ist das. Danach konzentrierte ich mich wieder auf die Sau. Sie kam mir jetzt noch hässlicher vor. Der Kopf jetzt tiefrot, wie eine Kirsche fast. Lustig.
Auf einmal hörter die Sau auf zu reden und zu gestikulieren. Er blickte mich irgendwie… krank… oder ärmlich, erbärmlich an. Er tat mir ja geradezu leid.
Ich wandte mich zu Dr. Sowieso und sagte:
„Ich hab‘ kein Wort verstanden. Was hat er gesagt?“
Die Sau sprang vom Sessel hoch, sodass dieser umkippte, und rannte wie abgestochen aus dem Raum.
Dr. Sowieso kicherte.
„Gut gemacht, Matla. Entweder sind Sie Ihren Job los oder es ändert sich genau gar nichts.“

Gut, auch recht. Ich aas:
1 Plastikverpackte Kornsemmel mit Inhaltsstoffen von Billa

Freiheit

Nasisches Kreta

Auf Kreta läuft die Zeit noch anders. Verbrechen ist beinahe nicht vorhanden – die Insel ist zu klein dafür. Das Vorhandensein von Verkehrsregeln wird zwar akzeptiert, doch alle Dinge, die das Leben in egal welchem Bereich verkomplizieren, sind der Mühe nicht wert – es ist zu heiß dafür. Man sieht die Notwendigkeit des Geldverdienens ein, man hat in der Regeln mehrere Jobs – doch die körperliche Anwesenheit muß genügen, um bezahlt zu werden.
Es gab einen Streik, während ich auf Kreta war – die Transporter legten ihre Arbeit nieder. Treibstoff war bald Mangelware. Da mein Benzin zu Ende ging, versuchte ich es auf einigen Tankstellen. „Fahr einfach nach Hause, Junge. Und bleib dort, bis der Streik wieder zu Ende ist.“, sagten mir die Tankwarts, schulterklopfend und lächelnd.

Und nun sitze ich wieder hier, gequält von der Kugelschreiberbranche. 99% aller Emails, die ich in den Wochen meiner Abwesenheit erhalten habe, waren zu löschen. Ein Email hingegen erfüllt mich mit aufgeregter Neugierde. Ich als Herrscher über Umamatlarumma werde zum ersten Male offiziell staatsbesucht! Der Herrscher über Noseland, König Bruno, der erste und letzte von Noseland, kömmt! Pläne müssen gemacht werden, Gedankenstricke gesponnen werden!

Ich aas:
1 Apfel
2 Brot mit Krakauer und Meionäse
1 Käse

Trotzdem besser als in Algerien

Endlich daham. Raus aus dieser verdammten Hose! Die habe ich schon seit Sonntag an.

Ich habe eben erst mit einem alten Bekannten telefoniert. Der hat mir damals in Algerien den Umgang mit dem Samuraischwert gezeigt. Er ist ausgestiegen. Zuviel Blut, zuviel zurückgehaltene Tränen, wie eine Nutte verkauft werden, dreckige Jobs, halbe Kinder, die viel zu jung ins Gras beißen.
Ich hab ihm erzählt, wie es mir geht: ich beiße nicht ins Gras, ich rauche es, ich werde nicht wie eine Nutte behandelt, verstehe mich aber gut mit ihnen, eher zuwenig Blut im Gehirn, dafür ständig verschleimte Augen. Er hat verstanden und gelacht. Und kommt nach Wien.

Ich muß mich verstecken.

Im Kühlschrank wieder gähnende Leere und kein Geld, um sie zu beseitigen. Darum esse ich Aas:
1 Brot und Toastbrot
1 Ziegel Emmenthaler

Die Sandler in Marias Bar

Als altes liegehaftiges Sabbermanderl ohne Zähne (und schon lange impotent) mache ich mir natürlich Sorgen um meine Zukunft. Da kamen mir die Nachrichten in den Kommentaren von gestern sehr recht: die Meldemannstrasse, das ehemalige Sandlerheim, wird zum Seniorenschlössel Brigittenau umgebaut! Werde ich letztendlich dorthin zurückkehren, wo alles begann?

Ich erinnere mich an damals, an meine erste Zeit im zwanzigsten Wiener Gemeindebezirk! Als ich nach dem Häfen dort wohnte und einen Job suchte, bekam ich ihn in „Marias Cafe“ – einem kleinen Lokal gleich ums Eck. Das Geschäft ging bei der nahegelegenen Maria, einer ehemaligen Hure aus Ungarn, sehr gut und ich war ihr Kellner! Die Insassen des Männerwohnheims konnten nicht weit gehen und so verpulverten sie bei Maria Monat für Monat das bißchen Geld, das sie vom Staat erhielten.
Ich mußte mir dort einiges gefallen lassen! Sie kackten regelmäßig das Lokal voll, von Pisse ganz zu schweigen. Maria war das alles herzlich egal, denn sie lebte sehr gut von den Sandlern und putzen mußte ich. Aber keine Angst. Mein Trinkgeld besorgte ich mir schon, indem ich die komplett besoffenen Sandler ausraubte.
Ein Jahr später begann ich dann mit dem Taxifahren, das auch nicht unerwähnt bleiben soll.

Ich aas heute:
1 in Wasser aufgeweichtes Stück Brot

Berufliches

Gestern Abend mußte ich mit der Nachbarin über Berufliches diskutieren. Du kannst dir sicher jetzt schon denken, daß sie nichts kapiert hat.

N:“Bist du arbeitslos?“
m:“Was glaubst du, wo ich jeden Tag hinfahre? Hm? Ich fahr ja nicht zum Spaß herum.“
N:“Jaja, du erzählst jedem, daß du in irgendeiner Kugelschreiberbranche arbeitest. Das ist doch Blödsinn!“
m:“Kein Blödsinn. Ich arbeite…… äh…. Ich forsche eigentlich…“
N:“Aha. Du forscht also. Und was genau forscht du? Ha, Herr Forscher.“
m:“Ich forsche an einem Laserkugelschreiber.“
N:“Und was soll das sein?“
m:“Wie der Name schon sagt. Ein Kugelschreiber, der nicht mit Farbe schreibt, sondern mit Laser.“
N:“Braucht kein Mensch.“
m:“HERRGOTT! Was bist du rückständig! Braucht kein Mensch! Ha! Ich sag dir was. Überleg mal. Wer hat das Rennen gewonnen? Der LCD- oder der Plasmafernseher?“
N:“Was weiß ich? Was soll das? Was interessieren mich Fernseher?“
m:“Der Plasmafernseher hat gewonnen. Und warum hat er gewonnen? Wegen der Sciencefictionliteratur!“
N:“Du spinnst ja!“
m:“Die Sciencefiction beeinflußt das Kaufverhalten der Lemminge sehr stark, auch wenn Versager, wie du, das nicht einsehen wollen.“
N:“Was hat das mit Fernsehern oder Kugelschreibern zu tun?“
m:“Gibt es eine LCDkanone? Nein. Es gibt aber Plasmageschütze! Also kaufen alle Leute viel lieber Plasmafernseher, weil das Zukunft hat! Weißt du? Das ist unterbewußt so!“
N:“So ein Stuss!“
m:“Kein Stuss! Wer wird gewinnen? Tintenstrahl- oder Laserdrucker? Laserdrucker natürlich! Hm? Logo? Wie würde das wohl in einem Roman klingen: ‚Hände hoch, du Scheißroboter, sonst knall ich dich mit meiner Tintenstrahlpistole ab!‘ Hm? Wie klingt das?“
N:“Naja, weiß ich nicht.“
m:“Ja, so ist das. Du verstehst es nur nicht. Das ist dein Problem! Und deshalb forsche ich an einem Laserkugelschreiber.“

Siehst du, was ich meine? Mit der Frau kann man sich nicht vernünftig unterhalten.

Ich esse im Rattenloch in der Cantina:
1 Fleischlaberl, Kartoffelmatsch mit Senf und Ketchup
1 Birne
1 Flasche Römerquelle Jostabeere