Weg II

(Inhaltsverzeichnis)

Den Flug fand ich als Jugendlicher atemberaubend aufregend. Über allen Dingen glitt ich in einem zerbrechlichen Rohr aus Blech durch die Lüfte, frei und weit weg von allem, unfassbar! Hierher konnten mich nichts und niemand verfolgen!
Es war dunkel, als das Flugzeug in Athen landete. Ein kleiner Grieche mit Sonnenbrille, der jegliches Interesse an den Ereignissen dieser Welt verloren zu haben schien, holte mich dort ab. In einem unglaublich großen Auto wurde ich durch das nächtliche Athen kutschiert, irgendwohin in eine höher gelegene Gegend. Obwohl für mich alles, einfach alles, völlig neu war, hatte ich mit meinen fünfzehn Jahren keine Angst. Wenn ich‘s mir recht überlege, dachte ich damals wohl einfach nichts. Ich ließ alles geschehen, mein Gehirn war leer, konnte ja doch nichts an den Dingen ändern. Die Lichter der Stadt sprangen auf den blankpolierten Scheiben der Limousine in einem einschläfernden Rhythmus hin und her, an einer Ampel beobachtete ich einen fetten Mann unter einer Brücke, der eine Frau mit der einen Hand festhielt und ihr mit dem Faustring der anderen ins Gesicht schlug. Der Wagen wurde zum Glück durch eine Klimaanlage gekühlt, die Hitze hatte mir am kleinen Flughafen in Athen auf dem Weg zum Auto eine ganz schöne Ohrfeige verpasst!
Das Haus von Onkel Ramón war gewaltig, und ungewohnt hell. Sehr viel weiß, sehr viel Licht, und künstlich eisig gekühlt. Er selbst war in seinem Arbeitsraum und telefonierte. Ich wartete bereits fast eine Stunde, als Onkel Ramón breit grinsend und mit ausgebreiteten Armen auf mich zukam. Zuerst zuckte ich leicht zusammen, denn seine Vorderzähne schienen alle aus Gold und Silber zu sein, metallisches Lächeln. Ich musste mich konzentrieren, denn ich hatte bis jetzt nur mit meiner Mutter spanisch gesprochen und Ramón redete verdammt schnell und undeutlich.

Arme Lehre

Meine gute Tat heute – wie jeder weiß, bin ich ja ein Menschenfreund – vollbrachte ich heute bei Billa. An der Theke stand ein verschwitzter Lehrling, völlig mit den Nerven am Ende, die Augen fast am Übergehen. Seine Chefin lauerte etwas abseits und beobachtete ihn mit finstrer Miene.
Ich bestellte ein Mohnflesserl mit Kalbspariser, Gouda und Gurkerl. Standardmenü. Weil er mich gar so verzweifelt angesehen hat, wieß ich ihm mit einem deutlichen Fingerzeig den Weg zu einem Mohnflesserl.
Dann fragte er: „Wie war das bitte? Mit Ketchup und was noch?“
Ich nannte ihm ein paar Mal die Zutaten, damit er nicht so sehr in Stress geriet. Es half zwar nicht viel, denn er tropfte mit seinem Angstschweiß die Wurst voll, aber egal. Er hatte es schwer genug. Der Lehrling belegte das Mohnflesserl auch… naja… sagen wir mal „verbesserungswürdig“. Er stopfte nämlich die Wurst und den Käse in die Mitte des Gebäcks und legte links und rechts eine Scheibe Gurkerl ins Trockene.
Bemitleidenswert.

Ich aas, nachdem ich die Belagen neu angeordnet habe:
1 Mohnflesserl mit Kalbspariser, Gouda und Gurkerl

Arme Lehre

Demolition Chili

Mittlerweile verfolgt mich mittags eine ziemliche Menschenmasse. Alle wollen zum Essen mit. Ich kann Jesus verstehen, wenn er in die Wüste gegangen ist! Um diesem Kult um meine Persönlichkeit ein Ende zu bereiten bin ich mit den Menschen in den Demolition-Hof gegangen. Chili war angesagt.
Der Demolition-Hof ist mit dem Morituri-Beisl nicht zu vergleichen. Er sieht eher wie eine leere Fabrikshalle aus, in die sie ein paar Heurigenbänke gestellt haben. Es zieht, es ist kalt, ungemütlich, man will lieber nach Hause gehen. Die Heurigengarnituren werden wohl täglich mit chemischen Mitteln behandelt, denn man hat beim Essen ständig den Geruch von Terpentin in der Nase.
Während sich alle irgendwie nicht so recht wohl fühlten, tat ich so, als wäre der Demolition-Hof das beste Restaurant, in dem ich jemals gewesen bin. Und dann! Ja, dann habe ich meine Falle ausgelegt! Niemand hat es  bemerkt, niemand hat erkannt, in welch tödlichen Strudel sie geraten, während sie widerlich am Chili herumschmatzten. Ich habe ihnen nämlich von den Ankerkrapfen erzählt. Habe ihnen den Mund wässrig geredet – wer sehnt sich nach scharfem Essen nicht nach zarter Süßigkeit? Die Menschen – auch die, die am Nachbarstisch saßen – waren am Ende ganz geil auf Krapfen! „Zahlen!“, plärrten ein paar ungeduldig durch die Fabrikshalle des Demolition-Hofes, auf der Suche nach einem Kellner. Bald darauf führte ich die hechelnde Meute zu meiner Ankerfiliale. „Krapfen, Krapfen, Krapfen!“, stimmte die Menge einen Chor an.
Als wir zur Ankerfiliale kamen, schauten sie blöd durch die Scheibe. Denn was sahen sie? Nur noch zwei Krapfen da! Ich wußte es, mittags gab es in dieser Filiale kaum noch einen Krapfen. Ich ging grinsend hinein, kaufte mir meinen mir zustehenden Krapfen, sprach kurz mit den Verkäuferinnen und ging wieder raus zu den anderen, die noch nicht wußten, was sie machen sollten. So viel Krapfengeilheit, aber nur noch ein Krapfen da! Mir war’s egal. Beim Rausgehen biss ich so herzhaft in den Krapfen, dass es in alle Richtungen nur so davonstaubte und sagte mit vollgemampften Mund: „Und jetzt gehts scheissen!“

Später habe ich etwas von einer Schlägerei von der Filiale gehört und dass sie einem den letzten Krapfen in den Arsch geschoben haben… aber das sind wohl nur Gerüchte – ich jedenfalls aas:
1 Chili con Carne – wie hingeschissen
1 geilen Krapfen

Der Kronprinz ohne Hirn und Adel

In Kürze werde ich einem Attentat zum Opfer fallen. Die Nachbarschaft ist ein Krisenherd, ein Pulverfass, die Konflikte spitzen sich zu.
Erinnerst du dich trotz deiner Demenz an den Stoßstangenfetischisten? Das war der seltsame Mensch, der mir durch Lügen und falsche Zeugen eine Strafe besorgte. Das war vor knapp einem Jahr und seither passieren seltsame Dinge mit meinem Auto. Regelmäßig neue Kratzer im Lack, Zigarettenstummel auf der Windschutzscheibe und Schrauben im Reifen. Die Kratzer sind mir scheißegal, die verbrannten Scheibenwischer ebenfalls, nur die Reifen… das ist blöd. Ein Auto fährt auch mit Kratzern und mit kaputten Wischern, doch mit einem Platten fahren… das geht nicht.
Genauso wie ich damals auf die dummen Briefe des Stoßstangenfetischisten reagiert habe, reagiere ich nun auf seine Aktionen gegen mich. Nämlich überhaupt nicht. Das ist Kindergarten, weißt du? Wo bleibt da sein Stolz, sein Selbstwertgefühl als Mann, seine Ehre?
Seit einer Woche dürfte dieses Waserl wohl ein neues Opfer haben. Aber eines, das wie er ist! Das Auto des Stoßstangenfetischisten hatte vor ein paar Tagen einen zerquetschten Cremekuchen auf der Windschutzscheibe kleben und heute, als ich zu Billa einkaufen latschte, sah ich eine mit Lackstift gemalte Karrikatur auf seinem Auto. Das Gesicht eines Schweines. Was mußte ich lachen! So sieht er tatsächlich aus! Ich hoffe, dem Typen ist klar, das ich da nicht meine künstlerischen Finger im Spiel habe.

Auf dem Nachhauseweg kam er mir entgegen. Und da merkte ich einmal mehr, was er für ein Mensch ist. Ich sah ihm in die Augen, fixierte ihn und er, was tat er? Er wich meinem Blick aus, bekam eine rote Birne und machte einen großen Bogen um mich. So handelt kein Mann, nur Menschen ohne Ehre handeln so.
Ich kann mich also auch weiterhin auf Überraschungen freuen.

Ich aas:
1 Bresso
1 Kronprinz Rudolf Apferl – die vielen Kronprinz Rudolf Äpfel der letzten Wochen machen mich stark und klug – meine Zähne wachsen wieder
1 Brot
1 Dillsenf
1 Käse

Heimkehr aus Griechenland, Teil 5

> hier gehts zu Teil 1 der Heimkehrerstory.

Die Nachbarin und ich schimpften etwas über die lausigen Eisenbahnbeamten in Griechenland, zogen Parallelen zu denen in Österreich und gingen in die Richtung, die der besoffene Fettarsch uns grunzend gezeigt hatte. Und tatsächlich. Nach ein paar Schritten, einem Bahnsteig entlang, kamen wir in einen Raum mit drei verglasten Schaltern. Man mußte aus einem verrostetem Kästchen einen Zettel mit einer Nummer drauf ziehen. Das taten wir. Naja, nur dreißig Nummern vor uns. Wir wollten die Zeit nutzen, um etwas zu trinken, und fanden auch bald eine Bahnhofsbude. Etwas desorientiert kauften wir uns etwas zu trinken und zu essen und setzten uns erschöpft an einen der Tische. Nach dem Essen holte ich die Tschick heraus und bot der Nachbarin eine an.
„Nein danke, Matla.“
„Hä? Was is?“
„Ja weißt du, ich habe jetzt schon seit ein paar Stunden nichts geraucht und ich finde, jetzt ist der Augenblick gekommen, wo ich mit dem Rauchen aufhören sollte. Jetzt habe ich schon solange ausgehalten, jetzt schaffe ich das.“
Oh Gott! Jetzt? Das war der denkbar schlechteste Augenblick. Ich wußte, was das bedeutete. In meinem Gehirn tauchten Bilder eines brennenden Athens auf.
„Naja, das ist deine Sache, Babe.“, sagte ich und versuchte, mich abzulenken.

Nach einer halben Stunde standen wir vor einem Schalter. Unsere Nummer war auf einem Monitor angezeigt worden. Ich las: „International and domestic tickets“.
„I wanna go to vienna. TOMORROW!“, schnauzte ich den Typen an.
Der lachte nur und deutete auf den übernächsten Schalter. Aha, wieder nix English. Die Nachbarin sah ihn böse an und zeigte ihm den Finger. Ich stellte mich also zu diesem Schalter. Und zwar so, daß die Nachbarin nicht zu sehen war. Sie wurde von Minute zu Minute unberechenbarer.
Einmal erklärte ich irgendjemandem, was die Nachbarin und ich tun wollten. Einfach morgen, Samstag, von Athen nach Thessaloniki und von dort weiter mit dem Nachtzug nach Belgrad. Und siehe da! Der Typ hatte keine Einwände. Er machte sich sofort an die Arbeit, nahm unsere Daten auf, wir bezahlten und fertig!
Fast. Wo waren die Tickets von Thessaloniki nach Belgrad? Ganz freundlich erklärte mir der Schaltermensch, das ginge nur im Büro für „International tickets“. Gut, wo ist das? Raus und dritte Tür rechts.
„Thank you. Bye.“
Die Nachbarin blickte ihn drohend an, aber zeigte ihm keine Finger. Zumindest hatten wir ENDLICH einen Teil der Fahrkarten.
Erleichtert hielten wir uns an die Wegbeschreibung des Mannes und standen….. schon wieder vor dem betrunkenen Nußknacker! Bevor die Nachbarin irgendetwas sagen konnte, erklärte ich dem Besoffenen, daß wir nun Tickets von Thessaloniki nach Belgrad kaufen wollten.
„No! In Thessaloniki!“, schrie er lallend. Meine Geduld war am Ende.
„NOW! I want to buy the tickets NOW!“, entgegnete ich standhaft.
„NO! THESSALONIKI!“, plärrte er und zeigte mit dem Messer, mit dem er die Nüsse ausputzte, auf mich. Er schielte dabei etwas und Speichel rann ihm aus den Mundwinkeln.
Plötzlich rammte mich die Nachbarin mit ihrer Schulter unbarmherzig zur Seite.
„Gib uns jetzt die Scheißtickets!“, brüllte sie durch das Loch in der Scheibe. Mit vollster Kraft schlug sie mit ihrer Faust gegen das Glas, was ihr zwischen all den Beschimpfungen und Flüchen einen Schmerzensschrei entriss. Danach versuchte sie sich scheinbar mit ihren Fingernägeln durch das Glas zu graben. Ich vermutete, daß sie auf Grund des Nikotinentzuges nun endgültig die Kontrolle verloren hatte. Unauffällig – so gut es diese Situation zuließ – zog ich mich etwas zurück und suchte die Schalterhalle ab. Schnell fand mein geübtes Auge einen geeigneten Fluchtweg, Polizei war keine anwesend, die anderen Leute ringsum schienen eher auf unserer Seite zu sein, im Eck stand ein alter Feuerlöscher.

Du siehst, es gab doch gewisse Fortschritte. Wir hatten in diesem Augenblick zumindest Fahrkarten, die uns aus Athen wegbrachten. Am Montag erzählt der liebe Onkel die Geschichte weiter.

>> weiter zu Teil 6

Und heute aas ich:
1 Apferl
3 Tomaten
1 Herbstgouda

Heimkehr aus Griechenland, Teil 4

> hier gehts zu Teil 1 der Heimkehrerstory.

Die Nachbarin und ich standen also in dieser Agentur, in der man Fahrkarten für die griechische Eisenbahn kaufen konnte. Eine Viertelstunde vor Büroschluß. Ich war sehr glücklich. Langsam und deutlich erklärte ich der Frau am Schalter, mit welchen Zügen wir verkehren wollten. Zuerst Athen nach Thessaloniki und dann den Nachtzug von Thessaloniki nach Belgrad.
„That is not possible.“
„Do not make me unhappy, lady!“, erschrak ich
„DON’T MAKE HIM UNHAPPY!“, zuckte die Nachbarin leicht aus.
Warum es nicht möglich war? Ganz einfach. Das erste Ticket, Athen-Thessaloniki, konnten wir hier in dieser Agentur gerne kaufen, doch nicht das internationale.
„Whyyyyyyyy?“ Meine Stimme versagte.
Ein internationales Eisenbahnticket könne man nur im Hauptbüro der OSE kaufen. Nicht hier, nicht am Bahnhof, nur im Hauptbüro.
Die Frau begann uns auf einem Stadtplan die Fahrt zum Hauptbüro zu erklären. Doch was hörte ich da schnaufen? Etwas schon die Eisenbahn? Nein. Es war die Nachbarin.
„Du Scheißtussi, du verschissene! Gib uns jetzt die Tickets!“, plärrte die Nachbarin mit rotem Kopf der Frau ins Gesicht. Die sah mich mit großen Augen an, sie verstand ja kein Deutsch.
Ich erklärte der Agenturdame in aller Ruhe die Lage – es war ein Wechselspiel zwischen der Nachbarin und mir. Zuckt sie aus, werde ich ruhig und umgekehrt. Automatisch spielten wir stets „Guter Kunde – Böser Kunde“.
Jedenfalls verstand die Griechin nun unsere Verzweiflung. Sie sagte, sie werde bei der OSE anrufen.
Wir warteten.
„Good news.“, kam sie nach ein paar Minuten dahergerannt. Wir könnten beide Fahrkarten direkt am Bahnhof, welcher bis um 21 Uhr geöffnet hätte, kaufen. Ich freute mich.
„Are you happy now, Mr. Matla?“
„Yes, I am.“

Die Nachbarin und ich verließen die Agentur, noch immer ohne Tickets, und fuhren zum Bahnhof. Metrostation Larissa. Wir hatten schon seit Ewigkeiten nichts mehr getrunken und gegessen und es war bereits nach 18 Uhr. Obwohl wir bis Schalterschluß noch fast drei Stunden Zeit hatten, legten wir ein verdammt hohes Tempo ein. Alles im Laufschritt. Wer wußte denn schon, was noch alles passieren mochte.

Der Bahnhof in Athen war leicht zu finden. Wir stürmten die Eingangshalle. Nach einem kurzen Rundumblick entdeckte ich einen besetzten Schalter mit der Aufschrift „Information for international tickets“. Mit einem Sprung standen wir dort. Hinter der Glasscheibe mit Sprechloch saß ein ziemlich fetter Widerling. Sein Hemd und sein Hosentor waren weit offen. Er hatte einige Nüsse vor sich liegen, die er mit einem Hammer und einem spitzen Messer auseinandernahm. Ich sagte dem Fettarsch, welche Tickets ich kaufen wollte. Er verstand kein Wort, runzelte nur die Stirn.
„Athen to Thessaloniki, Thessaloniki to Belgrad. Beograd.“, sprach ich laut und deutlich.
„Beograd?“
„Yes.“
Wie ein Affe im Urwald zeigte er uns mit ein paar knappen Handbewegungen, daß wir irgendwoanders hingehen sollten. Raus und dann links.
„Leck mich, du fetter Wichser.“, sagte die Nachbarin mit funkelnden Augen durch die Scheibe und zeigte ihm den Finger.
Auf ins nächste Büro.

Morgen erzähle ich, Odysseus, der eigentlich nur nach Hause wollte, wie es tatsächlich zu einem teilweisen Ticketkauf kam.

>> weiter zu Teil 5

Um auch etwas aus der Gegenwart zu erzählen:
Gestern verabschiedete ich mich offiziell vom Sommer. Zu diesem Zwecke wagte ich den Aufstieg auf die pyramidenartige Hauptbücherei Wien und ließ mich von der untergehenden Sonne überbelichten. Auf Wiedersehen.

Was für ein Foto!

Und heute legte ich mir nach sorgfältiger Planung die Herbstvorräte an und aas:
1 Menge Kronprinz Rudol Äpfel
1 Menge Käse
1 Menge Tomaten

Parkschaden und Fahrerflucht oder wie man seine Stoßstange restauriert

Dieses Brieflein habe ich heute morgen unter den Scheibenwischern meines Autos gefunden. Ich darf wiederholen:

Sie haben offensichtlich mein Fahrzeug beschädigt (stark zerkratzte hintere Stoßstange)
Ersuche um ehebaldigsten Rückruf
… telefonnummer ….
Habe Fotos gemacht

Als ich den Zettel gelesen hatte, dachte ich mir, es könne sich nur um einen Scherz handeln und ließ ihn kopfschüttelnd in meiner Hosentasche verschwinden. Da hörte ich eine Stimme hinter mir. Ich drehte mich um, sah aber niemanden.
„Hier oben am Balkon!“
„Was is?“, schrie ich rauf.
„Ich rate ihnen, eine Selbstanzeige zu machen, sonst zeige ich sie wegen Fahrerflucht an.“
„Weswegen?“
„Sie haben meinen Wagen beschädigt.“
„Welchen meinen sie?“
„Na der, der vor ihnen steht.“
„Aber ich bin nicht geflüchtet. Ich stehe ja hier.“
Der Mann wiederholte sich: „Ich rate ihnen, eine Selbstanzeige zu machen, sonst zeige ich sie wegen Fahrerflucht an.“ Dann verschwand er.

Ich jedenfalls habe seine Kiste bestimmt nicht beschädigt – ich bin da immer vorsichtig, weil ich weiß, daß es leider sehr viele Menschen gibt, die sich Autos kaufen, obwohl sie sich die Dinger gar nicht leisten können und dann passen sie darauf besser auf als auf ihre Frauen und Kinder. Das ist schade.
Ich warte jetzt einmal ab, was passiert. Aber ein Erinnerungsfoto habe ich auch gemacht:

Man sieht ganz deutlich, daß ich seinen Wagen NICHT berühre.

Tja, komme ich jetzt ins Gefängnis, weil ich keine Angst vor kleinen Parklücken habe?

Ich aas vielleicht die Henkersmahlzeit – und die fiel spärlich aus:
1 Brot
1 Käse

Rattenmenü

Ich bin vor einer Stunde nach Hause gekommen, habe mich für dreißig Minuten auf den weichen Teppich gelegt, um ein bißchen zu pennen, und jetzt bin ich mir nicht mehr sicher, ob der heutige Tag wirklich passiert ist oder ob ich bloß hypnosiert worden bin, um mich an einen beschissenen Tag zu erinnern. Dabei ist heute nicht mal Montag.

Nach dem Foto zu urteilen aas ich etwas, was einer toten Ratte ziemlich nahe kommt:
1 Scheibe aus furchtbar stinkenden Käse
1 kackbraunes Weckerl

Das Dingsda aus Griechenland und eine Feier unter dem Traktor

Das war ein Wochenende nach meinem Geschmack. Ich war zwar mit der Nachbarin unterwegs – was mir normalerweise die Stimmung wie angepisster Schnee zerlaufen läßt – aber es war….. gut. Wenns ums Saufen geht, hält sie nämlich ordentlich viel aus und wenn ich mal besoffen bin, halt ich auch viel aus – von ihr.
Weil ich ihr dieses Dingsda aus Griechenland mitgebracht hatte, wollte sie mich übers Wochenende in die kleine Pension ihrer Cousine einladen.
„Nein, ich will nicht ins Ausland…. hör mal, das Dingsda aus Griechenland… es war doch nur…“
„Matla, es gibt keine Widerrede! Ich lade dich ein… du kommst mit…. ich war richtig überrascht, daß du an mich gedacht…..“
„Ja, aber ich will nicht ins Ausland!“
„Was redest du ständig von Ausland, Ausland, Ausland? Wir müssen nicht ins Ausland. Wie kommst du darauf?“
„Naja, das ist die Pension deiner Schwester und…“
„Cousine, nicht Schwester. Cousine.“
„Ja, wie auch immer und ich dachte, weil du ja aus Transsilvanien kommst, daß wir…“
„Transsilvanien? Was soll das? Bin ich ein Vampir oder sowas?“
„Naja…. äh… du bist so blaß und alt und äh…. aber Knoblauch magst du nicht besonders oder?“
„Matla, halts Maul und verdirb nicht wieder alles. Wir bleiben in Österreich und du kommst mit.“

Gesagt, getan. Am Samstag fuhren wir los. Ich habe nie verstanden, wohin wir wirklich fuhren. Es muß im Süden gewesen sein, denn ich habe während der halben Autofahrt durch die verrauchte Windschutzscheibe nichts außer einer langweilig milchigen Landschaft gesehen.
Beim Fahren haben wir uns abgewechselt. Denn Autofahren hasse ich – genauso wie ich es hasse, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren… überhaupt hasse ich Bewegung jeglicher Art… außer auf dem Wasser. Na jedenfalls kamen wir am frühen Nachmittag in diesem Dorf an. Ich weiß nicht, wozu dort überhaupt Leute wohnen, aber es schien ihnen gut zu gehen. Sie bereiteten gerade irgendein Fest vor, das am Abend stattfinden sollte.
Mann… die Schreiberei, also ich will mich kurz fassen. Wir haben bald zu saufen begonnen, die Schwester oder Cousine der Nachbarin ist Antialkoholikerin oder so – ein schwerer Fehler – das Fest aber war lustig, vor allem die Blasmusik… als es dunkel wurde, hat mir der fette Tubaspieler das Tubaspielen beigebracht. Ziemlich schwer – ich glaub, mein Gefurze dabei war lauter als alle Töne, die ich dem Ding entlocken konnte. Der fette Tubaspieler hat sich halb tot gelacht.
Schön finde ich aber, daß die Nachbarin und ich uns mal so richtig ausgesprochen haben – wir haben uns alles gesagt, was es zu sagen gibt, alles ist geklärt, jetzt kennen wir uns besser und überhaupt das Dingsda aus Griechenland…. das ist jedenfalls die Version der Nachbarin, ich selbst erinnere mich nicht an so ein Gespräch.
Ich habe aber nicht alles vergessen. Ich erinnere mich daran, wie mir plötzlich kalt wurde. Wir saßen im Freien unter einem Traktor oder so und ich hatte ja nur eine kurze Hose und billige Flipflops an. Ich weiß noch, wie ich aufgesprungen, gegen irgendwas mit dem Schädel gedonnert bin und zu laufen begann.
„Maaatlaaaa! Wohin rennst du verdammt??“, schrie die Nachbarin.
„In die Scheißpension! Mir ist scheißkalt!“
„Du rennst in die falsche Richtung!“
„Shit!“
Ich machte eine Wende und lief zur Nachbarin zurück, die sich gerade auf den Boden fallen ließ. Lachanfall.
„Was ist? Was soll das? Was lachst du so?“
„Deine Beine! Haha! Die Haare stehen so weg! Haha! Deine Beine sehen wie zwei Clobesen aus! HAHA!“
„Hehe. Sehr lustig. Ich hau hier ab.“
Ich lief wie ein Irrer durch das Dorf, die lachende Nachbarin hinter mir her, ständig Steine in den verdammten Flipflops, sprang herum, um die Steine loszuwerden.
Endlich kamen wir zur Pension, doch die war abgeschlossen, alles dunkel und wir hatten keine Schlüssel.
„Scheiße! Ist mir kalt! Wo ist deine dämliche Schwester?“
„Nichte! Nichte! Es ist nicht meine Schwester!!! NICHTE!“
Ich lief fluchend um die Pension herum, vielleicht gabs ja einen Hintereingang. Ich fand einen, doch der war auch abgeschlossen. Die Nachbarin kotzte gerade die Rosen voll und ich wollte eben mit einem kleinen Hocker ein Fenster einschlagen, als ohne Vorwarnung der Dorfpolizist auftauchte.
„Ich hab schon angerufen, meine Herrschaften. Das Fräulin wird gleich runterkommen und euch aufmachen.“
Ich erschrak so sehr, daß ich den Hocker nach ihm geworfen habe. Gottlob ging mein Wurf ob meiner enormen Trunkenheit so sehr daneben, daß der Polizist ihn nicht als Angriff gegen seine Amtsperson wertete. Er wanderte nach einem dezenten Kopfnicken wieder weiter. Ich wollte ihm noch ein paar freundliche Worte mit auf den Weg schicken, als hinter mir die Tür aufsprang. Die Nichte oder Cousine oder Schwester meiner Nachbarin im Pyjama. Sie begann uns anzuschreien. Ohnehin zu betrunken, um etwas sinnvolles zu sagen, machte ich ein paar unschuldsbeteuernde Unschuldslammgesten und schnitt dumme Grimassen. Die Nachbarin, ihrerseits betrunken, beschimpfte sie in grobsten Tönen. Worte wie Schlampe, Hure, Fotze sind nur einige der Dinge, die mir an dieser Stelle spontan einfallen.
Die Pensionsbesitzerin jedenfalls habe ich nie wieder gesehen und jetzt bin ich beim Herren der Kugelschreiber und esse nichts, denn der Kater liegt mir im Magen.

Purple Haze

Meine Marihuanaplantage bedurfte einer kleinen Überholung. Alte Blätter mußten geraucht werden, damit die jungen Triebe schneller wachsen. Gestern.

Hehe.

Nachdem ich die halbe Nacht aufreibenden Forstdienst in meiner Plantage versehen hatte, konnte ich kaum mehr einschlafen. Irre Träume quälten mich und ich bin früh erwacht. In Löffelstellung an die Clomuschel geschmiegt.
Um 6 Uhr saß ich schon im Auto auf dem Weg ins Rattenloch. Wien lag unter einem Schleier aus purpurnem Dunst. Fast hätte ich eine Verkehrsinsel überfahren – ich erschrak! Als ich nämlich die Scheibenwaschanlage einschaltete, um den Nebel von der Windschutzscheibe zu wischen, dachte ich mir plötzlich, daß mir das Putzmittel direkt in die Augen spritzen würde, und duckte mich. Die schräge Stellung meines Kopfes und die Galaxie, die sich auf meinen Fußmatten erschloß, waren so interessant, daß ich fast vergaß, wieder auf die Straße zu schauen.

Hehehe.

Das Essen. Es gab Schweinsbraten hier im Rattenloch. Ich habe das nicht geträumt, denn ich habe die Fotos. Und ich habe nichts übriggelassen. Die wurmartige Rinde, die du am Teller liegen siehst, war schon in meinem Hals – ich versuchte wirklich, sie zu schlucken, aber vergebens – wie eine Vogelmutter, die ihre Kücken füttert, würgte ich die Dinger wieder hoch und spuckte sie auf das Teller.

Ich aas:
1 Schweinsbraten mit Knödel und Rotkraut mit Senf
1 kleinen Braunen

He.