90 Jahre Schwedenbomben

Meine heißgeliebten Schwedenbomben gibt es nun schon seit 90 Jahren. Ja, wie die Zeit vergeht. Niemetz veranstaltet deshalb ein Gewinnspiel. Kreative Geburtstagswünsche können irgendwelchen Schrott gewinnen. Da mache ich natürlich sofort mit.
Das folgende Gedicht entstand im Schweiße meines Angesichts:

Schon vor 90 Jahren
ist Oma auf sie abgefahren.
Auch Mutter liebte sie so sehr,
damit ging auch ich in diese Lehr‘.
So trank ich schon als kleiner Knilch,
die Bomben mit der Muttermilch.

Später hieß es: „Iss nicht zu viel von den Süßen,
sonst musst du es eines Tages büßen.“
Ich hörte nicht und aß sie täglich.
Sie sind ja eh so gut verträglich.

Ich hab kein Diabetes,
und noch immer schmeckt es.
Die Zähne alle drin,
der Magen auch nicht hin,
nicht mal 80 Kilogramm,
fress ich sie noch immer z’samm.

Die braunen und die Kokosschweden
gibt’s zum Glück in allen Läden.
Seh ich sie, greif ich gleich zu,
Die Gier darauf gibt eh nie Ruh.

Egal was ist, sie werden mich begleiten.
Und das bleibt so für alle Zeiten!
Ach, ich lieb‘ die Packung mit 6 Stück.
Drum zum Geburtstag alles Glück!

Ich erwarte mir, dass ich dafür wenigstens ein Sixpack Schwedenbomben gewinne.

Heute aas ich:
1 Teller Tralala

90 Jahre Schwedenbomben

Agaffine Sitzung #2

„Und können Sie die Stimmen auch… naja… sehen, Matla?“
„Hmmm, ja. Eigentlich schon… also mehr oder weniger…“
„Und wie würden Sie sie beschreiben?“
„Hm, ja… gute Frage… fangen wir mal mit den Herrn Rudolf an. Der sieht aus wie der Kellner in einem Wiener Kaffeehaus. Lang, dünn, mit dem typischen schwarzen Anzug, weißes Hemd… Umstandsmeier… ja, dann der Furzerjohannes. Der ist wiederum mehr wie ein Hobbit. Klein und dick… und hat so Riesenfüße mit vielen Haaren drauf, sodass er gar keine Schuhe mehr tragen kann… er hat wie ich so eine schreibende Zwangsneurose… Sonja ist… eine Pornosau. Ja! Total versaut mit großen Titten… sehr gute Bauchtänzerin… trägt genietete, nach Sperma riechende Lederjacken und lacht gerne. Brunnhilde ist mehr die Big Mama, die nie lacht. Mit Flügeln am Kopf… statt der Ohren… weiß auch nicht, wieso. Wenn man der falsch kommt, zerquetscht sie einen mit ihrer gewaltigen Masse… Damenbart, schlecht rasiert, aber trägt gerne Tigerunterwäsche. Bob… hm… ist eher der korrekte Typ… fette Haare mit Linksscheitel… Hosenträger, Hornbrille, Moustache… kleine Schuhgröße, aber dafür große Augen, riecht nach Pitralon und mag japanische Zeichentrickfilme. Vanacoud sieht wie ein Kasperl aus. Lange Nase, abstehende Ohren, Hasenzähne, kleine Augen, leichter Buckel. Rote Kappe verkehrt herum am Kopf. Aber am schlimmsten ist knofl. Die einfach nur klein, dünn und blöd. Sieht eher aus wie eine alte Krautstaude.“
„Gut. Halten wir das fest und schlafen wir darüber.“

Ich aas:
1 Tube Agaffin, denn die Stimmen verursachen auch Verstopfung

Agaffine Sitzung #2

Dienstag. Protokoll.

Dienstag. Während Montag der Tag der Wochenendrevision ist,  fällt man am Dienstag in das Loch. Das Loch. Das große Loch. Tief. Schwarz. Pickert. Siehe:

Bett. Wachte auf und erkannte, dass Dienstag ist. Blieb liegen. Regungslos liegen. Starrte zuerst an die Decke und dann aus dem Fenster. Zündete mir einen Tschick an. Rauchte. Aschenbecher nicht da. Öffnete die Lade vom Nachtkästchen und äscherte dort rein. Irgendwas begann zu brennen, schob die Lade zu. Sauerstoffentzug verursacht Tod. Bald kam der Hunger. Quälte mich aus dem Bett. Keine Lust frische Wäsche zu suchen, zog die alte an. Latschte aufs Klo und brunzte ausgiebigst. Zog die Schuhe und die Jacke an, ging zu Billa.

Billa. Die an der Kassa sah mich müde an und holte sich gerade etwas mit dem kleinen Finger aus den Backenzähnen. Ich sagte: „So.“ Wollte eigentlich „Grüß Gott“ sagen, hatte aber keine Kraft dazu. Wursttheke. Die sah mich auch müde an. Ich sagte: „Semmel mit Extra und Gouda und Gurkerl.“ Sie verzog das Gesicht und schlürfte zu den Semmeln. Sie fragte: „Mit Extra?“ „Ja.“ Danach. „Mit Käse?“ „Ja.“ Sie packte die Semmel ein. Wollte sie an die Gurkerl erinnern, konnte aber momentan nur die Augenbrauen bewegen. Kassa. Noch immer mit den Backenzähnen beschäftigt. Zahlte. Keine Lust mehr, schenkte ihr drei Cent und verließ den Billa.

Strasse. Komme nicht über die Strasse. Jede Menge Autos. Gehe trotzdem über die Strasse. Gehupe. Geschrei. Ich reagiere nicht mehr.

Daham. Aas:
1 EKG
1 Haufen Oliven, schwarz

Protokoll am Dienstag

Taxlerkitzler

>> Teil I

Ich verstand den chinesischen Taxler nur schlecht. Er konnte das R nicht aussprechen. Ich dachte immer, dass sie das Problem nur mit dem Hals-R hätten, aber das spanische Zungen-R geht scheinbar auch nicht besser. Übrigens beherrsche ich beide Varianten. Das Zungen-R verwende ich vor allem immer dann, wenn ich eine Klitoris zwischen den Zähnen habe. Genau das erzählte ich dem chinesischen Taxler und klopfte ihm munter auf die Schulter. Er fand das gar nicht witzig.
Seine Karre war am Auseinanderbrechen. Für den Zustand der Strassen fuhr er außerdem viel zu schnell. Strassen wie Schweizer Käse, wohin man auch sah, ein Loch nach dem anderen.
„Wie heißt du, Chinese?“, fragte ich ihn. Vielleicht würde das seine Aufmerksamkeit auf mich lenken und ihn das Tempo etwas reduzieren lassen. Es war ein Fehler. Während ich mit dem Kopf gegen das Autodach knallte, da er ein Riesenloch übersehen hatte, sagte er: „Gelonimo.“
„Alter! Was? Wie? Gelonimo?“ Ich rieb mir den Schädel.
„Nein, Gelonimo!“
Nun fuhr er fast in den zugemüllten Straßengraben, weil er dem nächsten Schlagloch ausweiche wollte, aber ein LKW entgegenkam.
„Hör mal, Gelomino!“ – ich verfiel vor Aufregung wieder ins Mafiaspanisch – „Leck mich doch am Arsch, du Sohn einer Hure auf vier Pfoten! Fahr jetzt gefälligst wie ein normaler Mensch, sonst schneid‘ ich dir mit einer Gartenschere jede Zehe einzeln ab, du nichtsnutziger Taxler!“ Das hätte ich nicht sagen sollen. Der Chinese machte eine Vollbremsung, wir standen mit dem Wagen mitten auf der Strasse – war wohl ohnehin gut so, denn direkt vor uns klaffte ein Schlagloch im Asphalt, das uns wahrscheinlich umgebracht hätte.
„RRRRRRRRRRrrrrrrrrrrrrrrrrr“, sagte Gelonimo… ich wußte nicht recht, was ich davon halten sollte. War es Nervosität… oder Ärger?
„Wenn du jetzt eine Klitoris zwischen den Zähnen hättest, Alter!“

>> nächster Teil

Ich aas:
1 EKG – ganz klassisch

 

EKG geil

EKG: eine Extrawurst-Käse-Gurkerl-Semmel.

So eine EKG verbreitet Friede und Liebe. Schon am Morgen wachte ich mit einem Grinsen im Gesicht auf. Und mit einem Steifen. Ja, die Vorfreude auf die Mittagszeit war groß!
Ich zog mich an. Socke für Socke, stellte mir vor, wie ich auch der EKG eine Socke überzog. Hemd, dann Hose. Schuhe. Kurzer Kontrollblick in den trüben Spiegel, ob die Zähne noch hell genug waren oder schon geputzt werden mussten. Raus gings, in die Strassenbahn. Der Steife war Vergangenheit, die Köpfe der Menschen sahen aus wie Wurstsemmeln. Ich lachte sie an, leckte mir die Lippen, der Gustospeichel rann mir aus dem Mund. Eine alte Schachtel lächelte zurück und sagte: „Sie haben da was am Kinn!“
In der Anstalt – ja, dort war ich wieder – drehte ich die Kugelschreiber zusammen und stellte mir EKGs in den Händen vor. Lieblich, säuerlich, knusprig, käsig und Extrawurst dazu!
Und schließlich war es soweit. Die Turmuhr schlug zur Mittagsstund‘ und ich rannte los, zu Billa und holte mir die EKG! Oja! Der Steife war auch wieder da! Hurra!
Zuhause biss ich in die EKG und siehe da:

Ich aas:
1 EKG

Gemmas wieda au.

Ist ja wurscht, was gewesen ist! Wichtig ist, dass alle Neujahrsvorsätze, die ich von der Nachbarin aufgeschwatzt bekommen habe, dahin sind. Zum Beispiel: „Du sollst nicht anfassen deinen Sack vor den Augen deiner Mitmenschen.“ oder „Du sollst nicht vermodern lassen den Dreck zwischen deinen Zähnen.“ oder „Du sollst nicht begehren das süße Loch in deinem Krapfen.“ und vorallem „Du sollst nicht lästern über deine Nachbarin im Misthaufenblog.“
All das ist dahin. Wie ein Furz im Wald.

Ich sende schicke Grüße aus dem Misthaufenblog, während ich aas:
1 Salzstangerl mit Pikantwurscht
1 Krapfen

Im Morituri-Beisl

Düster ist sie wahrlich, die Stimmung im Morituri-Beisl. Dicker Samt, schwarz und muffig an den Wänden, knarrende Dielen, es riecht nach Vergangenheit. Nur noch Grablichter sind die flackernden Lampen, ja, Johannes, der Strom zu schwach, um den allesbedeckenden Grind des Rauches aus einem Jahrhundert durchdringen zu können. Die Möbel vom Wurm zerfressen, unbeholfen repariert, kaum ein Jahr werden’s wohl noch überstehen. Der Ölofen zu altersschwach, um Wirkung zeigen zu können, das Scheißhaus, eiskalt mit tropfendem Hahn, dient gleichzeitig als Kühlraum, der Wirt ist an die achzig Jahre alt, seine Glatze genauso schimmelig wie die zugigen Fensterrahmen. Sein Hund ist vor vierundreißig Jahren jämmerlich an einem Hühnerknochen erstickt. Es ist das Stammlokal der Totengräber.
In der Ecke sitzt Tag für Tag die dürre Alte. Unterm Tisch ihre Ratte, nur noch Haut und Knochen, kleines arrogantes Miststück. Und sie, die Alte, käsebleich, eine Perücke mit angesentem Kunsthaar, übersät mit unzähligen Blutergüssen, sie macht’s nicht mehr lang, trinkt nur koffeinfreien Kaffee, die Schatten der buckligen Totengräber wiegen schwer auf ihr. Und sie grinst sie an.
Der dicke, unsympathische Beamte vom nichtsnutzigen Magistrat, redet nichts, schaut nur und nimmt zum Menü, meist das Einser, zwei, drei Vierterl Weißen. Raucht und geht ab. Verabschiedet sich mit Handkuss und Hut, die Alte mag ihn nicht.
An den Wänden verblichene Fotos, man kennt sie nicht, die Leute. Fette, rotgesichtige Soldaten aus dem letzten Jahrhundert, mit bleichen, schwindsüchtigen Huren, singen besoffen zum Akkordeon, während ihnen der Schweiß in die Augen tropft, alle tot. Dann sind die Totengräber gekommen.
Die Kaffeemaschine war schon immer der Glanz des Morituri-Beisl. Unbekannte Technologie, ohne Marke, sie ist laut, sie dampft und zischt. Kaffee hilft, wenn man weiterleben muss. Und der Wirt weiß das.
Die Mutter kocht. Sie sollte schon längst gestorben sein, aber die Totengräber lassen sie nicht gehen. Seit über hundert Jahren die gleiche Rezeptur. Tritt ein und iss wie zu Kaisers Zeiten!
Als die Totengräber aufgetaucht sind, ist Leben ins Morituri-Beisl gekommen. Ein Leben, von dem keiner etwas wissen wollte. Goldzähne, Schwielen, der Geruch des Staubes, zu dem alles zerfällt. Der Dreck, aus dem die Menschen sind.
Das, was Raum und Zeit im Morituri-Beisl zusammenhält, ist die Pendeluhr. Sie tickt, unaufhörlich, unauslöschbar, unendlich weiter, langsam zwar, eine Sekunde ist eine Stunde im Morituri-Beisl, jeder Schlag resoniert in den Wurzeln der Erde, läßt Gottes Mark erbeben, man könnte kotzen. Sieh in die Pendeluhr und erstarre in der Zeit! Vergiss deine Seele, lass es die Totengräber tun! Morituri te salutant!

Ich aas:
den Krapfen, der gegessen sein wird.