Die Ära des weißen Halbmondes

Eigentlich war alles nur ein Zufall. Oder vielleicht lag es an meinem idiotischem Outfit? Es war noch fast dunkel. Ich stand vor dem Tschickautomaten, die Haare drehten sich wie in einem kleinen Orkan durch die Luft. Der Wind zog durch meine zwanzig Jahre alte Trainingshose, die dünnmaschige Wollweste der Nachbarin, die ich in aller Eile über mein ausgewaschenes Hemd gezwängt hatte, war auch für’n Arsch. Nur die Cowboystiefel hielten mich warm. Ich riss die Packung sofort auf und zündete mir eine an. Da bog der alte Piwelka mit seinem beschissenen kleinen Köter um die Ecke. Ich verzog mich in die andere Richtung.
Und da traf es mich! Wie ein Raubüberfall, mit Faustring auf den Hinterkopf! Die Bäckerei war offen, und… und tausend, nein zehntausend Lichter strahlten in der Auslage! Und was sahen meine verschlafenen Augen da? Der weiße Halbmond! Sieh! Er steigt empor! Oh, wie steigt er empor! In den morgendlichen Himmel, mit Glitterstreifen hinterher! Weißer, süßer Staub schneit auf mich herab, ich lecke ihn auf. Mit meiner Zunge.
Hm… ja, schon… ich gebe zu, ich war noch nicht im Bett und ziemlich bedient… aber: Vanillekipferl! Saisonstart! Oder wie ich es durch die Auslage der Bäckerin zuschrie: „Wanillegifferl! Geil!“

Ich aas täglich mehrere Kilogramm:
Weißer Halbmond – mein Lebensinhalt

In der iBahn

Letzte Woche habe ich wieder den iPod ausgegraben – bekam ich damals ja von der Nachbarin geschenkt bekommen. Nach einigen durchfluchten Nächten und einer Stange Malboro habe ich es nun geschafft, neue Lieder draufzukopieren.
Das ist gut, denn so ist die Musik die Rettung in der überfüllten U-Bahn…. dabei
war’s heute gar nicht so schlimm. Viel Platz, Sonnenlicht, verhältnismäßig gute Luft. Ich stand entspannt an die Wand gelehnt, hörte die geile Musik, lächelte ob des wunderbaren Songs glücklich in mich hinein… als die Pest über Wien hereinbrach!
Und zwar die Nasenpest! Irgendsoein Arsch hatte sich unbemerkt hinter mich gestellt und atmete plötzlich heftig durch seine Nase  aus. Oh Himmel! Was für ein bestialischer Gestank! Sein Gehirn muss bereits in einem fortgeschrittenem Verwesungsstadium und von Maden durchfressen sein! Es war nur gut, dass ich bereits austeigen musste, denn sonst hätte ich mich umgedreht und ihn von oben bis unten vollgekotzt. Scheiße nochmal.

Weißt du, gibt es so eine Art iNase? Ein Ding, dass du dir in die Nase stöpseln kannst? Das dir den Geruch von Kiefernwald und Kuhwiese einspritzt? Gibt’s sowas?

Ich aas:
den Kronprinzen

Putzland XIIII

Hier gehts zum Anfang der Geschichte

Je näher das Schwanz- und Fotzenland kam, umso unwirtlicher wurde die Landschaft. Der Boden sumpfig, die Luft stickig, Fauna und Flora schienen mit dem Leben abgeschlossen zu haben. Schon von Weitem erkannte der kleine Gimp am Horizont eine braungelbe Dunstglocke über dem Schwanz- und Fotzenland hängen. Ein gar grausiger Brodem aus dampfendem Urin und allerhand anderen Ausscheidungen!
Gar nicht viel später erreichte schließlich unsere lustige Reisegruppe, bestehend aus zehn Beidln, dem Putzteufel und dem kleinen Gimp, auf einem Hügel die Grenzen zum Schwanz- und Fotzenland. Die Hurenböcke, auf denen unsere kleine Gesellschaft hierher geritten war, wurden angehalten und man drückte sich erleichtert durch die engen Arschlöcher ins Freie.
„Ja, Meister Gimp. Das ist nun das Schwanz- und Fotzenland. Heimat der stolzen Beidln und Fudna.“, sprach der Putzteufel mit herumrudernden Armbewegungen.
„Sehr schön.“, sagte der kleine Gimp lächelnd und war sehr damit beschäftigt, seinen Schrecken für sich zu behalten und nicht dem Drang nachzugeben, schreiend das Weite zu suchen. Denn was der kleine Gimp da vor sich sah, überstieg all seine Vorstellungskraft. Auf das Schlimmste hatte er sich eingestellt, doch solch beschissene Zustände hatte er sich nicht einmal in seinen kühnsten Träumen vorzustellen gewagt!

zu Teil 15

Ich aas voll Grausen:
2 Brote mit Eiaufstrich und Käsewurst

Nebenstelle

Irgendwas stimmt nicht.
Jemand steht neben mir.
Ein Typ.
Was soll ich nur tun?
Sehe ich nicht hin, sehe ich seinen Schatten. Sehe ich ihn an, sehe ich ihn nicht.
Suche ich ihn nicht, steht er hinter einem Eck oder hinter der Tür, suche ich ihn, ist er woanders.
Wenn ich spreche, höre ich seine Stimme. Versuche ich zu verstehen, was er sagt, ist er stumm.
Denke ich an etwas anderes, berührt er mich. Will ich ihn fassen, ist er nur Luft.
Nehme ich das Handy zum Ohr, ruft er mich, wähle ich eine Nummer, hebt niemand ab.
Vielleicht ein Geist.
Vielleicht der Eiergeist.
Ich weiß nicht.

Ich aas:
1 Haufen Tomate
1 Ei
1 Käse
2 Brot mit Liptauer

Hauptattraktion zum Schnüffeln

Gestern kam ein Magazin mit der Post. Gratis. Umsonst. Wenn ich den Inhalt der Zeitschrift zu ihrem Namen  machen darf: „Braindead“. Seite um Seite befüllt mit unerträglich langweiligen Fotomodellen, widerwärtig fetten Kindern, unnötig hochkompliziertem Essen, dekoriert, dekadent, und völlig belanglosen Inhalten.
Nur ein Artikel zog meine Aufmerksamkeit auf sich – denn dieser war beschmückt mit einem herrlichen Foto des Meeres. Ich las den Text, leider. Es gibt in der Südsee ein Hotel mit fünf Sternen, welches sich knapp unter der Wasseroberfläche befindet. Alles ist aus Glas, man ist umgeben von leuchtendem Wasser und schimmernden Fischen. Special feature: wenn es den Fischen zu langweilig wird, den Menschen im Luftaquarium zuzusehen, und sie in eine andere Bucht abhauen, kann man sie wieder zurücklocken. Auf Knopfdruck kann man Futter ins Wasser spritzen! Ich meine, gehts euch noch gut? Ja, alles klar da oben?

Ich hab auch eine Urlaubsidee – aber eine für den etwas bodenständigeren Typ, der auch etwas für seine Bildung und für sein Ego tun möchte: Ein Panzerglashotel mitten in den Armenvierteln von Delhi! So lernt man Indien von seiner wahren Seite kennen. Aug in Aug mit den verwahrlosten Kindern, die im Müll wühlen, um dort zu schlafen oder um ihn zu fressen. Auf Knopfdruck kann man stets frischen Klebstoff zum Schnüffeln in diese abgefuckte Horde spritzen – oder auch etwas Brot. Man wird die Hauptattraktion des ganzen Ghettos sein!

Ich aas:
1 Kornweckerl mit explodiertem Getreide oben drauf
3 Stück Käse
2 Paradeiser klein
1 Paradeiser gross

Der Reiz des Fernsehens und der Tod der Natur

Bin zurück in der Wohnung. Die Natur ist tot. Die Pflanzen, die Tiere, die Luft. Noch wage ich mich nur mit Gesichtsmaske hier her. Der Gestank des Todes und der Verwesung, die Dämpfe der stärksten Tiervertilgungsmittel sind allgegenwärtig. Meine Reisplantage in der Badewanne ist nur noch Sumpf. Der Ablaß ist verstopft. Muss mir wohl Salzsäure besorgen, um die klumpigen Rückstände aufzulösen.
Ich verbrachte nun mehr als eine Woche bei der Nachbarin. Ich habe in meinem ganzen Leben noch nicht soviel in die Glotze gesehen wie in diesen Tagen – du weißt, ich scheiße aufs Fernsehen. Es kann sein… es kann wirklich sein, daß ich nun den Reiz des Fernsehens erfahren habe, ja, ich glaube, nun weiß ich zumindest ansatzweise, warum die Menschen soviel Zeit vor der Kiste verbringen. Es ist wie Saufen! Ja! Man vergißt seine eigenen Gedanken, die eigenen Probleme treten in den Hintergrund, verschwinden! Der Unterschied ist, der Alkohol wirkt durch natürliche Heilmittel, während das Fernsehen dich mit den Problemen dir fremder Menschen bombardiert. Ist ja nicht schlecht! Ich gebe es zu! Jeden Tag besorgte die Nachbarin zwei Videofilme, die wir uns ansahen. 80% davon waren wirklich fesselnd, spannend! Kann sein, daß mir diese Filme nur deshalb so gefielen, weil ich praktisch nie fernsehe. Kann sein, ja. Ich klebte förmlich mit der Nase am Fernseher, zitterte mit den Geschichten, hatte feuchte Augen, freute mich für Andere, hatte mit Anderen Angst! Wow!
Doch nun habe ich die Nase gestrichen voll von den Problemen anderer. Ich will wieder meine eigenen Gedanken denken, mein eigenes Leben leben. Die nächsten Monate werde ich wieder ohne Fernsehen sein.

Und dabei aas ich:
keine Ahnung, es ist zu spät – bin zu betrunken, um mich an das Mittagessen zu erinnern.

Leb wohl.

Die fünf Tode des Brunnens

Vor einigen Wochen berichtigte ich ja vom Abriss der alten Fabrik, die ich durch das Scheißhausfenster sehen kann. Nun, sie ist jetzt dem Erdboden ebenbürtig. Manchmal steige ich noch immer auf den Clodeckel, um den Arbeitern zuzusehen und siehe da! Seit gestern ereignen sich merkwürdige Dinge:
Anscheinend sind sie gerade dabei, das ganze Grundstück auszubaggern, um einen Keller bauen zu können. Gestern beobachtete ich, wie der Bagger kurz innehielt und die zwei Arbeiter, die sonst nur dem Bagger zuschauen, herbeigelaufen kamen, um sich über etwas zu wundern, das der Bagger gefunden hatte. Zuerst konnte ich nichts erkennen, aber dann schaufelte der Bagger eine größere Fläche um den Fund frei. Die Entdeckung sah aus, wie ein großer, gemauerter Brunnen. Den Durchmesser würde ich mal auf vier bis fünf Meter schätzen. Das Mauerwerk zeigt sich teils mit gepreßten Ziegelsteinen, doch teilweise auch mit wilden Felsbrocken. Dieser „Brunnen“, wenn es ein solcher überhaupt ist, hat jedoch keine Öffnung. Auf ihm drauf liegt ein gewaltiger flacher Granitblock, der scheinbar nur mit einfachem Werkzeug gerundet und geflacht worden ist!
Bis heute haben sie den Felsdeckel und den „Brunnen“ in Ruhe gelassen. Es waren bloß einige Leute hier und haben ihren Senf abgegeben. Jetzt gerade stehen auch ein paar Typen am „Brunnen“, die Arbeiter machen dem Bagger gerade einen riesigen Luftdruckhammer dran.
Jetzt wird’s spannend. Es gibt folgende Möglichkeiten:

  1. Es wurde das seit Jahrhunderten verschlossene Tor zur Hölle gefunden. Sobald der Granitblock bricht, strömt der Brodem des Teufels auf die Welt. Wien wird zur Außenstelle der Hölle.
  2. Die Arbeiter entdecken ein extraterrestrisches Artefakt, das von einem alten, aber sehr weisen Volk eingemauert wurde, um die Erde vor Schaden zu bewahren. Das Artefakt schaltet sich bei Kontakt mit Sonnenlicht ein und beginnt zu leben. Wien wird dem Erdboden gleichgemacht (warum auch immer).
  3. Hitler war tatsächlich im Besitz der Atombombe, konnte sie aber nicht mehr einsetzen! Der „Brunnen“ ist ein Raketensilo für diese Atombomben aus dem zweiten Weltkrieg. Felsenteile fallen auf den vermodernden Zündmechanismus und Wien explodiert.
  4. Wir haben das Böse aus den vergangenen Zeitaltern geweckt. Zu tief und zu gierig haben die Menschen gegraben. Ein Balrog, der angeblich von einem antiken Zauberer getötet worden war, lag die Jahrtausende bloß im Koma, erwacht jetzt auf Grund der tollen Wiener Luft und nimmt Rache an Mittelerde. Wien verbrennt.
  5. Der „Brunnen“ ist eine Art Tempel der Druiden, die damals in der Gegend um Wien wohnten. Dieser Tempel war das Zentrum eines alten Friedhofs. Wir, die dämlichen Wiener, entweihten ihn einst, weil wir eine Fabrik darauf gebaut haben, und entfachten so einen bösen Fluch. Die Massenselbstmorde, die unangenehmen Blähungen und die Geistererscheinungen in  meinem Wohnblock haben nun endlich eine Erklärung gefunden. Durch die Zerstörung des Tempels wird dem „Brunnen“ ein übelriechender, teuflischer, feuchter Materialfurz entfahren – der Fluch ist gebrochen. Die Vögel fallen vom Himmel, die Wiener ersticken, ich kann in Ruhe schlafen. (Und ich habe einen Ort gefunden, an dem ich die verschissene Katze der Nachbarin verscharren kann)

Ich aas:
3 Paradeiser
1 Kren
1 Sandwichgurken
1 Eckerlkäse
1 Kräuterkäse

Tot und Sein im Hause Ponthal

Weißt du, ich mag alte Familienfotos. Die schau ich immer besonders gern und lange an. Sieh dir mal das an:

Das ist ein Foto meiner Vorfahren. Von dort stamme ich väterlicherseits ab. Nicht einmal die Kinder leben mehr.
Wenn ich das Bild betrachte, die Kleidung der Leute, das Holz der Fassade, die Fenster, dann kommt mir alles so vertraut vor, obwohl ich nie auf diesem Hof gewesen bin. Mir ist, als würde ich genau wissen, wie es im Haus riecht, wissen, wie sich das Gewand der Menschen anfühlt, die Schuhe. Ich kenne ihre Sorgen, es ist kühl, unfreundlich draußen, der Boden matschig, mir hängt der Rotz aus der Nase, die Schule interessiert mich einen Scheißdreck.
Ich bin ein Teil von ihnen.

Oder sieh dir das Bild an:

Anscheinend eine Hochzeit – alle tot.
Mein Blick schweift über die Gesichter dieser Menschen, ich versuche, ihre Gedanken und Gefühlsregungen zu erahnen. War die Frau links hinten, die das Glas hebt, eine Stimmungskanone? Schaut der Bräutigam so verzwickt aus der Wäsche, weil er an die Hochzeitsnacht denkt? Oder wollte er eher die Frau  heiraten, die hinter ihm steht? Ist er betrunken? Sind die beiden Männer neben dem Bräutigam seine Väter? Was für hübsche Bärte sie haben!

Ein etwas neueres Bild:

Noch nicht alle tot.
Kinder aller Arten. Fröhlich, schlimm, rachitisch, hoffnungsvoll, lebending, von Rückschlägen gezeichnet.

Was mich so fasziniert an solchen Fotos ist die Tatsache, daß sie einen ganz kurzen und bestimmten Ausschnitt der Geschichte darstellen. Für uns bloß ein Foto, für die Menschen damals, das JETZT. Alles auf diesen Fotos hatte seine Ursache, seinen Grund. Jeder Grashalm, jedes Haar, jedes Fältchen, Grübchen, Blick, alles war wichtig und ist nun verloren – und doch die Grundlage für JETZT.

Ich aas – und auch meine Mittagessenfotos werden eines Tages jemanden genauso faszinieren:
1 Brot
1 Käse
1 Wiener Gabelbissen
1 Kronprinz Rudolf

…. wenn sie nur nicht dauernd in der Luft hängen bleiben würden, verdammtes Handy ….

Und jetzt c’est la vie

Und jetzt c’est la vie

Ich war im Rattenloch und jetzt bin ich wieder zuhause.
Der Autoreifen war kaputt und jetzt hat er wieder Luft.
Die Nachbarin wäre fast krepiert und jetzt wird sie wieder gesund.
Das Mittagessen war kompliziert und jetzt ist mir schlecht.

Der Teller war schön verziert und jetzt liegt alles im Mist.
Die Gurke war mit Liptauer gefüllt und jetzt ist sie leer.
Der Geschmack gab nichts her und dann kam der Senf.
Zuerst kam der Senf und dann der Brechreiz.
Und jetzt jetzt und dann dann.

Mein heutiges Gedicht zum heutigen Gericht.

Wenn der Schwengel blitzt

Mein Aperol war gestern Abend zu Ende. Das frustrierte mich furchtbar. Ich war müde wegen des frühen Aufstehens, erschöpft von der schwülen Hitze und sehr durstig. So lag ich, am Ende meiner Kräfte und Nerven, einfach auf dem Fensterbrett, nackt, und sah in den Himmel. Dazu jammerte ich eine traurige Melodie und spielte mit meinem Schwengel. Als endlich das Gewitter begann, beobachtete ich voll Freude, wie die Blitze über den ganzen Himmel zuckten. Ich glaubte, die aufgeladene Spannung der Luft bis ins letzte Schamhaar zu fühlen. Als es heftiger wurde, stand ich mühsam auf, denn mir kam eine Vision, die mir nicht gefiel. Wie würden die Leute lachen, führe ein Blitz direkt in den Schwanz des ungeliebten Nachbarn!

Ich aas:
1 Zwiebelbaguette
1 Gouda Käse
0 Aperol